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Synthetik statt Elektro: Ex-Professor erteilt E-Mobilität eine Absage

Seit Jahren konzentrieren sich Autokonzerne und Politik auf die Förderung der Elektromobilität. Der Nauheimer Herbert Vogel, emeritierter Professor am Institut für Technische Chemie der TU Darmstadt, hält synthetische Kraftstoffe für die bessere und nachhaltigere Alternative.
An einem Schaubild erklärt der emeritierte Chemieprofessor Herbert Vogel, wie mit Sonnenenergie Wasserstoff gewonnen und in Kohlenstoffbindungen als Energieträger gespeichert werden kann. Foto: (Rainer Beutel) An einem Schaubild erklärt der emeritierte Chemieprofessor Herbert Vogel, wie mit Sonnenenergie Wasserstoff gewonnen und in Kohlenstoffbindungen als Energieträger gespeichert werden kann.
Kreis Groß-Gerau. 

Herbert Vogel fährt ein mit Benzin betriebenes Auto, zuvor einen Diesel. Reichweiten von 800 bis 1000 Kilometer mit einer Tankfüllung sind bei seinen Reisen für ihn nichts Besonderes. Mit einem Elektroauto wäre das undenkbar, trotz all der Forschung und finanzieller Förderung durch den Staat, betont er.

Der emeritiert Chemieprofessor der Technischen Universität (TU) Darmstadt, den die Nauheimer als Vorsitzenden des Obst- und Gartenbauvereins kennen, argumentiert gegen den Trend, gerade nach den Skandalen um die Dieselabgastechnologie. „Alle wollen E-Autos, und die Grünen wollen Verbrennungsmotoren am liebsten ganz abschaffen. Dabei wird eine Alternative vergessen, die ich als viel nachhaltiger ansehe“, sagt Vogel.

Die Nachteile von Elektroautos liegen für ihn auf der Hand: Die Energiedichte der dafür im Moment gebräuchlichen Lithium-Ionen-Akkus sei für Fahrzeuge nur begrenzt nutzbar und für Flugzeuge oder Schiffe schon gar nicht zu gebrauchen. „So viel Power gibt es gar nicht in einem Akku“, sagt er. Elektrischer Strom sei als Energieträger nur begrenzt speicherbar. Zudem stimme die Energiebilanz nicht. Denn noch immer werde Strom hauptsächlich aus Kohle gewonnen.

Höchste Speicherdichte

Der Experte hält Solar-Fuels für sinnvoller, eine andere Bezeichnung für Treibstoffe, die mittels Sonnenenergie, Wasser- und klimaschädlichem Kohlendioxid gewonnen werden, auch bekannt als synthetische Treibstoffe. Es sei sinnvoll, effektiv und machbar, elektrische Energie in chemischen Verbindungen zu speichern. Salopp gesagt, wird dabei aus der Sonnenenergie, die Milliarden Jahre zur Verfügung steht, Treibstoff gemacht. Dazu bedürfe es einer nachhaltigen Wandlungskette.

Wie geht das? Durch Wasserelektrolyse wird Wasserstoff mit regenerativem Überschuss-Strom aus Photovoltaik- oder Windkraftanlagen gewonnen. Der Wasserstoff wird aus Sicherheitsgründen nicht isoliert, sondern in Kohlenstoff-Bindungen in Form von Kohlenwasserstoffen gespeichert. Das können Methan, Diesel oder Alkohole wie Methanol und Ethanol sein.

So ergebe sich „beste Speicherbarkeit und die höchste Speicherdichte“, erklärt Vogel. Weitere Vorteile seien das bestehende Infrastrukturnetz und ein geringes Sicherheitsrisiko. Synthetischer Diesel biete sich als sinnvolle Kohlenwasserstoff-Form an. Es gebe weltweit genügend Tankstellen. Zudem sei Diesel mit einem Flammpunkt von 135 Grad Celsius nicht brennbar im Sinn des Gefahrenstoffrechts. „Diesel hat die beste Performance“, sagt Vogel.

Woher kommt die Energie? Sie stehe durch die Natur zur Verfügung, erklärt Vogel. Aus Sonnenenergie werde durch Wasserspaltung Wasserstoff, der mit isoliertem Kohlendioxid – mittelfristig erzeugt aus Rauchgasen von Kohlekraftwerken oder langfristig und nachhaltig aus der Atmosphäre – zu Treibstoff umgesetzt werde. Nutzbar seien ebenso grüne Pflanzen, die mit ihrer Photosynthese das Kohlendioxid aus der Atmosphäre ziehen.

Nach einem vor über 90 Jahren entwickelten Verfahren der Chemiker Franz Fischer und Hans Tropsch gebe es mehrere Wege, um aus Kohlendioxid und Wasserstoff je nach Katalysator Methan, Diesel oder Methanol zu machen. Hier öffne sich eine „große Spielwiese für die mobile Anwendung“, sagt Vogel.

Kritik an Autoindustrie

Doch warum wird das Verfahren nicht massenweise genutzt? Der Professor, der seit Kurzem im Ruhestand ist, aber weiterhin Vorlesungen hält, kritisiert die Automobilindustrie. Vorliegende Forschungskonzepte würden nicht favorisiert. Möglicherweise habe die Politik das Prinzip noch nicht verstanden, vermutet er.

Pilotanlagen und Start-Ups gebe es längst, die Alternative zur E-Mobilität liege auf der Hand. Die Technologie sei vorhanden, wenn auch noch zu verbessern. Doch Vogel ist zuversichtlich: Neue Forschungsansätze könnten helfen, hohe Investitionen zu überwinden.

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