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Sport: Weil ein Fitness-Studio umgebaut wird, fallen bei Tennisclubs Trainingsstunden weg

Von Betreiber und damit verbundene Namensänderungen hatte das Fitness-Studio im Niedersteder Weg 12 schon einige: Es hieß Highlight, Robinson Wellfit, Health City. Jetzt wird es von der britischen "David Lloyd"-Gruppe betrieben, die viel Geld investiert, um es auf modernsten Standard zu bringen. Was die Mitglieder freut, aber die Tennisclubs der Kurstadt, die hier bislang im Winter Hallenzeiten buchen konnten, in die Bredouille bringt.
In diesen Hallen werden in der kommenden Wintersaison wohl weniger Tennisspieler trainieren können. Die Räume werden modernisiert. Foto: Jochen Reichwein In diesen Hallen werden in der kommenden Wintersaison wohl weniger Tennisspieler trainieren können. Die Räume werden modernisiert.
Bad Homburg. 

Die Nachricht für Eltern, deren Kinder im Tennis-Club Ober-Eschbach trainieren, kam im August per E-Mail. In der demnächst startenden Wintersaison werde das Hallentraining einige Änderungen erfahren. Denn am Standort des bisherigen Trainings, beim ehemaligen „Health City“ im Niederstedter Weg, stelle der neue Betreiber, die „David Lloyd“-Gruppe, nur noch eine begrenzte Anzahl von durch Vereine anmietbaren Stunden zur Verfügung. Ober-Eschbach bekomme montags, mittwochs und freitags Hallenkontingente fürs Training, habe aber Unterschlupf in der Targahalle in Nieder-Erlenbach gefunden.

Irgendwie kam die Sache ein bisschen plötzlich. Auch für die Spieler des Kirdorfer Tennisclubs und des Tennis Clubs Bad Homburg im Kurpark. Auch sie haben seit fast zwei Jahrzehnten im Winter in den Hallen im Niederstedter Weg 12 trainiert und müssen nun die Trainings eindampfen. Aber der TC Bad Homburg sieht das gelassen und schreibt auf seiner Homepage, David Lloyd habe sich „sehr kooperativ gezeigt“. Allerdings stünden wegen des geplanten Umbaus nur zwei statt bisher fünf Plätze zur Verfügung, die sich der TC Bad Homburg mit dem TV Ober-Eschbach und dem Kirdorfer TC teilen müsse. „Gleichwohl ist es gelungen, eine hinreichende Anzahl von Tennisstunden zu sichern.“ Und die Traglufthalle im TC Bad Homburg und die Teppichhalle im Haus von Noorden in Dornholzhausen gebe es ja auch noch.

Investoren aus Bad Homburg

Ähnlich zufrieden ist man nach Informationen dieser Zeitung in den Vorstandsreihen des TC Ober-Eschbach mit der Kompromisslösung. David Lloyd habe ja eingelenkt. Dem Vernehmen nach wollten die neuen Betreiber anfangs gar keine Hallenstunden für Vereine zur Verfügung stellen. Hinter den Kulissen allerdings brodelt es. Vor allem, weil die Besitzer des Grundstücks – offenbar eine Gruppe von zehn Investoren aus Bad Homburg – den Deal über die Bühne gezogen hatten, ohne sich zunächst um die Belange der Tennisvereine zu kümmern. Ein Mitglied eines Vereins, das namentlich nicht genannt werden will, sagt: „Diese Investoren stehen den Tennisvereinen nahe. Sie hätten wissen müssen, dass die Neuverpachtung Konsequenzen für die Vereine haben würde. Und von vornherein dafür sorgen, dass zumindest eine Wintersaison für die Vereine komplett gesichert ist, damit die sich etwas anderes überlegen können.“

Ein anderer Spieler fügt hinzu: „Man kann David Lloyd keinen Vorwurf machen. Die Gruppe hat das Areal gepachtet und macht einen privaten Sportclub draus. Verwerflich ist, dass die Besitzer keinen Gedanken an die Folgen verschwendet haben.“

Mitglieder verärgert

Sowohl im TC Ober-Eschbach als auch im TC Bad Homburg sind einige Mitglieder verärgert, dass der Trainingsplan umgeschmissen wird, Kinder in andere Städte gefahren werden müssen. Im Fall von Ober-Eschbach ist von der Hälfte aller bisherigen Stunden die Rede, die nicht mehr am Niederstedter Weg gebucht werden können. Der TC Kirdorf und der TC Bad Homburg sollen demnach jeweils 20 bis 30 Prozent weniger Stunden im Niederstedter Weg bekommen.

Einen, den das Ganze noch empfindlicher trifft, ist Gideon Hilb. Der 63-Jährige, der selbst in der Bundesliga gespielt hat, Deutscher Meister war und Profis betreut hat wie Alexander Waske, ist seit 1994 Trainer in der Homburger Turngemeinde (HTG). Als Selbstständiger kann er Hallenplätze für seine Kunden allerdings nicht über den Verein buchen, sondern macht das selbst. „19 Jahre lang war das unproblematisch“, sagt er. „Ich habe unzählige Stunden dort gebucht und war vermutlich der größte private Kunde der vergangenen 19 Jahre.“ Jetzt aber habe er Schwierigkeiten, überhaupt Trainingsstunden zu bekommen. „Ich könnte nur Tagesrandzeiten zwischen 7 und 8 Uhr morgens oder 21 und 22 Uhr buchen – und auch die nur im Abonnement. Das sind ja nun nicht gerade die Zeiten, die bei Tennisspielern, die nicht im Leistungsbereich unterwegs sind, gut gehen.“ Für ihn sei dieser neue Deal daher „im Grunde ein totaler Verdienstausfall“.

Enorme Umsatzeinbußen

Zum Glück einer, der zeitlich begrenzt sei – die HTG baut derzeit eine eigene Zweifeldhalle. „Wie das meine Kollegen bei den anderen Vereinen machen, weiß ich nicht. Auch sie dürften enorme Umsatzeinbußen haben.“ Worüber mit dieser Zeitung allerdings niemand sprechen wollte. Auch nicht darüber, wie es eigentlich für die Vereine in der folgenden Wintersaison weitergeht. Denn das „David Lloyd“-Angebot gilt nur für diesen Winter.

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