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Drama um Schwanennachwuchs: Hund tötet jungen Schwan am Walldorfer Badesee

Von Eigentlich sind Hunde am Walldorfer Badesee verboten. Doch außerhalb der offiziellen Badesaison wird dort nicht kontrolliert – auch wenn das Wetter scharenweise Besucher an den See lockt. Das wurde einem jungen Schwan jetzt zum Verhängnis.
Symbolbild Foto: Franziska Kraufmann (dpa) Symbolbild
Mörfelden-Walldorf. 

Das heiße Spätsommerwetter lockte in den vergangenen Tagen viele Menschen an den Badesee oder ins Schwimmbad. Auch am Walldorfer Badesee herrschte reger Betrieb, wenngleich die offizielle Saison dort seit knapp zwei Wochen beendet ist. Dass bedeutet, dass dort in der Regel kein Aufsichtspersonal zugegen ist, die Besucher aber auch keinen Eintritt mehr bezahlen müssen. Doch was sich am Mittwochnachmittag am Walldorfer Badesee zugetragen hat, dürfte nicht nur ausgemachte Tierfreunde auf die Palme bringen.

„Ich war gerade im Wasser, als ein junger Schwan die Uferböschung herunter gewatschelt kam. Plötzlich kam ein Jack Russell Terrier angeschossen und hat das Jungtier binnen weniger Augenblicke getötet“, erzählt Christian Pöllath. Er selbst sei von dem Szenario nur einen guten Meter entfernt gewesen, habe aber nichts tun können. „Der Jack Russell hat nichts falsch gemacht. Er ist ein Jagdhund und nur seinen Instinkten gefolgt. Aber der Hundebesitzer hätte besser aufpassen müssen“, betont Pöllath.

Eilig von dannen gemacht

Doch dieser habe nur geschaut und sich gewundert, was sein Hund dort treibt. „Ich denke, er war mit der Situation einfach überfordert“, sagt Pöllath. Doch damit nicht genug: Der Halter des Jack Russell habe den toten Jungschwan dann einfach in einem Mülleimer „entsorgt“ und sich anschließend recht eilig von dannen gemacht. „Ich habe den Mann noch auf den Vorfall angesprochen, aber ich wollte keinen Ärger riskieren“, schildert der 52-jährige Zeppelinheimer.

Eigentlich sind außerhalb der Saison keine Mitarbeiter der Interessengemeinschaft Rettungsdienst Badesee Walldorf (IRBW) an dem Gewässer im Einsatz. Doch weil es ausgerechnet ebenfalls am Mittwoch Probleme mit einem weiteren jungen Schwan gab, der vermutlich einen Angelhaken verschluckt hatte und in eine Tierklinik nach Offenbach gebracht werden musste, war an diesem Tag auch Ilona Knodt anwesend. Als die Tauchwartin der IRBW von dem Angriff auf den Schwan erfuhr, machte sie die Badegäste per Lautsprecherdurchsage mit Nachdruck darauf aufmerksam, dass am See keine Hunde erlaubt sind.

„Ich war sehr erzürnt. Aber für den Schwan kam diese Durchsage natürlich zu spät“, sagt Knodt. Hunde seien am Badesee grundsätzlich verboten, jedoch gebe es außerhalb der Saison keinen Wachdienst und keine Kontrollen mehr. „Und selbst wenn ich jemanden auf das Verbot aufmerksam mache, habe ich außerhalb der Saison keine Handhabe, um ihn tatsächlich des Geländes zu verweisen“, bedauert Knodt. Dass der Halter des Jack Russell den toten Schwan dann einfach in die Mülltonne geschmissen habe, setze dem Ganzen die Krone auf. Immerhin habe ein aufmerksamer Badegast den Bauhof verständigt, dessen Mitarbeiter den Kadaver dann abgeholt hätten.

Zudem habe eine Reinigungskraft, die für die Toiletten zuständig sei, nach dem Vorfall die Polizei verständigt. Nun gehe ein Bericht an das für den Badesee zuständige städtische Sport- und Kulturamt, welches dann über das weitere Vorgehen entscheiden müsse. „Um solche Geschehnisse zu vermeiden, müsste es auch neben der Badesaison einen kontrollierten Eintritt zum See geben – ob mit oder ohne Gebühr. Und wenn dann jemand mit Hund kommt, wird er wie sonst auch weggeschickt“, wünscht sich die Tauchwartin der IRBW.

Rechtliche Konsequenzen

Ralf Baitinger, der Leiter des Sport- und Kulturamts, erklärte gestern, dass es Überlegungen gebe, wegen der Vorkommnisse Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten. „Es gibt Zeugen und so etwas muss rechtliche Konsequenzen haben“, betont er. Die Situation, dass nach der Saison noch so hervorragendes Badewetter herrsche, sei neu – aber das Problem sei erkannt. „Wir werden uns zusammensetzen und überlegen, wie wir die nächste Saison angehen und ob wir den Sicherheitsdienst verlängern“, so Baitinger. Für ihn sei es aber keinesfalls eine Option, den See außerhalb der Saison zu schließen.

Wie Ilona Knodt erklärt, sei der Tod des Schwans besonders tragisch gewesen, weil es sich bei ihm vermutlich um das letzte von einstmals sechs Jungtieren eines am See beheimateten Paares gehandelt habe, die im Mai geschlüpft seien. „Bei zweien wissen wir nicht, wo sie abgeblieben sind. Einer musste in Offenbach notoperiert werden und weitere zwei sind nachweislich gestorben, weil sie von Menschen gefüttert wurden.“

Für Judith Wagner vom Tierschutzverein Kelsterbach ist solch menschliches Fehlverhalten gegenüber Tieren nichts Neues. „So etwas macht mich sehr traurig. Ein Hundebesitzer sollte zumindest so viel Sachverstand besitzen, dass er seinen Vierbeiner nicht frei laufen lässt, wenn Jungtiere in der Nähe sind“, sagt sie. Auch das Füttern von Enten und Schwänen – vorzugsweise mit Brot – sei eine Unart, die den Tieren das Leben kosten könne. „Wir können nur immer wieder an die Vernunft der Menschen appellieren“, betont Wagner.

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