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Boom-Zeiten: 1917 gab es 39 (!) Gärtnereien in Neu-Isenburg

Von „Blumen sind das Lächeln der Natur“, lautet ein Zitat des Komponisten Max Reger. Unter diesem Titel ist derzeit eine Ausstellung im Stadtarchiv zu sehen, die sich rund um die Gärtnereibetriebe in der Hugenottenstadt dreht.
Heidelore Kretschmann präsentiert ein blumiges Tableau mit Motiven aus der Hugenottenstadt. Bilder > Foto: Leo F. Postl Heidelore Kretschmann präsentiert ein blumiges Tableau mit Motiven aus der Hugenottenstadt.
Neu-Isenburg. 

Blumenschmuck ist nicht nur die Visitenkarte eines gepflegten Hauses, sondern auch einer ganzen Stadt, und Neu-Isenburg will sich gerne „blumig“ geschmückt zeigen. Doch woher kommen all diese schönen Blumen, die Balkone, Vorgärten und das „Begleitgrün“, wie Pflanzinseln und begrünte Straßenränder genannt werden? Es sind Gärtnereien, Blumenläden oder städtische Betriebe, wie der Dienstleistungsbetrieb mit seiner Gärtnerei, die stets für ein blumig buntes Erscheinungsbild in der Hugenottenstadt sorgen.

Die aktuelle Ausstellung im Stadtarchiv Neu-Isenburg widmet sich der besonderen Geschichte von Blumenläden und Gärtnereien in der Hugenottenstadt. Stadtarchiv-Leiterin Claudia Lack und ihr ehrenamtliches Team haben die interessante Ausstellung unter dem Titel „Blumen sind das Lächeln der Natur“ – nach einem Zitat des deutschen Komponisten Max Reger – zusammengestellt.

„Alles, was Neu-Isenburg betrifft, ob aktuell oder historisch, findet auch das Interesse der Isenburger“, sagt Heidelore Kretschmann. Die ehrenamtliche Mitarbeiterin des Stadtarchivs hat federführend die neue Ausstellung zusammengestellt. Die Bilder und Dokumente zeigen historische und aktuelle Fotos sowie Publikationen zu verschiedensten Themenbereichen. Die Besucher können auch einen Blick in Ausgaben des Neu-Isenburger Anzeigeblatts nehmen, die bis ins 19. Jahrhundert reichen.

Im Adressbuch von 1917 stehen noch stolze 39 Betriebe unter der Rubrik „Kunst- und Handelsgärtnereien“; eine der bekanntesten und heute noch florierenden ist Blumen Pfeiffer. „Dort haben wir auch die meisten historischen Fotos gefunden, man uns tief in die traditionelle Familiengeschichte blicken lassen“, dankt Heidelore Kretschmann der Familie Pfeiffer. So erfahren die Ausstellungsbesucher vieles aus der nun schon 110-jährigen Geschichte des Familienbetriebs „Blumen Pfeiffer“ mit ihrem Unternehmen an der Friedhofstraße. „Der Betrieb lag einmal am Rande der Stadt und ist heute fast mittendrin“, verweist Heidelore Kretschmann auch auf die starke städtebauliche Veränderung in den vergangenen Jahrzehnten. Neben einem Foto des Gründer-Paares, Clara und Philipp Wilhelm Pfeiffer, beeindruckt auch das Foto der vier Pfeiffer-Schwestern, Hella, Gretel, Emmi und Elfriede, wie sie gemeinsam ein Feldstück mit der Hacke bearbeiten. „Das sieht fast wie nach Kartoffel ausgraben aus, das wurde früher ja alles in schwerer Handarbeit gemacht“, meint Kretschmann zum Foto der dennoch fröhlich dreinblickenden Schwestern.

Älteren Isenburgern dürften Namen wie Haas, Liebetrau-Wyschka oder auch Schenk und Symang in Verbindung mit Gärtnereien noch bekannt sein. „Allein in der Offenbacher Straße waren 13 Betriebe ansässig“, so Heidelore Kretschmann und nennt Namen wie Pfaff, Zimmer und Hunkel oder auch Perrot und Ullmann. Die Betriebsgröße war recht unterschiedliche, vom kleinen Blumenladen bis zur größeren Gärtnerei, die auch Obst und Gemüse anbaute, war alles dabei. „Das waren meist Familienbetriebe, und einige hielten sich über zwei Generationen, doch oft fand sich auch kein Nachfolger, dann wurde der Laden oder der Betrieb halt aufgegeben, wenn die Besitzer die Arbeit nicht mehr bewältigen konnten“, erklärt Heidelore Kretschmann.

Kleine Betriebe konnten mit der wachsenden Konkurrenz sowie mit den Ansprüchen der Kunden nicht mehr mithalten. Aber auch der Verkauf als Bauland war verlockend. So sind viele der einst gut florierenden Gärtnereien verschwunden. „Wer heute noch einen Betrieb führt, ist meist schon die vierte Generation“, sagt Heidelore Kretschmann und verweist dabei auch auf „Blumen Pfeiffer“. Aber auch Andreas Malkemus (Malkemus Floristik) kann auf verwandtschaftliche Wurzeln im Gartenbau zurückblicken.

Neben den in der Ausstellung vorgestellten Betrieben hat sich aber auch eine neue, junge Generation insbesondere mit Blumenläden etabliert. Hier sind „Blumen Grund“ und „Billes Blumenladen“, beide in der Bahnhofstraße sowie „Flower & Art“ in der Frankfurter Straße zu nennen.

„Unsere Ausstellung und Aufzählung ist wahrscheinlich nicht vollständig, und so würden wir uns freuen, wenn es Besucher gäbe, die uns weiterhelfen könnten“, sagt Claudia Lack und die Besucher auch aus diesem Grund dazu ein, die sehenswerte Ausstellung „Blumen sind das Lächeln der Natur“ zu besuchen.

 

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