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Qoute soll verbessert werden: Arbeitsamt fährt ungewöhnlichen Kurs für Flüchtlinge

Von Wenn der Arbeitgeber nicht zum Flüchtling kommt, fährt dieser zum Arbeitgeber. Der Kreis beschreitet einen ungewöhnlichen Weg, Jobs für Flüchtlinge zu finden.
Tina Boyke, Administrationsmanagerin des Holiday Inn, führte die Flüchtlinge durchs Hotel und zeigte ihnen, wie vielfältig die  Hotelfachausbildung ist. Tina Boyke, Administrationsmanagerin des Holiday Inn, führte die Flüchtlinge durchs Hotel und zeigte ihnen, wie vielfältig die Hotelfachausbildung ist.
Neu-Isenburg. 

„Die Anfangseuphorie, die Flüchtlingswelle als Lösung für den Fachkräftemangel in unserem Land zu nutzen, ist inzwischen etwas verebbt“, erklärte Sozialdezernent Carsten Müller (SPD) gestern Vormittag. Von 5000 Flüchtlingen (darunter allerdings auch die Kinder), die im Kreis in den vergangen eineinhalb Jahren aufgenommen wurden, sind gerade einmal 200 in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt. Und so geht der Kreis Offenbach auch einmal ungewöhnliche Wege, um diese Quote nachhaltig zu verbessern.

Bereits zum dritten Mal organisierte das gemeinsame Arbeitsmarktbüro für Flüchtlinge des Kreises Offenbach und der Agentur für Arbeit die Jobbustour. „Wir haben heute wieder zwölf Flüchtlingen die Gelegenheit gegeben, bei drei Unternehmen hinter die Kulissen zu schauen, die bereit sind, Flüchtlinge einzustellen“, erklärte Birgit Günther, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit. Die zwölf jungen Männer und Frauen wurden am Kreishaus abgeholt und besuchten nacheinander das Premier Inn Hotel an der Frankfurter Messe, das Holiday Inn Frankfurt Airport in Neu-Isenburg sowie die Firma Dachser in Neu-Isenburg.

Flexible Behörde

Für Hanna Assefa Bekele eine Tour die sich gelohnt hat. Die junge Eritreerin ist seit zwei Jahren und drei Monaten in Deutschland. Eigentlich ist sie gelernte Buchhalterin. „Das ist aber in Deutschland zu kompliziert. Ich würde mich sehr für eine Ausbildung im Hotel interessieren“, sagte die junge Frau. Neben der Möglichkeit, zu längeren Praktika eingeladen zu werden, bietet das Arbeitsmarktbüro auch den Arbeitnehmern konkrete Hilfen an. So gibt es beispielsweise ausbildungsbegleitende Hilfen, wenn es noch Probleme mit der Sprache, insbesondere in der Berufsschule gibt. Überhaupt müsse die Behörde in der Vermittlung sehr flexibel sein. „Wir helfen schnell und unkonventionell. Jeder Fall ist individuell und wieder anders. Wir wollen möglichst viele Menschen in Ausbildung bringen, denn das hilft, um die Menschen nachhaltig auf eigene Beine zu stellen“, sagte Birgit Günther.

44 Vermittlungen

Für Stefan Renner, Geschäftsführer des Holiday Inn Hotels in Neu-Isenburg, ist das Konzept der Bustour eine gute Möglichkeit, ersten Kontakt aufzunehmen. „Wir haben ein großes Interesse daran, Auszubildende einzustellen, denn es gibt schon lange nicht mehr ausreichende Bewerbungszahlen“, so der Hotelchef. Bei den jungen Flüchtlingen habe er großes Interesse, sie erst als Praktikanten einzustellen, sie dann auch in einen Ausbildungsvertrag bei Eignung zu übernehmen.

Im Anschluss an die bisher zwei Jobbustouren wurden vier Flüchtlinge in Arbeit oder Ausbildung vermittelt. Insgesamt konnte die Bundesagentur in diesem Jahr 44 Flüchtlinge in Arbeit und Ausbildung vermitteln, 37 bekamen einen Praktikumsplatz. Die Spanne der Berufe reicht dabei von Bankkaufmann über den Anlagenmechaniker bis hin zum Lagerarbeiter oder Friseur. „Die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt gleicht einem Marathon, und wir stehen gerade erst 100 Meter hinter der Startlinie“, fasste Müller die bisherigen Erfahrungen zusammen. „Wir hoffen daher sehr, dass sich die Situation im kommenden Jahr aufgrund der zahlreichen Integrationskurse und anderer Qualifizierungen etwas verbessert.“

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