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Werte-Serie: Wie funktioniert Vertrauen?

Vertrauen spielt im Arbeitsalltag eine immer größere Rolle. Manchen Personen, die einen bestimmten Beruf ausüben, bekommen ein Vertrauensvorschuss, andere Berufstätige schlägt Misstrauen entgegen. Wie man damit umgeht und wie man Vertrauen lernen kann, steht heute im Mittelpunkt unserer Werte-Serie.
Da ist Vertrauen gefragt: Beim Klettern auf einen neun Meter hohen Baumstamm muss man auf die Sicherung der Kollegen vertrauen, die einem im Falle eines Sturzes an Seilen halten. Da ist Vertrauen gefragt: Beim Klettern auf einen neun Meter hohen Baumstamm muss man auf die Sicherung der Kollegen vertrauen, die einem im Falle eines Sturzes an Seilen halten.
Hochtaunus. 

„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ – diese Redewendung mag in vielen Situationen Sinn ergeben, doch wenn es um das Vertrauen in andere Menschen oder gar um das Selbstvertrauen geht, ist Kontrolle nur schwerlich möglich. Besonders deutlich wird das, wenn man sich anderen Menschen, die in einem bestimmten beruflichen Bereich einen deutlichen Kompetenzvorsprung haben, „anvertrauen“ muss.

Manche Jobs genießen ein hohes Ansehen und damit einen gewissen Vertrauensvorschuss, andere nur einen sehr geringen, wie ein Ranking der Gesellschaft für Konsumforschung zeigt. Wenig überraschend die Belegung der ersten drei Plätze: 94 Prozent der Deutschen vertrauen Feuerwehrleuten, knapp dahinter Piloten (93 Prozent) und Krankenschwestern (91 Prozent). „Das beruhigende Gefühl, sich auf etwas beziehungsweise jemanden verlassen zu können, ohne Zweifel oder Unsicherheit – das macht Vertrauen aus“, so Thomas Velten, stellvertretender Stadtbrandinspektor in Bad Soden, „und dieses gute Image in der Bevölkerung lässt sich darauf zurückführen, dass die Feuerwehr im Notfall eben immer schnell und ohne Wenn und Aber kommt und sich für den Betroffenen einsetzt.“

Intern muss sich jeder auf die Kameraden verlassen können – ob in der Zusammenarbeit bei einem Einsatz oder was die Wartung von Fahrzeugen und Geräten betrifft. Viele kennen sich seit Jahren oder gar Jahrzehnten und trainieren in dieser Zeit auch die im Feuerwehralltag nötigen Werte. „Nicht zuletzt mit fremden Einsatzkräften oder anderen Helfern aus dem ’Blaulichtmilieu‘ arbeiten wir sofort vertrauensvoll zusammen“, ist Velten wichtig.

„Piloten sitzen mit ihren Passagieren im gleichen Boot. Was immer geschieht, geschieht mit allen Insassen“, verdeutlicht Gerhard Fahnenbruck, Pilot und Psychologe aus Bad Homburg. „Für unsere Aufgabe sind wir gut ausgebildet und werden regelmäßig geprüft. Wir trainieren einerseits, das Fluggerät sicher zu beherrschen, erlernen andererseits aber auch, dass es nicht zur Katastrophe führt, wenn mal ein System ausfällt oder uns ein Fehler unterläuft.“ So lernen die Piloten quasi nebenbei, dass das System Luftfahrt auf Fehlertoleranz ausgelegt ist. „Genau das ist es, was es gleichzeitig sicher und menschlich macht und es uns ermöglicht, absolutes Vertrauen zu haben.“

Auch Ärzte (86 Prozent der Deutschen) und Polizisten (73 Prozent) gehören zu den Berufen, die hohes Ansehen genießen. Im Mittelfeld tummeln sich Pfarrer (55 Prozent) und Rechtsanwälte (50 Prozent), während bei den Journalisten (27 Prozent) das Ende der Skala beginnt. Noch niedriger liegen Berufe wie Fußballspieler (17 Prozent), Autoverkäufer (11 Prozent) und als Schlusslicht Politiker (6 Prozent).

Grundlegende Skepsis

Auch für Finanzberater (20 Prozent) sieht es eher schlecht aus, denn gerade wem man sein sauer verdientes Geld für – hoffentlich – lukrative Anlageformen anvertraut, überlegt man sich sehr genau. „Bei vielen Neukundenterminen erlebe ich eine grundlegende Skepsis und Zurückhaltung“, erzählt Michael Scholtis, unabhängiger Vermögensverwalter bei Rosenberger, Langer & Cie. in Bad Soden. „Da ist viel Aufklärungsarbeit notwendig, um Vorurteile auszuräumen.“

Denn sicherlich gebe es in der Finanzberatungsbranche schwarze Schafe. Doch die meisten Klienten von Scholtis kämen über Empfehlungen langjähriger Kunden, und so baue sich langsam Vertrauen auf. Für das schlechte Image macht er eine standardisierte Bankberatung verantwortlich: „Hauseigene und zu teure Fonds oder Zertifikate berücksichtigen oft nicht die Bedürfnisse der Kunden, und die permanente Fluktuation der Berater erschwert eine langjährige, vertrauensvolle Zusammenarbeit.“

Genau darum geht es auch den meisten, die als Team ein Training im Hochseilgarten von Taunatours in Oberreifenberg buchen. Petra Haas, die dort seit über zehn Jahren Gruppen – ob aus Firmen oder Schulklassen – trainiert, klärt im Vorfeld, wo die Schwerpunkte und das Ziel liegen sollen: „Grundsätzlich kann jede Übung unterschiedlich genutzt werden, zum Beispiel um sich einer Herausforderung zu stellen und die eigenen Grenzen auszuloten oder um das Vertrauen in die Kollegen zu testen. Wenn ein neues Team zusammenwachsen soll, arbeiten wir entsprechende Kooperationsübungen aus.“

In Teams arbeiten

So navigieren sich beispielsweise zwei Teams per Funk durch den Wald oder bauen ein Floß, das die ganze Gruppe tragen muss. Klassische Vertrauensübungen sind auch der „Mohawk Walk“, bei dem das Team über ein Stahlseil gebracht werden muss, der Leiterüberstieg oder der „Pamper Pole“, also ein bis zu neun Meter hoher Baumstamm, den man – gesichert von den Kollegen – hochklettert. „Am Ende der Skala steht dann der ,Trust fall‘, wenn man sich mit verbundenen Augen rückwärts in die Arme des Teams fallen lässt. Aber dafür muss dann wirklich schon das nötige Vertrauen erarbeitet worden sein“, weiß Haas.

„Aber es geht auch darum, sich darauf einlassen zu können. Manche stellen sich die Frage, ob sie sich so weit öffnen und ihren Kollegen zeigen wollen, dass sie zum Beispiel in einer Höhensituation Angst haben oder vielleicht scheitern werden. Die Personen müssen sich darauf verlassen können, dass niemand diese Situation missbraucht, sie also nicht ausgelacht werden.“ Grundsätzlich aber kann jede Übung abgelehnt werden, niemand wird zu etwas gezwungen.

Für Haas stellt sich ein Trainingserfolg aber allein schon dadurch ein, dass sich jeder in seinem Rahmen bemüht und ein Team motiviert und gut zusammenarbeitet: „Auch ist es wichtig, dass eine Gruppe es schafft, dem Einzelnen zu verdeutlichen, dass man ihr vertrauen kann. Auf jeden Fall sind alle hinterher um Erfahrungen reicher, die nachhaltig wirken, und dann wächst so ein Team auch im Alltag näher zusammen.“

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