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Ein Ort der Erinnerung

In Rüsselsheim wurden Stolpersteine für Izaak de Hartog und Adam Helkers verlegt. Sie erinnern an das Schicksal der beiden verfolgten Männer.
In Erinnerung an Izaak de Hartog und Adam Helkers wurden bei einer Feierstunde am Opel-Portal zwei Stolpersteine verlegt.	Foto: Volker Dziemballa In Erinnerung an Izaak de Hartog und Adam Helkers wurden bei einer Feierstunde am Opel-Portal zwei Stolpersteine verlegt. Foto: Volker Dziemballa
Rüsselsheim. 

Unter großer öffentlicher Beteiligung wurden am 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz in Rüsselsheim am Opel-Portal zwei neue Stolpersteine für Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verlegt. Unter den Teilnehmern waren auch Angehörige von Izaak de Hartog und Adam Helker.

Andreas Jung, Sprecher der Initiative Stolpersteine, rief in Erinnerung, dass Geschichte nicht vergeht und die Stolpersteine den Opfern einen Namen und ein Gesicht geben. Dies unterstrich auch Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) in seiner Rede. „Die Stolpersteine sind wichtig, weil sie uns einen Ort der Erinnerung geben. Viele Familien wissen bis heute nicht, was mit ihren Angehörigen passiert ist. Gerade für sie ist es wichtig, einen Ort für ihre Trauer zu haben. Da die Stolpersteine zudem im öffentlichen Straßenraum verlegt sind, rufen sie uns auch in Erinnerung, was in der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft passiert ist“, sagte Burghardt.

 

Reise zur Wahrheit

 

Burghardt dankte zugleich den Angehörigen, dass sie die weite Anreise aus den Niederlanden und Israel nach Rüsselsheim auf sich genommen hatten. Er freue sich darüber, dass die Rüsselsheimer Schulen so zahlreich vertreten waren. Es sei die letzte Generation, die noch die Möglichkeit habe, Zeitzeugen der nationalsozialistischen Gräueltaten zu hören.

Bewegende Worte fand auch Claudia van den Hoogenband, Enkelin Izaak de Hartogs. Er habe damit seinen Namen und sein Gesicht wiedererhalten. „Meine Beschäftigung mit der Geschichte war eine Reise zur Wahrheit, die Reise meines Großvaters war eine in die Hölle“, sagte van den Hoogenband. Es sei auch für ihre Mutter der Abschluss einer Reise, die vor 73 Jahren begann. „Mein Großvater kann heute wieder ein Name sein, ein Ehemann, ein Vater, ein Nachbar“, so van den Hoogenband.

 

Bezug zu Opel

 

Die Aufarbeitung der Geschichte Izaak de Hartogs trug Andrea Neugebauer vor, die bereits die Geschichte der Zwangsarbeiter in Rüsselsheim untersucht hatte. Nach der Besetzung der Niederlande war Izaak de Hartog, der in Rotterdam geboren wurde, 1942 zu einem Arbeitseinsatz nach Deutschland transportiert worden. 1943 war er auf einer Personalkarte der Opelwerke vermerkt, am 18. November 1943 starb er in Riga (Lettland). Für die Adam Opel AG nahm daher auch Vorstandsmitglied Joachim Koschnicke teil. „Die Welt schaut am 27. Januar auf Auschwitz. Wir schauen hier auf den Stolperstein für Izaak de Hartog. Ich habe mir oft die Frage gestellt, wie das geschehen konnte. Ich habe viele Antworten erhalten, aber ich habe keine verstanden“, sagte Koschnicke.

Im Anschluss ging es zur Mainstraße 13, dem Haus, in dem Adam Helker früher gelebt hat. Auch Helker hat einen Bezug zu Opel, er war im Werk beschäftigt. Helker war Mitglied der KPD und im Widerstand aktiv. Weil er „Feindsender“ abhörte und mit seinen Kollegen die Informationen verbreitete, wurde er inhaftiert. Nachdem er freikam, wurde er trotz einer Verletzung zum Wehrdienst verpflichtet. Er desertierte in Frankreich und schloss sich dort dem Widerstand an.

Seine Geschichte hatten Schüler der Immanuel-Kant-Schule mit ihrer Lehrerin Susanne Lohr aufgearbeitet, die ihre Ergebnisse vortrugen. „Wir erinnern an das Schicksal Adam Helkers. Die Jugend hat eine besondere Verantwortung. Und es war uns eine Ehre, dass wir dies aufbereiten durften“, sagte einer der Schüler.

(fnp)
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