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Einsatz: Eichenprozessionsspinner: Volles Rohr gegen die Raupenplage

Von Ein Traktorfahrer und ein Bauhofsmitarbeiter sind an zwei Tagen in der Stadt in einer Mission unterwegs, die sich nicht jedem Beobachter gleich erschließen mag. Doch ihr Einsatz ist wichtig, denn er gilt einem Feind, der trotz seiner Winzigkeit dem Menschen gefährlich werden kann.
Bis in 30 Meter hohe Baumkronen hinauf kann der Strahl mit dem biologischen Mittel gefeuert werden. Bis in 30 Meter hohe Baumkronen hinauf kann der Strahl mit dem biologischen Mittel gefeuert werden.
Mörfelden-Walldorf. 

Die Armee: Zwei Männer, einer auf einem Traktor, ein anderer wenige Meter vor ihm in einem Kombi, auf dem Fahrradweg zwischen Farmstraße und dem angrenzenden Waldstück im Schritttempo entlang zockelnd. Die Waffe: Eine ofenrohrdicke Spritze hinter der Fahrerkabine, die ein biologisches Insektenbekämpfungsmittel gut 30 Meter hoch in die Eichenkronen jagt. Und der Feind? Der ist so klein, dass er auf Entfernung für das menschliche Auge unsichtbar bleibt: Die Raupe des Eichenprozessionsspinners.

650 Liter fasst der Sprühtank von Christian Cierpka – das reiche für etwa 80 Bäume. Bild-Zoom
650 Liter fasst der Sprühtank von Christian Cierpka – das reiche für etwa 80 Bäume.

Ihr gilt die zweitägige Bekämpfungsaktion der Stadt Mörfelden Walldorf, die sich gestern und heute denkbar unspektakulär auf öffentlichen Plätzen, Schwimmbädern, Spielplätzen und Straßen der Doppelstadt erstreckt. „Im wesentlichen überall dort, wo Eichen vorhanden sind“, berichtet Bauhofleiter Bruno Raab. Jetzt im Mai könne die Raupe noch vorbeugend bekämpft werden. Denn auf dem Weg zum Schmetterling häute sich Thaumetopoea processionea L., so ihr lateinischer Name, drei mal. Erst danach bilden sich die berüchtigten Brennhaare aus, die bei Berührung beim Menschen Hautausschläge, Schwellungen, starkes Juckreiz und Brennen auslösen können.

Die etwa 15 000 Euro teure Maßnahme sei nach Worten Raabs auch deshalb wichtig, damit der nächste Schritt im Kampf gegen die Raupe nicht noch viel kostspieliger werde: Denn von Anfang Juni bis Anfang Juli werden weitere Trupps durch die Stadt ziehen, um mit Spezialsaugern die wollknäuelartigen Nestern abzusaugen, in denen sich bis zu 150 Raupen befinden.

Zeit zu handeln also für die Doppelstadt und das gut harmonierende Zwei-Mann-Team. An zwei Tagen arbeiten sie einen langen, handgeschriebenen Zettel mit 35 Stationen ab, von den Kitas, über die Spielplätze der Stadt, bis hin zum Naturfreundehaus. Bauhofsmitarbeiter Eric Reinhardt bringt die nötige Ortskenntnis mit und lotst Christian Cierpka durch die Straßen der Doppelstadt.

Ihre Brennhaare machen die Raupe gefährlich für viele. Bild-Zoom Foto: Patrick Pleul (dpa-Zentralbild)
Ihre Brennhaare machen die Raupe gefährlich für viele.

Cierpka ist eigentlich Landwirt in Ober-Erlenbach, „aber da es bei uns erst Ende Mai mit der Heu-Ernte so richtig losgeht“, zieht er im Mai im Auftrag der Gartenlandschaftsfirma Landau aus Bad Vilbel gegen die Raupen ins Feld, die deren Bekämpfung von der Wetterau bis ins Südhessische als Nische entdeckt hat.

Er fahre einen ganz normalen Traktor mit spezieller Spritze für die Bäume. Eine Turbine sorgt für den nötigen Druck, „damit Du bis ganz hoch in die Krone reinkommst“, erklärt er. „Wenn es windstill ist, schaffst Du 30 Meter.“ Muss hingegen ein nur fünf Meter entfernter Stamm besprüht werden, kann der Fahrer die Turbine per Gas über die Motordrehzahl des Traktor runterdrosseln.

650 Liter Wasser, versehen mit drei, vier Liter der ölähnlichen Substanz, passen in den Tank. Pro Einsatztag müssen die Männer drei- bis viermal zum Bauhof Mörfelden-Walldorf zurück, um nachzutanken. Immerhin, jetzt, um 11 Uhr vormittags, konnten die beiden bereits die Kita 3 und das Waldschwimmbad Mörfelden, bevor es um 12 Uhr seine Pforten öffnet, von ihrer Liste abhaken.

„Man muss schon schauen, dass man nirgends hängenbleibt“, beschreibt Cierpka die Tücken des Traktorfahrens. Aber: „Bis jetzt kam ich noch überall durch. Und wenn nicht, rücken wir mit einer Hebebühne und einem speziellen Schmalspurtraktor an.“

Reaktionen von Passanten und Spaziergänger auf die Arbeit? Die gebe es gelegentlich, räumt Cierpka ein. Aber selten seien sie negativ. „Wenn man eine Allee mit geparkten Autos sprüht, regen sich manche Leute schon mal auf, weil das ölige Zeug an den Scheiben kleben bleiben kann.“

Kollateralschäden, die aber mit dem nächsten Besuch in der Waschstraße behoben seien. Freundliches Feedback, sogar anerkennende Worte, kommen hingegen schon mal von Eltern, wie Eric Reinhardt berichtet: „Gerade erst heute morgen in der Kita 3 in Walldorf, sah uns eine Mutter, die gerade ihr Kind abgegeben hatte, und rief herüber: „Schön, dass Ihr da seid!“

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