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Denkmal auf dem Mörfelder Kirchplatz: Ein Zeugnis von Leid und Gewalt

Von Das Denkmal auf dem ehemaligen Rathausplatz widmet sich 35 Mörfeldern, die von den Nazis politisch verfolgt wurden. Es erzählt keine Heldengeschichten, sondern beleuchtet die Menschen.
Trotz strömenden Regens waren viele Besucher zur Enthüllung des Denkmals auf dem Mörfelder Kirchplatz gekommen. Bilder > Foto: Carmen Erlenbach Trotz strömenden Regens waren viele Besucher zur Enthüllung des Denkmals auf dem Mörfelder Kirchplatz gekommen.
Mörfelden-Walldorf. 

Ein neues Denkmal auf dem Kirchplatz in Mörfelden erinnert nun an 35 Mörfelder, die in der Nazi-Zeit zwischen 1933 und 1945 politisch verfolgt wurden. Es steht nicht zufällig auf dem ehemaligen Grundstück des alten Rathauses. In die dortige Arrestzelle wurden einst politische Gegner des NS-Regimes gebracht und geprügelt. Trotz Regens hatten sich viele Besucher zur Enthüllung des Denkmals eingefunden.

Das drehbare Denkmal mit sechs Schautafeln erinnert in seiner Form an eine Litfaßsäule. Museumsleiterin Cornelia Rühlig und Mitglieder des Arbeitskreises „Erinnerungsarbeit fortsetzen“ enthüllten es am Sonntag. In ihm wirkten neben Rühlig Stadtarchivarin Carmen Hecht, Museumsmitarbeiterin Dagmar Sensche sowie die Ehrenamtlichen Klaus Müller, Rudi Hechler und Gerd Schulmeyer mit. Die Arbeitsgruppe wurde vom Stadtparlament eingerichtet.

 

Umfangreiche Recherchen

 

Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD) begrüßte die Gäste und dankte speziell den Mitgliedern des Arbeitskreises für ihr Engagement. Der Termin für die Enthüllung des Denkmals sei nicht zufällig, sondern in Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkriegs und Deutschlands bedingungslose Kapitulation am 8. Mai 1945 gewählt. Das Geld für das Denkmal sei bereits 2014 zur Verfügung gestellt worden. Becker wies darauf hin, dass die neue Homepage mit Infos über die Stele ab sofort unter www.politische-verfolgung-moerfelden.de abgerufen werden kann.

Der Dokumentation liegen umfangreiche Recherchen in den hessischen Staatsarchiven in Darmstadt und Wiesbaden, im Frankfurter Studienkreis Deutscher Widerstand, dem Bundesarchiv Berlin sowie im Stadtarchiv Mörfelden-Walldorf zugrunde. Ferner wurden viele Gespräche mit Angehörigen der politisch Verfolgten geführt.

Gebaut wurde die Stele von der Schlosserei Freudenberg aus Mörfelden-Walldorf. Die Farbbeschichtung übernahm die Lackiererei Müller in Hofheim/Wallau. Die Firma Seibold fertigte die Foliendrucke der sechs Themen- sowie der Namenstafeln für jeden in der NS-Zeit inhaftierten Mörfelder. Mitarbeiter des städtischen Bauhofs hatten den Platz vorbereitet, den Sockel für das Denkmal errichtet, Löcher zur Verankerung in die Pflastersteine gebohrt sowie die Beleuchtung installiert.

Cornelia Rühlig dankte allen Helfern für ihre Unterstützung und wies auf die konkreten Beispiele mit Texten und Bildern an der Stele hin, die zeigten, was es bedeutete, als Regimegegner in der NS-Zeit zu leben. Zur damaligen Volksgemeinschaft zählte nur, wer gleichgeschaltet war. Andere wurden politisch verfolgt, gedemütigt, inhaftiert und getötet. Rühligs Dank galt auch Angehörigen für private Dokumente und Fotos.

So erinnert die Stele auch an die Geschichte des 1902 in der Parkstraße geborenen Jakob Kemmler. Er war von der Frankfurter Bezirksleitung der Kommunistischen Partei Deutschland (KPD) als „Zellenleiter“ eingesetzt. Er floh aus Deutschland nach Frankreich. In Mörfelden ließ er seine Frau und seinen siebenjährigen Sohn zurück. Er habe im Laufe der Gespräche darauf hingewiesen, dass Widerstandskämpfer nicht nur Idealisten waren, sondern auch ihr Leben leben wollten. Das sei laut Rühlig bei dem Denkmal berücksichtigt worden. Darum schildere es keine Heldengeschichten, sondern die Persönlichkeit des Einzelnen samt Brüchen und Widersprüchen. Es gehe darum, das Leid, die Schläge, die Diskriminierung, die Entwürdigung sowie berufliche und finanzielle Schädigungen darzustellen.

 

Andere Meinung

 

Allen Verfolgten sei vorgeworfen worden, dass sie nicht gleicher Meinung wie die Herrschenden waren, dass sie sich trafen, Flugblätter lasen und transportierten, die den NS-Staat kritisierten, dass sie die Flugblätter weitergaben und gelegentlich Geld für die KPD oder die „Rote Hilfe“ sammelten.

Die Schautafeln liefern Informationen über die Jahre zwischen 1930 und 1933, 1933, 1934 und 1935, die Familien, Konzentrationslager sowie den Krieg und die Zeit von 1945 bis 1948. Musikalisch wurde die Feierstunde von Bodo Kolbe umrahmt.

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