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Biotop für Großeulen: So entsteht bei Obernhain ein Paradies für Uhus

Von Mitten im Wald unterhalb der Saalburg ist jetzt vom Hessischen Forstamt Weilrod in Zusammenarbeit mit dem Nassauischen Zentral-Studienfonds in einem alten Steinbruch ein Vogelparadies entstanden. Für die extrem seltenen Uhus.
Thorsten Keller hängt zwischen Himmel und Erde. Er befreit den alten Steinbruch  bei Obernhain vom Bewuchs, so dass hier Uhus brüten können. Thorsten Keller hängt zwischen Himmel und Erde. Er befreit den alten Steinbruch bei Obernhain vom Bewuchs, so dass hier Uhus brüten können.
Hochtaunus. 

Der Uhu, seines Zeichens größter Nachtraubvogel, war in Europa fast ausgestorben, bis er in den 1980er Jahren in den Benelux-Ländern ausgewildert wurde. Inzwischen gibt es wieder wachsende Bestände, auch im Taunus. Im Wald bei Obernhain wurde für die Nachträuber jetzt ein neues Biotop mit einem Hang zum Paradies geschaffen. Ein stillgelegter Steinbruch wird den Uhus, die es aufgrund von Federfunden nahe dem Hessenpark zweifellos in der Region gibt, künftig als Lebens- und Rückzugsraum dienen.

Der Uhu ist wieder im Taunus heimisch geworden. Bild-Zoom Foto: Patrick Pleul (dpa-Zentralbild)
Der Uhu ist wieder im Taunus heimisch geworden.

Der stellvertretende Leiter des Hessischen Forstamts Weilrod, Thomas Götz, traf sich jetzt mit der beim Forstamt für Waldpädagogik zuständigen Vogelexpertin Bhavana Kaiser und dem Wehrheimer Förster Björn Neugebauer, um sich vom Ergebnis der Aktion zu überzeugen.

Vierstelliger Betrag

Die Idee, den Steinbruch zum Uhu-Paradies zu machen, hatte Neugebauer. Ihm war beim Studium von Luftaufnahmen im Geoinformationssystem (GIS) die zunächst undefinierbare Kuhle im Wald, die sich bei genauerem Hinsehen als alter Steinbruch entpuppt hat, aufgefallen. Ursprünglich sei es um die Verkehrssicherung auf Waldwegen gegangen, „die Idee mit den Uhus kam erst später“, so Neugebauer. Der Nassauische Zentral-Studien-fonds (NZF), dem das Waldstück unterhalb der Saalburg gehört, sei sofort Feuer und Flamme gewesen, als er vom Forstamt auf die Möglichkeit, in dem alten Steinbruch ein Natur- und Artenschutzprojekt zu realisieren, angesprochen worden war, sagt Götz. Neugebauer schätzt den finanziellen Aufwand auf einen „vierstelligen Betrag“, den der NZF gerne übernehme, wie er sich auch für die Wegesicherung oberhalb der Abbruchkante verantwortlich zeige.

Innerhalb von nur einem Tag war es vergangene Woche gelungen, den Steinbruch vom Bewuchs zu befreien. „Wir wissen nicht genau, wie lange der Steinbruch, in dem wohl Quarzit für den Wegebau gewonnen wurde, in Betrieb war. Die Buchen in der Sohle aber dürften 50 Jahre alt gewesen sein“, schätzt Neugebauer. Die Bäume und Sträucher in der Wand waren von dem Wehrheimer Forstunternehmer Thorsten Keller entfernt und von einem Harvester portioniert worden. Keller hing beim Sägen freischwebend am Seil in der Steilwand. Er verfügt über eine Ausbildung als Baumkletterer.

Wie der Kleber zu seinem Namen kam

Die Uhus sind große Eulen, die kräftige Krallen sowie – von der Schneeeule abgesehen – auffällige Federohren haben, die entfernt an „Teufelsohren“ erinnern und den Uhus einen eher schlechten Ruf in der Tierwelt eingebracht haben.

clearing

Bhavana Kaiser hält den Steinbruch für das Uhu-Projekt für „absolut ideal geeignet“. Er passe optimal zu den Lebens- und Brutgewohnheiten der Großeulen. In der Wand gebe es Einbuchtungen und Ausbrüche, in denen die Uhu-Weibchen ihre Nester anlegen können. „Uhus sind hart im nehmen, da muss das Nest nicht mit Moos ausgepolstert sein“, sagt Kaiser. Auch gebe es in der schroffen Wand genügend Auslauf für die Baby-Uhus, ohne dass die Mutter gleich Angst haben müsse, dass der Nachwuchs abstürzt.

Doch auch für die männlichen Uhus ist das Terrain bestens geeignet. Oben auf der Abbruchkante stehen zwei Fichten. „Auf denen hocken die Männer und verbringen den Tag, wobei sie nach Feinden und anderen Störungen Ausschau halten, gejagt wird nur nachts“, so die Expertin. Uhus fressen eigentlich alles, von der Maus über Katzen, Igel und andere Eulenvögel bis zum Habicht, der nicht aufpasst. Ideal ist der aufgrund des speziellen Gefieders absolut lautlose Flug, allerdings nur für den Uhu. Tiere am anderen Ende der Nahrungskette dürften das anders sehen.

Treue Seelen

Uhus sind treue Seelen, „die Paare bleiben meistens ein ganzes, bis zu 30 Jahre langes Leben zusammen. Sie balzen im Winter und legen Ende Januar bis zu drei Eier“, erläutert Bhavana Kaiser die Lebensweise der gefiederten Räuber, die zwar schon recht schnell flügge, aber erst mit zwei bis drei Jahren geschlechtsreif werden. Erst dann suchen sie sich ihr eigenes Revier – vielleicht im Steinbruch bei Obernhain. Dort ist jetzt jedenfalls reichlich Platz.

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