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Eine Stolperschwelle zur Mahnung

Von Während der NS-Herrschaft wurden in Deutschland 360 000 Menschen zwangssterilisiert. Vor dem alten Rathaus wird nun auch dieser Opfer des Nazi-Terrors gedacht.
Der Kölner Künstler Gunther Demnig war zum letzten Mal zur Verlegung von Stolpersteinen in Langen.	  Fotos: Nicole Jost Bilder > Der Kölner Künstler Gunther Demnig war zum letzten Mal zur Verlegung von Stolpersteinen in Langen. Fotos: Nicole Jost
Langen. 

Es ist ein schöner Schlussstein, den Gunter Demnig am Freitagnachmittag vor dem alten Rathaus in Langen setzt: Senkrecht zu den Treppenstufen erinnert eine ganze Stolperschwelle an die Opfer des Nationalsozialismus in Langen. Es sind jene Menschen, von denen die Nazis sagten, sie dürfen keine Kinder bekommen und ihnen eine Zwangssterilisation aufgezwungen haben. Mit diesem großen Messingstein will die Stolpersteininitiative in Langen auch diesen Menschen gedenken.

„Zwischen 1934 und 1945 wurden in Deutschland 360 000 Menschen zwangssterilisiert. Diese Zwangssterilisation von kranken oder missliebigen Menschen war für das nationalsozialistische Regime ein Instrument zur Umsetzung ihrer Wahnidee einer ,Reinigung des deutschen Volkskörpers’“, erklärte Rainer Elsinger von der Initiative Stolpersteine. In Langen waren 24 Frauen und 18 Männer von dieser grausamen Methode betroffen – für sie ist die glänzende Messingplatte vor dem alten Rathaus eingelassen.

 

Schwer misshandelt

 

Zu dieser „Schwelle“ legte Gunter Demnig auch noch einen Stein für Albert Kuntz, der als Leiter der DKP bereits am 12. März 1933 ins Gefängnis gebracht, dort schwer misshandelt und letztlich ins Konzentrationslager gebracht wurde. Dort wurde er nach zwölf Jahren Haft in Buchenwald von der SS ermordet. Den letzten Langener Stein verlegte die Initiative mit dem Kölner Künstler in der Karlstraße 10 für Adolf Helfmann. Er lebte dort bis zum 22. März 1943 – dann wurde er gemeinsam mit zehn Arbeitskollegen an seinem Arbeitsplatz bei der Firma Messer in Frankfurt wegen eines staatsfeindlichen Gesprächs verhaftet. „Er hat davon gesprochen, dass der Krieg verloren ist – eigentlich war er ein Held“, sagte Martina Hofmann-Becker von der Stolperstein-Initiative, „er hat ausgesprochen, was viele damals schon dachten.“ Helfmann starb, an Tuberkulose erkrankt, wegen Unterernährung in Gefangenschaft.

 

Eine Tafel aufgestellt

 

Am 7. Juni 2006 war die Initiative Stolperstein in Langen im Alten Amtsgericht zum ersten Mal zusammen gekommen. Insgesamt hat Gunter Demnig jetzt 89 Steine und die Stolperschwelle verlegt, zudem hat die Initiative am Langener Friedhof für die Euthanasieopfer am Langener Friedhof eine Tafel aufgestellt. Bürgermeister Frieder Gebhardt (SPD) bedankte sich bei allen Aktiven, welche die Schicksale der Langener Opfer recherchiert und viele Spenden für die Finanzierung der Steine akquiriert haben. „Die Steine erinnern an die schreckliche Herrschaft der Nazis und sie sorgen dafür, dass die Opfer in unserer Erinnerung bleiben und niemals vergessen werden.“ Auch für Demnig bedeutet die letzte Verlegung den Abschied von Langen. „Auch wenn der Anlass wirklich kein Grund zur Freude ist – ich freue mich nach so vielen Jahren noch über jeden verlegten Stein“, sagte Demnig, der inzwischen in ganz Europa mehr als 48 000 Stolpersteine verlegt hat.

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