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Flüchtlingsunterkunft in Dreieich: Friedliche Demo gegen Fremdenhass

Von Fünf Tage nach den Schüssen auf eine Flüchtlingsunterkunft in Dreieich sind am Samstag rund 700 Menschen zu einer friedlichen Demonstration gegen Rassismus zusammengekommen.
Foto: Nicole Jost
Dreieich.  Rund 700 Menschen sind am Samstagmittag am Bahnhofvorplatz in Dreieichenhain zu der Kundgebung gegen Fremdenhass zusammen gekommen. Es ist vermutlich die größte Demonstration, die das beschauliche Städtchen je erlebt hat. Mit vielen Plakaten und Fahnen zogen die Leute gegen den Rassismus auf die Straßen.

Nach den Schüssen auf die Flüchtlingsunterkunft sei es wichtig ein Zeichen zu setzen.  „Nazis vertreiben, Flüchtlinge bleiben“, rufen die Demonstranten durch die Gassen, eine politische Samba Band aus Frankfurt sorgt für eine rhythmische und laute Begleitung. Die Menschenmenge ist sehr durchmischt, zum einen sind da die Dreieicher, noch immer schockiert über diesen Angriff mit scharfer Munition sind - mitten in der Nacht. „Das geht gar nicht und deswegen war es mir auch wichtig hier heute mitzulaufen“, sagt Ilse Dreher, Initiatorin der Dreieicher Kunsttage. Viele Helfer aus dem Netzwerk Flüchtlingshilfe in Dreieich hatten ebenfalls Transparente gemalt und wollten sich klar  gegen den Fremdenhass positionieren, mit dem sie in so scharfer Form in Dreieich niemals gerechnet hätten. „Wir sind am Montag gleich ins Haus gegangen und haben die Jungs auf eine Pizza eingeladen. Ein gutes Essen beruhigt und so konnten sie direkt über die Vorkommnisse sprechen“, erzählt Irmhild Küchler, eine der aktiven Flüchtlingshelferinnen.

Bilderstrecke Dreieich: 700 Menschen demonstrieren gegen Rassismus
Rund 700 Menschen waren dem Aufruf der Gruppe Solidarität Dreieich gefolgt und waren zur Demonstration gegen Rassismus auf den Dreieichenhainer Bahnhofsvorplatz gekommen.Viele Dreieichenhainer waren zur Demonstration gekommen.Viele Demonstranten hatten Plakate gemalt


Die Organisatoren der Demonstration, die außer Pressesprecherin Alice Blum, nur unter dem Namen „Solidarität Dreieich“ firmieren, haben es aufgrund ihres Netzwerkes aber auch geschafft, viele junge Leute aus der Antifa-Szene aus Frankfurt, Wiesbaden und der ganzen Region für die Demonstration zu gewinnen. „Sogar bis aus Marburg haben wir Leute, die sich von der grünen Hochschulgruppe für unsere Demo verabredet haben“, freut sich Blum, die auch selbst ein wenig überrascht war über die große Anzahl der Demonstranten. Sie erzählt aber auch, dass sie so einige e-mails in den vergangen Tagen bekommen habe. „Sie waren nicht sehr nett. Wir sollen abhauen, Dreieichenhain brauche uns nicht und auch  keine Demonstration“, berichtet Alice Blum. Auch aus diesem Grund war sie froh, dass alles so friedlich blieb. 

Am Bahnhof sprach Bernd Mesovic, stellvertretender Geschäftsführer von Pro Asyl. Er wies darauf hin, dass sich die Anzahl der gefährlichen Attacken vervielfältigt haben im vergangenen Jahr und das die Aufklärungsquote erschreckend gering ist. Auch Ines Welge vom Hessischen Flüchtlingsrat redete zu den Demonstranten und betonte, dass das eigentlich eher weltoffene Hessen mit Hofheim, Lampertheim und jetzt Dreieich Fälle von Gewalt an Flüchtlingen hat. „Die hässlichste Fratze des Rassismus ist die physische Gewalt gegen Geflüchtete, sie ist im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich. Wir können sie nicht entschieden genug verurteilen und bekämpfen. Diese Facette des Rassismus ist deutlich sichtbar.“ Martina Feldmayer, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, war ebenfalls nach Dreieichenhain gekommen. „Die Menschen fliehen vor Krieg und Schrecken, kommen zu uns, suchen Schutz und werden hier beschossen“, so die hessische Politikerin. Gerade nach den Vorfällen von Köln in der Silvesternacht, sei die Gefahr, dass die Stimmung kippt und die Hetze gegen Flüchtlinge zunimmt, groß. „Pegida und rechte Gruppen nutzen jetzt diese  Straftaten, um Stimmung zu machen, da ist es noch wichtiger, dass ich als Politikerin vor Ort bin und deutlich gegen den Fremdenhass Stellung beziehe.“ 

Vom Bahnhof aus zog die lange Menschenschlange bis vor das Haus in der Gleisstraße, wo in der Nacht zum Montag die Schüsse gefallen sind. Einige der Bewohner sind auf der Demonstration selbst mit gelaufen. Wie der 28 Jahre alte Afghane Rafi Ray. „Ich selbst war in der Nacht nicht da. Unser Freund hat Glück gehabt, es waren sechs Schüsse, sie hätten ihn töten können“, sagt der junge Mann, der seit fünf Monaten in Dreieichenhain lebt und schon sehr gut Deutsch spricht. Der studierte Mediziner erzählt auch, dass die Gruppe in der Gleisstraße jetzt schon ein bisschen Angst habe. „Wir fürchten, dass der Täter wiederkommen könnte“, sagt Rafi Ray besorgt. Der Polizeischutz aller Dreieicher.

Flüchtlingsunterkünfte sei erhöht worden, berichtet Erster Stadtrat Martin Burlon. „Es gibt keinen 24 Stunden Schutz, aber es wird vermehrt Streife gefahren.“ Die drei Bewohner des beschossenen Zimmers seien derzeit in einem anderen Haus untergebracht. „Wir halten engen Kontakt mit ihnen und sie haben ausdrücklich gesagt, dass sie in die Gleisstraße zurück möchten“, erklärte Martin Burlon, die Hausgemeinschaft in der Gleisstraße sei intakt.

njo 

 
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