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Umweltamt-Experte: Abends steigt der Stickstoffdioxidwert unerklärlich stark

Von Prof. Stefan Jacobi vom hessischen Umweltamt lieferte Neu-Isenburger Bürgern Erkenntnisse zur Luftbelastung.
Prof.  Stefan Jacobi  stellte die Ergebnisse der mobilen Messstation in der Zeppelinstraße vor. Foto: Leo F. Postl Prof. Stefan Jacobi stellte die Ergebnisse der mobilen Messstation in der Zeppelinstraße vor.
Neu-Isenburg. 

Die Luft in der Rhein-Main-Region wird von den meisten Menschen als zu schlecht empfunden. Neben dem Straßenverkehr und Heizungen sorgen auch die Emissionen des Luftverkehrs für Schadstoffe. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) hat deshalb an unterschiedlichen Orten ständige Messstationen installiert. Eine davon steht in der Frankfurter Straße in Neu-Isenburg, die vor allem die Luftverschmutzung durch den Straßenverkehr erfassen soll.

Der Verein „Wir wollen hier gesund weiterleben“ unter Vorsitz von Herbert Hunkel erreichte mit Unterstützung der Stadt, dass für einen Zeitraum von einem Jahr eine weitere mobile Messstation aufgestellt wird. Sie soll vor allem Erkenntnisse über den Anteil des Luftverkehrs an den schädlichen Stoffen in der Luft Neu-Isenburgs zu gewinnen. Bis Ende Januar stand diese mobile Messstation auf dem Gelände der Seminar- und Gedenkstätte Bertha Pappenheim in der Zeppelinstraße 10.

Vorläufiges Fazit

Die erfassten Daten konnten zeitnah über das Internet von den Bürgern verfolgt und abgerufen werden. Jetzt zog Prof. Dr. Stefan Jacobi, Leiter des HLNUG, in der Mitgliederversammlung des Vereins „Wir wollen gesund hier weiterleben“ im Bürgerhaus Zeppelinheim, sein vorläufiges Fazit.

Gemessen wurden Feinstaubpartikel, Stickstoffdioxid (NO2), Schwefeldioxid (SO2) und Stickstoffmonoxid (NO), aber auch der Ozongehalt sowie Schwefelwasserstoffverbindungen und Ruß. Die von Prof. Jacobi präsentierte Auswertung basiert auf „Mittelwerten“, im Halbstundenrhythmus gewonnen, und auf Tagesmittelwerten. Im Vergleich mit anderen Messstationen wie jene nahe der Friedberger Warte in Frankfurt oder in Wiesbaden, liegen die gemessenen Werte in der Zeppelinstraße Neu-Isenburg darunter. Allerdings gibt es insbesondere in den Abend- und frühen Nachtstunden einen bisher unerklärlich hohen Nachweis von Stickstoffdioxid – aber auch nur sporadisch. „Hier gibt es manchmal Spitzen, die nicht eindeutig nachvollziehbar sind“, erklärte Prof. Jacobi. „Wenn sich Wiesbaden als Kurstadt darstellt, dann könnte dies Neu-Isenburg sogar noch besser tun“, konstatierte der Experte.

Nachweise möglich

Wolfgang Heubner, Sprecher der Bürgerinitiative Sachsenhausen gegen Fluglärm und Luftverschmutzung durch den Frankfurter Flughafen, mochte dieser Darstellung nicht ganz folgen. „Der Schwefelanteil im Kerosin ist wesentlich höher und somit wäre auch ein Nachweis, woher das Zeug kommt, sicherlich möglich“, betonte er.

Der Isenburger Dr. Ferdinand Stegbauer erklärte, die Auswirkungen auch gering vorkommender Schadstoffe in der Luft auf die Gesundheit sei „noch viel zu wenig erforscht“ worden.

In diese Kerbe schlug auch Dr. Herbert Drouin. Der Neu-Isenburger Chemiker kritisierte vor allem die Methodik der Mittelwerte. „Das ist doch in etwa so, als wenn ich eine Hand in den Kühlschrank und die andere in den Backofen stecke – und wo finde ich dann den Mittelwert?“, fragte er ketzerisch. Ferner verwies der Chemiker auf die Folgeprozesse der emittierten Stoffe durch chemische Reaktionen. „Da wird aus Stickstoffmonoxid recht schnell Salzsäure – und was das aus toxikologischer Sicht für die Lunge bedeutet, das kann sich jeder gut vorstellen“, so Drouin. Er forderte insgesamt wesentlich niedrigere Grenzwerte zum Schutze aller Menschen.

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