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Ausstellung im Horváth-Zentrum: Damit die Erinnerung nicht verjährt

Eine niederländisch-polnische Ausstellung über das vom nationalsozialistischen Deutschland betriebene Vernichtungslager Sobibór wurde im Margit-Horváth-Zentrum in Walldorf eröffnet. In dem Lager wurden rund 250 000 Menschen ermordet.
Der Archäologe Wojciech Mazurek hat mit seinem Team die Überreste des Vernichtungslagers Sobibór in jahrelanger Arbeit ausgegraben. Der Archäologe Wojciech Mazurek hat mit seinem Team die Überreste des Vernichtungslagers Sobibór in jahrelanger Arbeit ausgegraben.
Mörfelden-Walldorf. 

„Erinnerung verjährt nicht.“ Das ist der Titel einer niederländisch-polnischen Ausstellung, die derzeit in Walldorf zu sehen ist. Sie zeigt Fotos und Informationen über das vom nationalsozialistischen Deutschland errichtete und betriebene Vernichtungslager Sobibór, in dem um die 250 000 Menschen ermordet wurden. Die Opfer wurden in den meisten Fällen durch Giftgas in Gaskammern umgebracht. Sobibór gehörte neben Treblinka und Belzec zu den drei Vernichtungslagern innerhalb der sogenannten „Aktion Reinhardt“.

Diese wurde von der SS zwischen Juli 1942 und Oktober 1943 im von den Nationalsozialisten besetzten Polen organisiert und ausgeführt. In der „Aktion Reinhardt“ wurden mehr als zwei Millionen Menschen brutal ermordet. Danach wurden die drei Vernichtungslager von den Nazis im Herbst 1943 dem Erdboden gleichgemacht, alle Spuren ihres Massenmordes sollten beseitigt werden.

Skrupelloser Organisator des Massenmordes

Der erste Kommandant des im Frühjahr 1942 errichteten Vernichtungslagers Sobibór war Franz Stangl. Er erwies sich als skrupelloser Organisator des Massenmordes.

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Ein polnisches Archäologen-Team unter der Leitung von Wojciech Mazurek hat jedoch in mühsamer Kleinarbeit in einem Zeitraum von rund anderthalb Jahrzehnten die Überreste des Vernichtungslagers Sobibór – darunter etwa 40 000 Gegenstände – ausgegraben und damit die Ausstellung ermöglicht. Sie war bereits in Wien, Rom und Mörfelden-Walldorfs Partnerstadt Wageningen zu sehen. Konzept und Umsetzung stammen vom polnischen Historiker Marek Bem, der wie Wojciech Mazurek als Ehrengast zur Vernissage in die Doppelstadt gekommen war.

Schreckliche Verbrechen

Die Ausstellung wird von der Stadt Wageningen und der Provinz Gelderland betreut. Hintergrund ist, dass in Sobibór rund 33 000 niederländische Juden ermordet wurden. Die niederländischen Juden sind damit im Vernichtungslager Sobibór nach den polnischen Juden die zweitgrößte Opfergruppe. „Es ist wichtig, dass wir uns an diese schrecklichen Verbrechen erinnern, um heute umso entschiedener für Demokratie, Menschenrechte und Menschlichkeit einzutreten“, so Geert van Rumund, Bürgermeister von Wageningen, gegenüber dieser Zeitung.

Er und Josan Meijers, Vertreterin der Provinzregierung von Gelderland, waren Redner und Ehrengäste bei der Ausstellungseröffnung. Gleiches galt für Mörfelden-Walldorfs Rathauschef Heinz-Peter Becker, der dem Anliegen seines niederländischen Kollegen ausdrücklich beipflichtete. Die Vernissage wurde bewusst am Festwochenende zum 25-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Wageningen und Mörfelden-Walldorf gemeinsam begangen.

Dementsprechend groß war die Resonanz. Knapp 80 niederländische, deutsche und polnische Gäste waren in den Walldorfer Wald zur Eröffnung der Schau gekommen. Die Ausstellung, örtliche Veranstalter sind die Margit-Horváth-Stiftung und die Stadt, ist noch bis zum 14. Oktober im Margit-Horváth-Zentrum zu sehen. Der 14. Oktober ist ein besonderes Datum, da 1943 an diesem Tag ein verzweifelter Aufstand der Gefangenen begann, die so dem sicheren Tod entgehen wollten. Auch wenn die meisten Inhaftierten den Aufstand nicht überlebten, so ermöglichte er wenigstens einigen die Flucht.

Geschichte der Opfer

Eine der Ermordeten in Sobibór war die Urgroßmutter von Jessie van de Kamp. Die junge Frau sprach in bewegenden Worten über ihre Urgroßmutter und ihre Großmutter. Letztere hatte die deutsche Besatzung der Niederlande als kleines Kind mit Glück überlebt, da sie rechtzeitig in eine Pflegefamilie gegeben worden war. Jessie van de Kamps Rede war zweifellos ein emotionaler Höhepunkt der Veranstaltung. Cornelia Rühlig, Vorstandsvorsitzende der Margit-Horvath-Stiftung, sagte zu Jessie van de Kamp: „Du machst genau das, was junge Menschen tun sollten. Nämlich die Geschichte der Opfer zu erzählen, die sie nicht mehr selbst erzählen können.“

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