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ZING - Zeitung in der Grundschule: Wo die alten Römer herrschten

Die Klasse 4c der Friedrich-Ebert-Schule aus Bad Homburg besuchte mit ihrer Lehrerin Birgit Sittmann das Römerkastell auf der Saalburg im Taunus.
Die Statue des römischen Kaisers Antoninus Pius begrüßt die rund 120 000 Gäste, die jedes Jahr die Saalburg besuchen kommen. Bilder > Die Statue des römischen Kaisers Antoninus Pius begrüßt die rund 120 000 Gäste, die jedes Jahr die Saalburg besuchen kommen.
Bad Homburg. 

Wann wurde die Saalburg gebaut und wer wohnte auf der Saalburg? Diese und viele weitere Fragen interessierten uns vor dem Besuch im Römerkastell besonders. Nachdem wir im Innenhof des Kastells wie echte Reporter begrüßt wurden, ging es los. Rüdiger Schwarz (47) arbeitet seit sechs Jahren als Museumspädagoge auf der Saalburg und findet die Römerzeit „total spannend“. „Hier fühlt man sich in die alte Zeit versetzt und lernt immer wieder etwas Neues dazu“, erzählte er.

Zunächst gab es nur einen kleinen Militärposten mit einigen wenigen Soldaten. Bis um das Jahr 200 n. Chr. entwickelte er sich zu einer Siedlung mit Straßen, Geschäften, Häusern und einer Badeanlage. In der Blütezeit des Kastells lebten bis zu 2000 Menschen im Bereich der Saalburg. Um die Saalburg zu schützen, bauten die Soldaten einen Schutzwall, den Limes. Dieser bildete für rund 150 Jahre die Grenze des römischen Reiches zu den Siedlungsgebieten der Germanen. Er war rund 550 Kilometer lang und reichte vom Rhein bis zur Donau. Ab 230 n. Chr. wurden die Römer immer wieder von den Germanen überfallen und geplündert. Das Lagerdorf vor dem Kastell wurde dabei zerstört und die Bewohner flüchteten.

Um 260 n. Chr. verließen die letzten römischen Soldaten die Saalburg. Die Römer gaben den Limes und das Kastell auf. Die Zeit der römischen Herrschaft im Taunus war somit vorbei und die Anlage begann zu verfallen. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts ließ Kaiser Wilhelm II. das Kastell als Forschungsinstitut und Freilichtmuseum originalgetreu wieder aufbauen.

Um unsere Frage nach dem höchsten und größten Gebäude im Kastell zu beantworten, ging es nach draußen. Als das höchste Gebäude bezeichnete Rüdiger Schwarz die relativ zentral gelegene Basilika, auch die große Halle genannt. Umgeben wurde das Kastell von der Wehrmauer. Sie ist 720 Meter lang und über vier Meter hoch. Somit kannten wir auch das größte Bauwerk.

Die beeindruckende Wehrmauer mit den vielen Zinnen wurde von den Soldaten erbaut und führt einmal komplett um das Kastell herum. Vor der Mauer befand sich auch noch ein tiefer Graben ohne Wasser. Das gesamte Gelände umfasst circa drei Hektar. Anhand von Nachbauten, Modellen und zahlreichen Ausgrabungsfunden aus der Römerzeit erzählte Schwarz uns vom Leben der römischen Soldaten und der Bewohner des Dorfes vor den Toren des Kastells.

Hart bestraft

Im Kastell lebten ausschließlich römische Soldaten. Mit 19 bis 23 Jahren kamen sie zum Militärdienst und mussten bis zu 25 Jahre dienen. Nach ihrer Entlassung erhielten Legionssoldaten als römische Bürger eine Landzuweisung oder eine Geldabfindung. Der Eintritt in die Armee geschah häufig nicht ganz freiwillig. Teilweise wurden junge waffenfähige Männer einer römischen Provinz von Verwaltungsbeamten des Militärs gezwungen.

Der Dienst der Soldaten auf der Saalburg war streng geregelt. Er begann mit Sonnenaufgang durch ein Hornsignal. Nach einem kurzen Frühstück mussten sie antreten. Bei der Morgenmeldung im Stabsgebäude verkündete der Lagerkommandant den Tagesbefehl und teilte die Truppen zu den Diensten ein. Die Soldaten bewachten in Tag- und Nachtwachen die Saalburg. Vormittags machten einige Soldaten Waffen- und Gefechtsübungen. Sie trainierten für den Kampf. Andere Soldaten waren mit Außendiensten oder mit der Arbeit in den Werkstätten beschäftigt. Ein Centurio (Chef) kommandierte die Soldaten bis zum Nachmittag herum und erwartete Gehorsamkeit. Wer sich nicht an seine Befehle hielt, wurde hart bestraft.

