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Abendmahl nach waldensischer Tradition: Evangelische Kirchengemeinde feiert den Geburtstag Walldorfs

Die evangelische Kirchengemeinde Walldorf feierte gestern einen besonderen Gottesdienst. Sie gedachte an die Geburtsstunde von Walldorf vor mehr als 300 Jahren.
Pfarrer Thomas Stelzer, hier mit Gläubigen beim Abendmahl nach waldensischer Tradition, hielt den besonderen Gottesdienst. Pfarrer Thomas Stelzer, hier mit Gläubigen beim Abendmahl nach waldensischer Tradition, hielt den besonderen Gottesdienst.
Mörfelden-Walldorf. 

Auf Einladung von Landgraf Ernst-Ludwig von Hessen-Darmstadt hatten 14 Waldenserfamilien, die aus religiösen Gründen aus dem Piemont vertrieben worden waren, am Gundhof 1699 eine Waldenserkolonie gegründet, die 1715 den Namen Walldorf erhielt. Am 10. Juli 1699 leisteten sie ihren Treueid auf den Fürsten. Das gilt als die Geburtsstunde Walldorfs. Der Fürst wollte die nach dem Dreißigjährigen Krieg weitgehend entvölkerten Landstriche wieder besiedeln, was den Waldensern, einer protestantischen Glaubensrichtung, zugute kam.

1805 konnten die Waldenser mit Spendengeld aus anderen reformierten Kirchengemeinden schließlich eine kleine Waldenserkirche in Walldorf errichten. Jedes Jahr am Sonntag in der Nähe des 10. Juli begeht die evangelische Kirchengemeinde Walldorf in Erinnerung an die Geburtsstunde Walldorfs einen besonderen Gottesdienst, in dem an die Geschichte der Waldenser erinnert wird. Am gestrigen Sonntag hielt Pfarrer Thomas Stelzer den sehr gut besuchten Gottesdienst. Im Anschluss waren die Besucher im evangelischen Gemeindezentrum noch zum „KirchenCafé“ eingeladen, was von vielen Gottesdienstbesuchern gerne angenommen wurde.

In den Mittelpunkt seiner Predigt rückte Stelzer, passend zur Geschichte der Waldenser, das Thema Toleranz. Hierbei ging er im Besonderen auf das Verhältnis der Religionen untereinander ein. Toleranz sei eine wichtige Voraussetzung für eine friedliche Gesellschaft. „Der Glaube soll helfen, den Weg des Friedens zu gehen“, so Stelzer.

Bezüge zur Gegenwart

Den Waldensern, auf die der Pfarrer immer wieder Bezug nahm, war es besonders wichtig, das Deutungsmonopol über die Bibel nicht der damaligen katholischen Amtskirche zu überlassen. Sie wollten selbst die Schriften lesen und sich ein eigenes Urteil bilden. Frauen hatten bei ihnen wichtige Funktionen inne. Diverse Laienprediger der Waldenser verkündeten Gottes Wort. Diese und weitere Punkte führten sie in Konflikt mit der damaligen katholischen Amtskirche.

Stelzer ging aber keineswegs nur auf die Geschichte der Waldenser um 1700 ein. Er stellte bewusst immer wieder aktuelle Bezüge zur Gegenwart her, Toleranz sei heute wichtiger denn je. In einer sehr komplexen und international vernetzten Welt seien schlichtes „Schwarz-Weiß-Denken“ und simple Erklärungsmuster leider verbreitet. Dieses Denken führe jedoch nur zur Ausgrenzung von und zum Hass auf andere Menschen. Als aktuelles Beispiel für vereinfachende Erklärungsmuster nannte Stelzer die AfD.

Respekt für alle Menschen

Stelzer trat dafür ein, dass Menschen ihren Weg in Respekt vor anderen Personen und deren Religion finden müssten. Der christliche Glaube sei eine Einladung. Ein eigener Standpunkt und Toleranz für andere Menschen seien kein Gegensatz. Stelzer setzte sich im Besonderen auch mit einer berühmten Stelle aus dem Matthäus-Evangelium im Neuen Testament auseinander, in der Jesus zu seinen Jüngern sagt: „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie zu bewahren alles, was ich euch geboten habe! Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

In der Vergangenheit sei aber gerade diese Bibelstelle leider oft missbraucht worden. Den hierin enthaltenen Aufruf zur Mission sieht Stelzer deshalb als Einladung und nicht als Zwang an: „Mission hat Grenzen. Wichtig ist der Respekt vor dem anderen Glauben.“ Missionseifer und Fundamentalismus führten nur zu Gewalt und diese widerspreche der christlichen Nächstenliebe. Friedlicher Dialog auf Augenhöhe und religiöse Toleranz seien daher entscheidende Werte.

Stelzer beendete den Gottesdienst mit einem Abendmahl nach waldensischer Tradition mit Brot und Gemeinschaftskelch und einer Fürbitte für die in Thailand in einer Höhle eingeschlossenen Jugendlichen, womit er erneut einen Bezug zur Gegenwart herstellte.

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