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Gegendemonstranten bei AfD-Veranstaltung: Großer Bahnhof für Frau Petry

Von AfD-Bundessprecherin Frauke Petry sparte im Bürgerhaus in Dudenhofen nicht mit markigen Worten. Freilich hatte sie dabei vor allem die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung im Visier. Während Petry im Saal gefeiert wurde, machten draußen rund 600 Demonstranten ihrem Unmut Luft.
Maximilian Müger, Fraktionschef der AfD Dreieich (links), und Robert Rankl, AfD-Vorsitzender der Kreistagsfraktion, flankierten Frauke Petry. Bilder > Maximilian Müger, Fraktionschef der AfD Dreieich (links), und Robert Rankl, AfD-Vorsitzender der Kreistagsfraktion, flankierten Frauke Petry.
Kreis Offenbach. 

Es ist keine ganz neue Erkenntnis, Frauke Petry, die Chefin der Alternative für Deutschland (AfD), ist eine kluge Frau. Die promovierte Chemikerin aus Dresden ist wortgewandt, smart, gewinnend und sogar sympathisch. Das bewies sie auch am Donnerstagabend bei der Eröffnung des Vorwahlkampfs der Kreis-AfD zur Bundestagswahl in Rodgau-Dudenhofen. Aber was sie dann sagt und wie sie dafür von den Menschen im Saal des Bürgerhauses gefeiert wird – das ist schon erschreckend.

Auch wenn Petry betont, dass sie nicht in die rechte und schon gar nicht in die rechtsradikale Ecke gehöre, ist die ihrer Meinung nach „fehlgeleitete Migrationspolitik der Regierung“ ihr großes Thema. „Die Bundesregierung, aber auch die Europäische Union und sogar die Vereinten Nationen sagen, dass die Vermischung der Völker eine völlig normales Szenario sei. Wer so was als normal bezeichnet, der destabilisiert ganz bewusst Staatsgefüge, und wir müssen uns dringend gegen diese Parteien verteidigen, die diese politischen Ziele verfolgen“, meint Petry und erntet von der Menge viel Jubel. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe ja inzwischen Fehler eingeräumt, aber wie sie es künftig besser machen wolle, habe sie nicht erläutert.

Schnelle Abschiebung

Petry schlug vor, die 600 000 Migranten in Deutschland, die keine Asylanerkennung bekommen werden, schneller abzuschieben. „Wir sollten das Bundesamt für Migration in eine Rückwanderungsbehörde umwandeln“, sagt sie. Noch drastischer wird sie, wenn es um Menschen ohne Pass geht, die „angeblich nicht wissen, wo sie herkommen“. „Vielleicht sollten wir eine Insel für all diese Staatenlosen schaffen, bewacht von den Vereinten Nationen. Dann werden sich wohl viele Menschen ganz schnell wieder an ihr Heimatland erinnern“, empfiehlt die 41-Jährige.

„Der Islam gehört nicht zu Deutschland“, wiederholt Peter Münch, Sprecher der AfD Hessen, den selbst innerhalb der Partei umstrittenen Satz. „Eine Religion, die einen Machtanspruch hat, ist nicht mit Demokratie vereinbar“, betont er und erntet ebenfalls Gejohle und Applaus. Als ein Zuschauer fordert, dass die AfD bei der Bundestagswahl 50 Prozent erreichen müsse, rudert Petry zurück. In den großen Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Hessen und Bayern hätten die Wahlen zweistellige Ergebnisse gebracht, aber weit entfernt von 50 Prozent. „Das ist unrealistisch und wir haben auch gar nicht das Personal für solch ein Wahlergebnis.“

Petry strebt eine starke Opposition an, mit dem Ziel, langfristig Verantwortung zu übernehmen. „Nicht als abhängiger Juniorpartner, sondern als diejenigen, welche die Leitlinien bestimmen.“ Sie visiere 2021 an, um als stärkste Kraft mit mehr als 30 Prozent aus der Bundestagswahl zu gehen. Den Plan, wie sie das erreichen wolle, liefert Petry gleich mit. Die CDU bröckele sowieso schon, und wenn sie sich von innen „pulverisiere“, könne die AfD das „konservative Potenzial“ abschöpfen.

In der Fragerunde kamen von den Bürgern noch individuelle Fragen, nach etwas mehr als zwei Stunden interessierten sich aber doch nicht mehr alle dafür und gingen noch während der Veranstaltung nach Hause. Für ein paar Frauke-Petry-Fans war der Abend nicht sonderlich schön, denn nicht alle wurden vom strengen Sicherheitsdienst ins Bürgerhaus gelassen. Einige blieben draußen, weil der Platz nicht mehr ausreichte, ein Handvoll ganz offensichtlich der rechten Szene angehörenden Leute wurden nicht reingelassen. „Die wollen wir hier auch nicht haben“, betonte Robert Rankl, Vorsitzender der AfD im Kreis Offenbach.

Von Pfeifkonzert begleitet

Den 300 Veranstaltungsgästen standen 600 Demonstranten gegenüber, die jeden einzelnen Besucher lautstark mit einem Pfeifkonzert und vielen „Petry go home“, „Petry heil ist nicht geil“ und „Refugees welcome“ Plakaten zur Bürgerhaustür begleiteten. Dazu kamen rund 150 Polizeibeamte, die – ganz in schwarz mit Helmen – die Menge absperrten. „Es sind hauptsächlich friedliche Demonstranten. Wir haben aber auch die Anmeldung der Antifa-Frankfurt, und die sind nicht nur zum friedlichen demonstrieren hier“, berichtete Einsatzleiter Thomas Eck.

Rund 600 Demonstranten äußerten mit Plakaten und Trillerpfeifen ihren Unmut gegen die AfD-Veranstaltung im Rodgau. 150 Polizisten sorgten für Sicherheit. Bild-Zoom
Rund 600 Demonstranten äußerten mit Plakaten und Trillerpfeifen ihren Unmut gegen die AfD-Veranstaltung im Rodgau. 150 Polizisten sorgten für Sicherheit.

Glücklicherweise blieb aber alles friedlich. Rodgaus Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) war ebenfalls gekommen. „Es ist mein demokratisches Verständnis, das alle Parteien das Bürgerhaus gleichberechtigt nutzen können, ob mir das gefällt oder nicht“, betonte er, dass nie eine Ablehnung der Vermietung an die AfD zur Debatte gestanden habe. Trotzdem stand der Rathauschef am Donnerstagabend auf der Seite der Demonstranten. „Es ist ein gutes Gefühl hier zu sein“, verdeutlichte Hoffmann, dass er inhaltlich nicht mit der AfD konform gehe.

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