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Ein Abschiedsbrief an das Buch

Digitalredakteurin Astrid Kopp liebt Bücher - und verabschiedet sich jetzt trotzdem von ihnen. Die Affäre mit dem E-Book-Reader ist doch etwas Ernstes geworden.
eBook-Reader oder gedrucktes Buch, Lesen bildet auf alle Fälle. Foto: Jens Kalaene eBook-Reader oder gedrucktes Buch, Lesen bildet auf alle Fälle. Foto: Jens Kalaene
Frankfurt. 

Liebes Buch,

unsere Beziehung begann früh. Ich konnte noch nicht laufen, da sagte ich angeblich bereits als erstes Wort „Buch“. Seitdem habe ich Dich geliebt. Wir haben uns gemeinsam unter der Bettdecke versteckt, bis die Batterien der Taschenlampe leer waren. Du hast mich auf Reisen begleitet und Dir für mich in vollgestopften Taschen Eselsohren geholt, ganze Regalwände voller Erinnerungen füllst Du in meinem Wohnzimmer.

Astrid Kopp Bild-Zoom
Astrid Kopp

Doch nun müssen wir der Realität ins Auge blicken: Unsere Trennung steht kurz bevor. Ich gehe fremd. Schon seit Jahren und immer häufiger. Es ist ein leichter, kleiner und sehr leistungsfähiger E-Book-Reader, mit dem ich Dich vor allem unterwegs und in den dunklen Nachtstunden betrüge. Er bietet mir jederzeit Literaturnachschub und er ist so diskret. Falls es mich mal wieder zu einem peinlich-kitschigen Schmöker hinzieht, verrät er das nicht gleich allen S-Bahn-Mitfahrern. Dazu verführt er mich mit absoluten Modelmaßen.

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Und falls er doch mal zu Hause bleiben muss, teilt er sein Wissen um meine aktuelle Lektüre großzügig mit dem Smartphone, so dass ich immer umstandslos weiterlesen kann. Außerdem, und das hat mich ursprünglich in diese Affäre getrieben, leuchtet er im Dunkeln. Gerade so dezent, dass er die Kinder nicht am Einschlafen hindert, mich aber beim obligatorischen Händchenhalten wach hält und mir etwas ungestörte Lesezeit schenkt. Noch mag ich mich trotzdem nicht ganz von Dir verabschieden. Bei besonders geschätzten Autoren möchte ich weiterhin das Papier fühlen und kunstvoll gestaltete Cover lockend auf dem Nachttisch liegen sehen. Aber ich will ehrlich zu Dir sein: Sollten Schicksal oder Christkind mich mit einem der neuesten wasserdichten E-Book-Reader bekannt machen, dann reiche ich die Scheidung ein. Auch wenn mir die Trennung nach fast 40 Jahren schwerfällt.

Deine Astrid Kopp,
Onlineredakteurin

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