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Chemische Flüssigkeit ausgetreten: Großeinsatz an Kelsterbacher Gesamtschule

Von Die Chemikalie, die für soviel Aufregung sorgte, hatte sich, als die Feuerwehr eintraf, schon wieder verflüchtig. 19 Personen erlitten Haut- oder Atemwegsreizungen.
IGS-Schulleiterin Barbara Jühe ließ nach dem Chemieunfall sofort das Schulgebäude räumen. Bilder > Foto: Leo F. Postl IGS-Schulleiterin Barbara Jühe ließ nach dem Chemieunfall sofort das Schulgebäude räumen.
Kelsterbach. 

Während des Chemie-Unterrichts in der Kelsterbacher Integrierten Schule (IGS) zerbarst gestern plötzlich ein Glasröhrchen mit einer „chemischen Flüssigkeit“. Ungewöhnlicher Geruch breitete sich aus und viele Schüler verspürten „Reizungen“ der Atemwege und in den Augen. Dann ging alles ganz schnell. „Der Lehrer hat uns sofort Bescheid gegeben, und wir haben unverzüglich über die Notrufnummer Hilfe angefordert“, schildert Schulleiterin Barbara Jühe das Vorgehen. Das war um 12.39 Uhr – wie es die Alarmmeldung des Abschnittsleiter Stefan Kaiser zeigte.

Sofort wurde das Schulgebäude geräumt und jene Schüler, die im Chemieunterrichtsraum waren, wurden „isoliert“. „Als wir nach wenigen Minuten hier eingetroffen sind, war das Schulgebäude schon leer, das lief alles perfekt ab und war ein großer Vorteil für unseren Einsatz“, lobte Sven Schmitt die IGS-Schulleitung. „Aufgrund der Vielzahl an Schülern im Schulgebäude mussten wir von einem Massenanfall von möglichen Verletzten ausgehen, deshalb erfolgte auch eine entsprechende Alarmierung durch die Leitstelle des Kreises Groß-Gerau“, erklärte Sven Schmitt das große Aufgebot an Einsatz- und Rettungskräften.

Mobiles Analyselabor

„Ist da was Ernstes oder ist das einen Übung“, fragte ein Radler den Absicherungsposten an der mittlerweile gesperrten Mörfelder Straße. Diese wurde als Aufstellfläche für die Einsatzkräfte benötigt.

Schnell waren die anderen alarmierten Wehren aus dem Kreis Groß-Gerau in Kelsterbach, darunter auch ein Einsatzfahrzeug der Nauheimer Wehr mit einem speziellen mobilen Analyselabor. „Als unser erster Einsatztrupp, der mit speziellen Chemieschutzausrüstung in den besagten Chemieraum vordrang und mit einer Probe zurückkam, war jedoch keine Substanz von der eine Gefahr hätte ausgehen können, mehr festzustellen“, so der Einsatzleiter der Kelsterbacher Wehr. Die Chemikalie hatte sich wahrscheinlich schon verflüchtigt.

Als weitere Maßnahme wurden die (vermutlich) kontaminierten Schüler geschlechtergerecht betreut – sie wurden geduscht und erhielten neue Kleidung. „Dadurch wollten wir eine Verschleppung von Gefahrenstoffen vermeiden“, erklärte Sven Schmitt. Die so dekontaminierten Personen wurden dann in ärztliche Obhut übergeben – die Leitende Notärztin des Kreises Groß-Gerau war mittlerweile eingetroffen.

Besonnen reagiert

„Wir haben 19 betroffene Personen, sieben werden jetzt noch in ein Krankenhaus zur stationären Behandlung und Überprüfung gebracht“, erklärte Einsatzleiter Sven Schmitt. Die Feuerwehr musste auch ihre beim Ersteinsatz getragene Schutzkleidung in spezielle Behälter geben, damit diese der Dekontaminierung zugeführt werden konnten. Dies wird durch Infraserv im Industriepark Hoechst erledigt.

„Das war natürlich schon eine größere Aktion für uns, aber alle haben sehr besonnen gehandelt“, lobte Schulleiterin Barbara Jühe sowohl ihr Pädagogenteam als auch die Schüler. „Wir wissen es nicht genau, aber wir vermuten Brom als den möglichen Gefahrenstoff, der ausgetreten ist“, sagte Jühe – die ihr Büro am gestrigen Nachmittag nicht mehr betreten konnte. Nach ihrer Einschätzung sollte der Schulbetrieb aber am nächsten Tag wieder möglich sein. Laut Polizei wurde die Sperrung auf der Mörfelder Straße gegen 16 Uhr wieder aufgehoben. Der kontaminierte Chemiesaal wurde von der Feuerwehr gereinigt und sollte bis heute gesperrt bleiben. Die Freigabe soll nach einer weiteren Kontrollmessung erfolgen.

Die Ermittlungen in diesem Fall hat die Polizei in Lorsch, Kommissariat für Umweltdelikte, übernommen.

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