Die Soldaten wurden für ihre gesamte Dienstzeit in feste Mannschaftstruppen eingeteilt, in denen sie sich vertragen mussten. Dieser Zusammenhalt war überlebenswichtig, denn während eines Kampfes mussten sie sich aufeinander verlassen können. Streit in der Gruppe wurde von dem Centurio nicht geduldet. Jede Soldatengruppe bekam einige Pferde und ein Maultier für den Transport. Im Kastell waren rund 600 Mann, 120 Reiter und Fußsoldaten stationiert. Als Bezahlung dienten Münzen aus Kupfer, Messing, Silber oder Gold. Ein einfacher Soldat verdiente wenig: Pro Jahr erhielt er nur etwa 250 Silberstücke.

Für eine kurze Militärdemonstration ließ uns Rüdiger Schwarz vor einem Gebäude aufstellen. Er wollte uns zeigen, wie sich die Soldaten bei einer Militärübung mit dem Centurio wohl gefühlt haben. Wir bekamen römische Befehle in lateinischer Sprache und mussten sie ausführen. Am Anfang gab es doch einige Schwierigkeiten bei der Verständigung, doch zum Schluss konnten wir die Befehle „sinistra – links herum“ und „dextra – rechts herum“ immer besser befolgen.

Da wir die Übung im Schneeregen ausführten, wurde uns langsam kalt. Ob die Römer damals auch so gefroren haben? Wir waren jedenfalls froh, als wir zum nächsten warmen Ausstellungsgebäude marschierten, in dem ein bemaltes Schild, verschiedene Waffen, Kleidung und Alltagsgegenstände der Soldaten ausgestellt sind. Wundersam war ein Steinklumpen, der neben dem ausgestellten Soldaten lag. Rüdiger Schwarz erklärte, dass dies ein verrostetes Kettenhemd ist. So ein Kettenhemd besteht aus 15 000 bis 20 000 kleinen Eisenringen, die bei Feuchtigkeit schnell rosteten und sich verformten. So wurde das Hemd schnell unbrauchbar. Die Pflege der Ausrüstung war also eine weitere wichtige Aufgabe eines Soldaten. Die Reinigung von Waffen, Helmen, Lanzen, Wurfspeeren, Stiefeln und Kleidung erledigten die Römer in ihrer Freizeit.

Die Soldaten mussten in der Garküche ihr Essen selber kochen. Das Hauptnahrungsmittel war Getreide. Es wurde in einem großen Getreidespeicher gelagert, dem Horreum. Die anderen Vorräte wurden im Keller in Säcken, Töpfen oder Fässern aufbewahrt. Brot wurde zu allen Gerichten gereicht. Dies konnten Teigfladen mit Gemüse oder Käse sein. Es gab oft Getreidebreie mit Honig und Früchten oder Eintöpfe aus Hülsenfrüchten. Fleisch und Fisch aßen sie nur selten. Kartoffeln, Nudeln oder Reis kannten die Römer nicht. Die Hauptmahlzeit wurde am Abend eingenommen. Gern tranken sie Wein dazu.

In ihrer Freizeit besuchten die Soldaten auch gerne das große Badegebäude außerhalb des Kastells oder spielten römische Spiele. Ihr besonderes Interesse galt dem Glücksspiel (das Münzhochwurfspiel capita et navia – Kopf oder Zahl/Schiff). Auf öffentlichen Plätzen oder in Tavernen spielten sie Würfel- und Brettspiele wie Mühle. Das Spielfeld ritzten sie in Holzplatten. Die Spielfiguren konnten aus Stein, Holz oder Knochen sein.

Zapfenstreich

Nach Einbruch der Dunkelheit ertönte wieder ein Hornsignal, was den „Zapfenstreich“ ankündigte. Einige Soldaten mussten nun zu einer der vier Nachtwachen, andere gingen ins Bett. Die Betten standen in der Centuriae, der Mannschaftsbaracke. In einer Baracke waren 80 Soldaten in zehn Zimmern untergebracht. Jeweils acht Soldaten mussten sich ein nur 15 Quadratmeter großes Zimmer teilen. Dies nannte man das Contubernium, die Mannschaftsstube. Die Zimmer waren klein und unbequem . Es gab darin nur Betten, Ablagen, eine Garderobe und eine Feuerstelle.

Die Gemeinschaftstoilette der Männer war 150 Meter von der Unterkunft entfernt. Hierbei handelte es sich um einen großen Toilettenraum in dessen Mitte sich eine schwere Steinplatte mit mehreren Löchern befand. Hier saß man nebeneinander gemeinsam beim „Geschäft“ und plauderte über den Alltag oder handelte Vereinbarungen aus. Nun wissen wir auch, woher das Sprichwort „ein Geschäft verrichten“ kommt.

