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Lehrer Rudolf Münzer: Für den Widerstand teuer bezahlt Schicksal von Pfarrern in NS-Zeit

Der ehemalige Lehrer Rudolf Münzer berichtete in Kelsterbach über katholische Geistliche, die unter dem Nazi-Regime verfolgt und inhaftiert wurden. Einige von ihnen überlebten, andere nicht.
Rudolf Foto: Carmen Erlenbach Rudolf
Kelsterbach. 

Mehrere katholische Pfarrer aus dem Kreis Groß-Gerau wurden unter der Nazi-Herrschaft in Konzentrationslager gebracht. Der ehemalige Lehrer Rudolf Münzer aus Groß-Gerau berichtet Mitgliedern der katholischen Kirchengemeinde und der Kolpingfamilie Kelsterbach von ihnen. Unter dem Thema „Katholische Kirche und Nationalsozialismus: Widerstand und Verfolgung katholischer Priester im Kreis Groß-Gerau“ blickte Münzer zunächst zurück in die Zeit, als der Kampf von Otto von Bismarck gegen die katholische Kirche begann.

Der Reichskanzler strebte eine Nationalkirche an. Fortan waren Katholiken im Kaiserreich Untertanen zweiter Klasse. Das änderte sich 1918 mit dem Sturz der Monarchie. Die neue demokratische Staatsform brachte der katholischen Kirche ungeahnte Freiheit, die jedoch vom Kommunismus und dem Nationalsozialismus bedroht wurde. Die NSDAP war eine einflussreiche Partei geworden. Es kam zu ersten Auseinandersetzungen. 1931 geriet die Mainzer Bistumsleitung mit den Nazis aneinander, weil der hessische Gauleiter der NSDAP, Peter Gemeinder, während einer Rede an einem Herzschlag starb und eine kirchliche Bestattung verweigert wurde.

Gewissenskonflikt

1933, als Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde, gerieten die Katholiken in einen Gewissenskonflikt. Denn in der Bibel steht „Jeder leiste den Trägern der staatlichen Gewalt Gehorsam“. Entscheidend war auch der Abschluss eines Konkordats zwischen dem Vatikan und der Reichsregierung am 20. Juli 1933. Das bedeutete für Hitler einen außenpolitischen Erfolg. Der Papst schloss mit der deutschen NS-Regierung einen Vertrag. Die katholische Kirche profitierte zunächst davon, bis 1935 ihre Privatschulen in staatliche Einrichtungen umgewandelt wurden und Religionsunterricht verboten wurde. Von 1936 an wurden katholische Jugendgruppen in die Hitlerjugend eingegliedert. Münzer informierte auch über die Enzyklika von Papst Pius XI., in der er die nationalsozialistische Ideologie verurteilte.

Ferner stellte er Pfarrer Karl Barth vor, der von 1935 an in Astheim gewirkt hatte. 1942 sagte dieser, dass Deutschland noch lange nicht judenfrei sei, weil es den Nazis niemals gelinge, alle Kreuze zu entfernen. Barth kam in Haft, wurde aber wieder entlassen. 1943 sollte eine Spendensammlung der Nationalsozialisten wegen des Pfarrers zu niedrig ausgefallen sein. Wieder wurde er inhaftiert. Als Grund zog Münzer auch eine Anti-Kriegs-Predigt in Betracht. Barth entging der Todesstrafe, kam aber ins KZ Dachau. 1945 wurde er entlassen – so krank, dass er mit 47 in den Ruhestand ging.

Staatsfeindliche Predigten

Münzer berichtete auch über Pater Dionys, der Heinrich Zöhren hieß und von 1939 an im Kapuzinerkloster Maria Einsiedel bei Gernsheim aktiv war. Er umging das Wallfahrtsverbot und kam ins Gestapo-Gefängnis nach Darmstadt. In der Gestapo-Akte wurden staatsfeindliche Predigten als Gründe angegeben. Er kam 1941 ins KZ Dachau. Dort starb der Pater 1943 an Bauchtyphus.

Münzer erinnerte auch an das Schicksal von Pfarrer Adam Pfeifer in Haßloch, der in einer Predigt meinte, der Kirche untreue Katholiken und Protestanten sollten sich einen Strick kaufen und aufhängen. Auch er wurde inhaftiert – wie der Gernsheimer Kaplan Paul Urban und Pfarrer Benedikt Rodach aus Walldorf. Er predigte gegen die Nazis. 1953 wurde er nach Bad Nauheim versetzt, heiratete und zeugte sechs Kinder. Er hatte das KZ ungebrochen überstanden.

(tami)
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