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Teilen statt wegwerfen: Foodsharing Projekt entwickelt sich fast schon zum Selbstläufer

Von Vor vier Monaten startete das Foodsharing Projekt im Stadtteilzentrum im Sprendlinger Norden – und das mit Erfolg. Der Andrang auf den Kühlschrank ist so groß, dass es teilweise schon zu lustigen Begegnungen kommt.
Vera Dinter (oben) und Klimaschutzbeauftragte Annika Jung sind sehr zufrieden, dass der Foodsharing-Kühlschrank im Stadtteilzentrum im Sprendlinger Norden so gut funktioniert. Vera Dinter (oben) und Klimaschutzbeauftragte Annika Jung sind sehr zufrieden, dass der Foodsharing-Kühlschrank im Stadtteilzentrum im Sprendlinger Norden so gut funktioniert.
Dreieich. 

Etliche Netze mit knackig grünem Rosenkohl liegen in einer Plastikkiste vor dem großen Kühlschrank im Stadtteilzentrum im Sprendlinger Norden. Auch frische Artischocken und Mohrrüben stehen zum Verschenken bereit. Hinter der Glastür wird es dann noch viel farbenprächtiger und verlockender: saftige rote Tomaten, Blumenkohl, Mandarinen, Äpfel und mehrere Salatköpfe warten darauf gerettet zu werden. Vor vier Monaten hat Vera Dinter, Mitarbeiterin der Koordinierungsstelle „Willkommen im Quartier“ im Sprendlinger Norden das Foodsharing Projekt initiiert. Inzwischen hat es sich zu einem großartigen Selbstläufer entwickelt. „Es überrascht mich sehr, wie schnell es ging, dass sich hier eine solche Routine eingestellt hat. Ich hätte mit viel mehr Anlaufschwierigkeiten gerechnet“, sagt Dinter überaus zufrieden. Der Kühlschrank im Erdgeschoss steht fast ein wenig verdeckt im Foyer. Aber die Nutzer finden den Weg zu der großen Glastür.

Das Prinzip ist schnell erklärt. Dreieicher können Lebensmittel, die noch gut sind, die sie aber nicht mehr essen, in dem Kühlschrank ablegen und andere können sie kostenlos rausnehmen. Die Intention ist klar: „Wir wollen vermeiden, dass Lebensmittel weggeworfen werden“, so Dinter. Unterstützt wird die Mitarbeiterin der Stadt Dreieich dabei vom Verein Foodsharing. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins bringen mehrmals in der Woche größere Mengen Obst und Gemüse, die sie von Märkten oder Supermärkten „retten“.

Ein eigener Babybreimarkt

Wie der Kühlschrank funktioniert, haben die Nutzer sehr schnell verstanden. „Ich musste ehrlich gesagt gar nicht so viel erklären. Die Leute haben sich das voneinander abgeschaut. Ich hatte eigentlich gedacht, dass die Hemmschwelle größer ist, aber es funktioniert super“, ist Dinter froh. Die Menschen, die Lebensmittel aus dem Kühlschrank herausholen, seien zu 90 Prozent Leute, die sowieso im Stadtteilzentrum ein- und ausgehen, die in den unterschiedlichen Gruppen und Initiativen aktiv sind.

Es sind auch nicht unbedingt bedürftige Menschen: „Darum geht es ja auch gar nicht. Natürlich ist es schön, wenn hier Menschen Mango oder Ananas bekommen, die sich tropische Früchte sonst vielleicht nicht leisten könnten. Aber in erster Linie geht es uns darum Lebensmittel vor der Mülltonne zu retten“, so die Initiatorin, die das Projekt aus Studienzeiten ihrer Uni in Fulda kennt. Es sei auch schon zu lustigen Begegnungen an dem Kühlschrank gekommen. Recht häufig werde Babybrei abgegeben – Gläschen oder auch Pulverprodukte. „Dienstagsvormittags entsteht dann fast ein Babybreimarkt und ein großer Austausch vor dem Kühlschrank, welches Baby was mag. Das ist echt lustig“, berichtet Dinter. Und grundsätzlich ist sie auch sehr zufrieden, wie vorsichtig und nachhaltig die Besucher des Stadtteilzentrums mit den Lebensmitteln umgehen. Alle Befürchtungen und Unkenrufe, die es zu Beginn gegeben habe, haben sich nicht bestätigt.

Altes Obst landet im Müll

Und wird denn jetzt im Stadtteilzentrum gar nichts mehr aus dem großen Kühlschrank weggeworfen? „Es passiert wirklich selten. Manchmal gibt es aber angefaultes Gemüse oder Obst. Das entsorgen wir dann natürlich doch schnell, damit nicht noch mehr verdirbt“, sagt Dinter. Für die Mitarbeiterin des Stadtteilzentrums bedeutet das Foodsharing schon ein bisschen Mehrarbeit. Jeden Morgen schließt Dinter den Kühlschrank um zehn Uhr auf und nachmittags um 16 Uhr wieder zu. Diese „Öffnungszeiten“ seien gut, um die Kontrolle über den Inhalt zu behalten. Einmal in der Woche räumt sie den Kühlschrank komplett leer und macht ihn ordentlich sauber. In Zukunft seien auch gemeinsame Kochaktionen geplant. „Wir freuen uns sehr, dass es so gut klappt. Denn der Kühlschrank passt wirklich gut zu uns.“ Zusätzlich zu der Kühlfläche soll schon bald noch ein Regal entstehen, wo Lebensmittel abgelegt werden können, die eben nicht unbedingt kalt gestellt werden müssen.

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