Über den Innenhof ging es schließlich weiter zum Stabsgebäude, der Principie. Im hinteren Teil befand sich das Fahnenheiligtum (Sacellum), wo die Feldzeichen der Legion aufbewahrt wurden. Die römischen Soldaten hatten keine Familienwappen wie die Ritter im Mittelalter, sondern verschiedene Fahnen, die an Stangen befestigt waren. Auf deren Spitze sah man das Feldzeichen der jeweiligen Truppe. Diese Feldzeichen waren heilig und wurden bei großen Feiern auch gesalbt. Ein Feldzeichen konnte auch ein Adler sein. Außer den Fahnen der Truppe stand auch eine Statue des regierenden Kaisers im Sacellum. Im Fahnenheiligtum sprachen alle neuen Rekruten ihren Eid auf den Kaiser und das Imperium.

Vor dem Haupttor der Wehrmauer lagen ein Badegebäude und ein Gästehaus. Ein Lagerdorf mit Händler-, Handwerker- und Wirtshäusern schloss sich an. Die Römer nannten es vicus. In diesem Dorf wohnten nicht nur Handwerker und Händler, sondern auch die Familien der Soldaten. Die Frauen und Kinder der Soldaten durften nicht ins Kastell, aber die Soldaten konnten ihre Angehörigen im Dorf besuchen.

Heiraten verboten

Das Heiraten war den Soldaten untersagt, da das römische Reich nicht für die Angehörigen aufkommen wollte, falls der Soldat starb. Die Frauen im Dorf oder Freundinnen der Soldaten mussten ihr eigenes Geld als Schneiderinnen, Weberinnen und Töpferinnen verdienen. Oft machten die Frauen eine richtige Ausbildung in einem Handwerksberuf. In ihrer Freizeit beschäftigten sie sich gerne mit römischen Spielen wie Rundmühle und mit Mode. Zur Römerzeit war natürlich eine andere Mode aktuell als heute. Hosen wurden nicht getragen. Das übliche Kleidungsstück der Römer war die Tunika. Eine Tunika ist ein hochgeschlossenes Hemdkleid, das von einem Gürtel zusammengehalten wurde. Sie ging bis zu den Knien, bei Frauen bis zum Knöchel. Darüber wurde von den Frauen manchmal noch eine Palla getragen, ein Umhang, der über den Kopf gezogen werden konnte. Die Männer trugen über der Tunika eine Toga. Das war ein großes Stück Stoff, was kunstvoll um den Körper geschlungen wurde. Sie war meist weiß. Mit einer sogenannten Fibel, die Sicherheitsnadel der Römerzeit, wurden die Kleidungsstücke befestigt und zusammengehalten. An den Füßen trug man Sandalen oder Stiefel aus Leder.

Die Kinder der Soldaten haben bei ihren Müttern im Lagerdorf gelebt. Sie mussten im Haushalt, auf dem Feld und bei der Versorgung der Tiere helfen. Zum Spielen gab es verschiedene Spielfiguren aus Holz oder Ton und Holzschwerter. Das Deltaspiel war bei den Kindern besonders beliebt. Hierzu ritzten sie ein dreieckiges Feld mit römischen Zahlen in die Erde und versuchten mit Nüssen oder Steinen in die Felder zu treffen.

Mit der Hygiene waren die Römer schon sehr weit. Regelmäßig besuchten sie das Badegebäude, benutzten Kämme aus Knochen und besaßen Plumpsklos mit einem Abwasserkanal. Sie hatten sogar schon einen Arzt auf der Saalburg und kannten sich mit Salben und Kräutern aus. Somit konnten sie Infektionskrankheiten lindern und Verletzungen versorgen.

Zum Abschluss durften wir die römischen Spiele noch selbst ausprobieren. Nach vier Stunden verließen wir die Saalburg durch die Porta Praetoria (Haupttor) und durch die Ruinen des römischen Lagerdorfes.

So schön dieser Ausflug auch war, zur Römerzeit wollten wir alle doch nicht gelebt haben.

Die Autoren: Lavinia, Filip, Sinan, Victor, Jonas, Sophia, Aveline, Kilian, Ivan, Kristina, Julius, Chloe, Aurelian, Leonie, Letizia, Leon, Greta, Hannes, Mathis, Johanna, Valentina, Matej, Cheyenne, Greta, Johanna,
Sophia und Valentina

Jährlich kommen etwas 120 000 Menschen auf die Saalburg, die 100 Jahre nach Christus von römischen Soldaten erbaut wurde. Geöffnet ist von November bis Februar täglich von 9 bis 16 Uhr und von März bis Oktober täglich von 9 bis 18 Uhr. Montags ist geschlossen. Für Erwachsene kostet der Eintritt 6 Euro, für Kinder ab 6 Jahren und Jugendliche 3 Euro.

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