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Welt-Cocktail-Tag: Herr der Drinks liebt’s klassisch

Von Wenn Reza Rahimi von seiner Shaker schwingenden Zunft und seinem Job hinter der Bar berichtet, spricht aus jedem Satz die pure Leidenschaft. Und die überträgt sich offenbar auch auf seine Gäste. Denn der neue Barchef im Gravenbruch Kempinski hat mit seinen Drinks schon Promis wie Helene Fischer bezaubert.
Das richtige Rezept für jeden Trink-Typen hält Barmanager Reza Rahim parat. Das richtige Rezept für jeden Trink-Typen hält Barmanager Reza Rahim parat.
Neu-Isenburg. 

Seine Klassenkameraden damals in Hamburg wollten Feuerwehrmänner und Fußballprofis werden. Doch der kleine Reza, mit zweieinhalb Jahren aus dem Iran gekommen, hatte einen ganz anderen Traum von seiner Zukunft: „Ich sah als Kind die Hamburger Bar-Urgesteine, fand, dass das richtige coole Typen sind – und wollte werden wie sie.“ Der populäre Film „Cocktail“ mit Tom Cruise tat sein Übriges; die berufliche Karriere Reza Rahimis war früh besiegelt.

Harte Schule im Szenelokal

Seine Sporen verdiente er sich als sogenannter Spüler in den Riverkasematten, einem kultigen Szenelokal auf St. Pauli mit Backsteinwänden und Hafenblick. „Eine sehr harte Schule, aber die hat sich gelohnt für mich“, erinnert sich Rahimi. Vor allem, weil ihn dort ein international anerkannter Barmanager unter seine Fittiche nahm. „Es war mein Glück, dass er mich mochte und mich dort arbeiten ließ, obwohl ich zunächst überhaupt keine Ahnung hatte.“

Mit dem nötigen Rüstzeug für den Job versehen, zog es den jungen Mann vor acht Jahren nach Mannheim, wo er als Betriebsleiter in der Cocktailbar eines Hotels anheuerte. Hier bekam es Rahimi, auch durch die Nähe zur SAP-Arena und den dort auftretenden Musikstars, mit vielen prominenten Hotelgästen zu tun. So waren die Söhne Mannheims oder die Bands The Boss Hoss und Silbermond zu Gast. Hollywood-Komponist Hans Zimmer buchte gleich das ganze Hotel für seine Entourage. Auch Schlagerstar Helene Fischer stieg einmal für die Dauer eines fünftägigen Gastspiels in Mannheim in dem Hotel ab und lernte Rahimis Drinks schätzen.

Zum Nachmixen: Diesen Cocktail empfiehlt der Profi

Mit einem Shaker, Eis und ein paar Grundzutaten ist man dabei: In der heimischen Hausbar selber Longdrinks und Cocktails zu kreieren erfreut sich seit Jahren großer Beliebtheit.

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Alle Berühmtheiten, die er kennenlernte, hat Rahimi, der neben der deutschen Muttersprache fließend Persisch, Englisch und Spanisch spricht, als „superfreundlich“ in Erinnerung.

Über die Jahre gesellte sich bei Rahimi zum Geschick im Umgang mit den Shakern und den Spirituosen ein planerisches und unternehmerisches Talent: So half er in den letzten vier Jahren in Mannheim mit, zwei Boutique-Hotels aufzubauen: „Ich habe die Gastro-Konzepte dafür geschrieben“, sagt er – und trotz des immer etwas nüchtern klingenden Hamburger Zungenschlags ist aus seiner Stimme Stolz herauszuhören.

Diese Planung von Logistik und Arbeitsabläufen und der Blick für das kleine, aber feine Detail, das in der Wahrnehmung des Gastes hängenbleibt, kommen ihm auch an seinem neuen Arbeitsplatz zugute. Auch wenn der Sprung von den 39 und 43 Zimmern der Mannheimer Etablissements zu den 225 Zimmern und Suiten im Kempinski ein großer ist, wie er einräumt. „Das ist hier schon eine andere Liga. Aber in der Luxus-Hotellerie arbeiten zu dürfen war schon immer mein Traum.“

Das glaubt man dem smarten Barchef sofort, hört man ihn „den ganz besonderen Spirit“ seines neuen Arbeitsplatzes beschreiben: „Wenn Du hier reinkommst, bist du mit einem Schlag in einer anderen Welt: Die hohen Decken, das dunkle Holz, viel Leder – und jeden Tag frische Blumen, die du riechen kannst“, schwärmt er. „Das zieht sich durch alle Abteilungen, bis hin zu den Details, wie wir den Kaffee und die Drinks servieren.“ Lobby, Empfangsbereich und Bar des Kempinski nennt er auch respektvoll „die Bühne: Jeder geht hier in seiner Rolle auf, das kann man schon mit der Theaterwelt vergleichen.“

Apropos: Welche Qualitäten verlangt die Rolle eines Barkeepers? Die Basis, so Rahimi, sei ein gutes Fachwissen im Umgang mit den Drinks: „Aus jeder Spirituose muss er zwei, drei verschiedene Cocktails mixen können.“ Wobei „Fachidioten“ nicht gefragt sind: „Du musst immer individuell auf die Gäste eingehen. Viele wollen zwar auch etwas über die Drinks erfahren. Und du solltest dann schon zwei, drei Sätze sagen können, darfst sie aber auf keinen Fall mit langen Vorträgen über Gärungsprozess und Herstellung langweilen.“

Ebenso wichtig sei es, einzuschätzen, was für ein Trink-Typ der Gast ist: „Wenn zwei Damen an die Bar kommen, würde ich denen etwas anderes empfehlen als einem jungen Mann und einer Frau oder einem älteren Herrn.“ Vor allem Erfahrung helfe, ein Gespür für Situation, Typ und Geschmack zu entwickeln.

Hommage an die alte Heimat

Und was zeichnet einen guten Cocktail aus? Zeitlos müsse er sein, sich seinen Zauber über Jahre und Moden hinweg erhalten, findet der Experte. „Viele abgefahrene, kreative Cocktails, die meine Kollegen und ich zaubern, sind schon spannend“, sagt er. Gerade durch die Verwendung von Kräutern gehe das in Richtung Küche. „Aber“, schränkt er ein, „den trinkst Du ein oder zweimal, hast ihn dann aber auch wieder schnell vergessen.“ Anders sei dies bei Klassikern wie einem guten Americano, Manhattan oder Negroni: „Die kann man immer trinken. Die werden nie langweilig.“

Bei seinen Eigenkreationen wiederum kann er als Barkeeper seine ganz individuelle Note einfließen lassen; etwa bei einem „Prince of Persia“ getauften Cocktail. „Das ist eine Hommage an mein Geburtsland Iran“, erklärt Rahimi. Zubereitet mit typischen Produkten aus seiner Heimat wie Pistazien, Safran oder Limetten. Das erfrischende Getränk habe gute Chancen, auf der neuen Karte des Hotels zu landen, an der Rahimi derzeit noch bastelt.

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