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Ausstellung „Drey Eich – eine Landschaft auf alten Karten“: Es macht Freude, die Karten zu sehen

Von Gestern hatten Besucher die Gelegenheit, wertvolle Karten oder das Merian Buch aus dem Jahr 1646 zu betrachten. Rätsel gab eine Mühle in Egelsbacher Gemarkung auf.
Die Dreieicher kamen zahlreich, um sich die alten Karten zu betrachten und dabei ein Stück Geschichte ihrer Stadt zu erfahren. Die Dreieicher kamen zahlreich, um sich die alten Karten zu betrachten und dabei ein Stück Geschichte ihrer Stadt zu erfahren.
Dreieich. 

„Wir haben gehofft, dass wir das Interesse von vielen Dreieichern erwecken“, sagte Wilhelm Ott gestern Vormittag schmunzelnd. Der Vorsitzende der Freunde Sprendlingens freut sich sichtlich darüber, dass sich Dutzende Besucher rund um die Ausstellungstische im Gemeindesaal der Erasmus-Alberus-Gemeinde drängen. Interessiert sehen sich die Zuschauer die „Haas’schen Karten“ an: wertvolle, auf Leinwand aufgezogene Drucke vom Landstrich zwischen Frankfurt und Mannheim, Amorbach und Oppenheim aus dem Jahr 1800. Fasziniert bestaunen die Besucher das Merian Buch aus dem Jahr 1646, das die Topographie Hessens aus jener Zeit abbildet und auf längst vergilbtem Papier die Jahrhunderte alten Landgrenzen zeigt.

Bei der Ausstellung „Drey Eich – eine Landschaft auf alten Karten“ zeigen die Freunde Sprendlingens mit Unterstützung von Heimatforschern aus anderen Stadtteilen Dreieichs mehr als 50 Karten ab dem Jahr 1564 bis zu den aktuellen Abbildungen von 2010. „Es ist eine spannende Zeitreise durch unsere Gegend“, erklärt Wilhelm Ott bei seiner Führung durch die spannenden Exponate. Erstaunlich genau seien die Abbildungen und Abstände der einzelnen Landstriche. Aber es haben sich auch immer wieder Fehler eingeschlichen. Sprendlingen sei vielmals falsch geschrieben, auch Arheilgen werde immer wieder als Allerheiligen bezeichnet und der Dietzenbacher Hexenberg, mit 216 Metern die höchste Erhebung im Kreis Offenbach, ist auf einer Karte als riesiges Gebirge abgebildet.

Veränderte Grenzen

Die Karten zu betrachten, macht Freude. Für die Dreieicher ist es spannend, wie die Territorien über die Jahre aufgeteilt waren, was zu Neu-Isenburg gehörte oder wie sich Grenzen verändert haben. „In einer Egelsbacher Karte sind Weinberge eingezeichnet und eine rätselhafte Mühle, die es möglicherweise gegeben haben könnte“, berichtete Ott. Wer sich nicht nur für die geschichtlichen Details interessiert, bekommt auf den handgezeichneten Schmuckstücken richtig Kunst geboten. In den Wäldern ist hübsches Wild markiert und die Städte haben teilweise sehr realistische Darstellungen ihrer Wahrzeichen bekommen. Ein Beispiel dafür ist die Reproduktion einer Karte aus dem Hessischen Staatsarchiv in Darmstadt aus dem Jahr 1663, welche die Kreuzung der Hainer Trift mit der Sprendlinger Straße zeigt. Auf dieser Zeichnung ist die Langener Stadtkirche zu sehen, wie sie auch heute fast noch aussieht.

Die nur eintägige Ausstellung ist aber natürlich auch die einmalige Gelegenheit, die Eigentümer der zum Teil sehr wertvollen Bücher und Karten nach Details zu fragen. Achim Seibert, Heimatforscher und leidenschaftlicher Sammler aus Offenthal, ist ein solcher „Profi“. Ihm gehören die Hasas’schen Karten und auch das Merian Buch. Er kennt dann auch die Feinheiten der wertvollen Forschungsobjekte. „Haas war ein Artillerie Leutnant aus Darmstadt. Die Karten sind ganz praktisch auf Leinwand aufgezogen und sind klappbar. Es gab ja nur zwei Gründe um Karten herzustellen: Um den Weg zu finden, sei es zur Messe nach Frankfurt oder auf kriegerischen Kreuzzügen, oder um Grenzen fest zu halten“, weiß Seibert. Das wertvolle an den Haas Karten ist, dass sie komplett sind und auch der alte Papierschuber noch erhalten ist. Ein Glückstreffer, den Seibert bei Ebay entdeckt hat.

Viel Arbeit investiert

Was auffällig ist: Auf vielen Karten früherer Jahrhunderte fehlt Offenthal, obwohl es schon im 9. Jahrhundert erstmals erwähnt ist. „Vielleicht war es zu klein. Aber vielleicht ist das auch ein Glück, weil die kriegerischen Völker Offenthal dann nicht gefunden haben“, sagte der Heimatforscher schmunzelnd.

Auch die heutige B 3 ist ein Schwerpunkt der Ausstellung. Die Straße, die Dreieich mit Langen und Egelsbach verbindet, läuft schon seit Jahrhunderten über diese Route. Zwischen Langen und Egelsbach war sie vermutlich 50 Meter weiter nördlich. Das beweisen zum einen Ausgrabungen, von denen gestern Steine zu besichtigen waren und auch spannende Fotografien aus einer Drohne, die den alten Weg aus der Luft sehr gut erahnen lässt.

Nach nur einem Tag schließt die Ausstellung wieder und die Karten wandern in die privaten Archive zurück. „Das ist wirklich ein bisschen schade, denn wir haben extrem viel Arbeit investiert“, sagte Wilhelm Ott. Aber all die wertvollen Schätze über mehrere Wochen offen in einem Ausstellungsraum liegen zu lassen ist undenkbar.

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