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Ein Ort, so alt wie ein mächtiger Baum: Evangelische Kirchengemeinde feiert den 318. Geburtstag von Walldorf

Von Die evangelische Gemeinde hatte gestern mehrfachen Grund zum Feiern. Zunächst waren da der 318. Geburtstag Walldorfs und die Verabschiedung von Vikarin Mirjam Jekel. Hinzu kam aber noch eine Premiere im neugestalteten Gemeindesaal.
Pfarrer Jochen Mühl verabschiedete im neugestalteten Gemeindesaal in der Ludwigstraße die scheidende Vikarin Mirjam Jekel. Pfarrer Jochen Mühl verabschiedete im neugestalteten Gemeindesaal in der Ludwigstraße die scheidende Vikarin Mirjam Jekel.
Mörfelden-Walldorf. 

Die meisten Kommunen in Deutschland wissen gar nicht, wie alt sie tatsächlich sind. Da wird dann von der ersten urkundlichen Erwähnung ausgegangen, wie etwa bei Mörfelden, das im „Lorscher Reichsurbar“ von 830 bis 850 erstmals unter der Bezeichnung „Mersenualt“ erwähnt wird. Anders ist es bei Walldorf. Der Ort wurde genau am 10. Juli 1699 von Waldensern gegründet, die aus dem Piemont vertrieben worden waren. 14 Familien begründeten damals die „Waldenserkolonie am Gundhof“. Dieser Geburtstag Walldorfs, mithin der 318., wurde gestern mit einem festlichen Familiengottesdienst und anschließendem Sektempfang im neugestalteten evangelischen Gemeindesaal gefeiert.

Die Freunde der Waldenser hätten dieses Ereignis früher mit einer kleinen Andacht begangen, erläuterte Pfarrer Jochen Mühl, doch inzwischen sei die Bedeutung der Waldenser für Walldorf in die Gesamtgemeinde geholt worden. Die Feier falle mit einem weiteren Ereignis zusammen, der Verabschiedung der Vikarin Mirjam Jekel, die zwei Jahre lang in der evangelischen Gemeinde tätig war. Mühl bezeichnete sie als eine begabte Predigerin, die sich der Gemeinde stets mit Witz und menschlicher Wärme angenommen habe.

Für die Feier des 318. Geburtstags Walldorfs hatte sich die evangelische Gemeinde einen sonnigen Sonntag ausgesucht, im Hintergrund die alte Waldenserkirche. Bild-Zoom
Für die Feier des 318. Geburtstags Walldorfs hatte sich die evangelische Gemeinde einen sonnigen Sonntag ausgesucht, im Hintergrund die alte Waldenserkirche.

Jekel war es dann auch, die an diesem Sonntag die Predigt halten durfte. Als Thema hatte sie gewählt: „Unterwegs sein mit der Bibel“. Dabei erinnerte sie sich daran, dass sie 2006, nach dem Abitur, für zwei Jahre nach Japan gegangen sei. Was ihr damals fehlte, sei die Bibel gewesen, die für sie ein Stück Heimat darstellte. Damit schlug sie geschickt den Bogen zu den Waldensern, die während ihrer Vertreibung sicher auch die Bibel im Gepäck hatten. Somit sei die Bibel immer auch Heimat und Kompass, etwas, das vertraut ist und verbindet.

Viel Verbindendes

Zurück in der Gegenwart fragte sie: „Wie gehen wir mit der Bibel um?“ Sie könne als Mauer oder Versteck genutzt werden. Mit ihr könne verletzt werden, etwa indem sie geworfen wird. Viel lieber aber sei ihr die Vorstellung, die Bibel sei ein Segel, also etwas, das dazu beiträgt, sich in Bewegung zu setzen. Und damit war Jekel wieder konkret bei der Bibel, dem ersten Brief der Korinther, in dem Paulus dazu aufrief, auch mit dem Herzen zu lesen.

Zurückblickend erklärte die Vikarin, dass sie in den zwei Jahren in Walldorf „unheimlich viele Begegnungen mit zahlreichen persönlichen Gesprächen“ gefunden habe. Es habe sie berührt, wie viel Vertrauen ihr entgegengebracht worden sei, obwohl sie eigentlich gar nicht in Walldorf wohnt. Sie lebt in Dreieichenhain. Dennoch habe sich viel Verbindendes aufgetan, und es habe etliche Momente gegeben, in denen sie fühlte, anderen nach dem Motto „Du sollst ein Segen sein“ etwas Gutes getan zu haben. Ihre nächste Station wird die evangelische Akademie in Frankfurt sein, wo sie ein halbjähriges Spezialvikariat absolviert. Danach folgt die Promotion in Mainz.

Nahezu fertig

Geburtstag und Verabschiedung – reicht das nicht? Nein, ein weiteres Ereignis folgte: die erste Veranstaltung im neugestalteten Gemeindesaal, der nun nach eineinhalb Jahren nahezu fertig ist. Elisabeth Coutandin-Pfeifer, Mitglied des Gemeindevorstands und Bauzeichnerin, die mit Bauingenieurin Simone Spieker und Architektin Gerda Schmitt für das Projekt verantwortlich zeichnete, erläuterte, dass zuerst das Dach energetisch saniert worden sei. Es folgten die Decke und Beleuchtung, dann die Wände, die mit Schall- und Wärmeschutz versehen worden seien. Ebenso sei bei dem nebenan liegenden Konferenzraum verfahren worden. Insgesamt seien dafür rund 300 000 Euro aufgewendet worden.

Eigentlich war statt des Sektempfangs ein Gemeindefest geplant gewesen. Doch darauf wurde mit Rücksicht auf die parallel veranstaltete Abschlussfeier des Stadtradelns auf dem Weinfest von Rot-Weiß Walldorf verzichtet. Damit wollte die Kirchengemeinde nicht konkurrieren, zumal sie selbst eine Radel-Gruppe gemeldet hatte.

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