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Abfall: "Jeder wirft seinen Dreck dazu": Bürger berichtet über private Müllsammel-Aktion im Wald

In dreieinhalb Stunden hat der Neu-Isenburger Göran Lennert entlang der B3 zwischen Isenburg und Dreieich stolze 40 Kilogramm Müll eingesammelt. Seine Erfahrung bei seiner do-it-yourself-Aktion hat er in einem Brief an Bürgermeister Herbert Hunkel, den Landrat des Kreises Offenbach und anderen mit spitzer Feder zusammengefasst.
Göran Lennert fand auch eine Matratze bei seiner Aufräum-Aktion im Wald. Göran Lennert fand auch eine Matratze bei seiner Aufräum-Aktion im Wald.

Liebe Damen und Herren,

man soll sich ja nicht selbst loben – insbesondere dann nicht, wenn das Eigenlob als Tadel an die Mitmenschen gedacht ist. Das ist unfein! Andererseits: „Tue Gutes und rede darüber!“ In diesem Sinne: Ich habe gestern entlang der B3 zwischen Isenburg und Dreieich aufgeräumt; beide Straßenränder, beide Fußwege. Es hat mich dreieinhalb Stunden und die ein oder andere Verwünschung gekostet, und ich habe sage und schreibe 40 kg Müll gesammelt. Darunter waren jede Menge afrikanischer Kaffeebecher, mit und ohne Plastikdeckel (aus Togo, 08°N 001°W), der übliche Verpackungsmüll für die Schnell-mal-zwischendurch-Ernährung (Chips- Gummibärchen- und Brötchentüten, Döner-Alufolie, Hämbörger-Verpackung) usw. Wenige Kondome, dafür vier bis fünf bis zum Anschlag mit Regenwasser vollgesogene, kiloschwere Babywindeln. Wie auf der Seite des DLB zu lernen ist, werden für letztere extra Abfallsäcke angeboten – die kosten aber 1,25 € das Stück. Merke: der Isenburger ist auch sparsam! Viele Taschentücher waren auch darunter, sehr viele. Die verrotten ja, irgendwann. Allerdings: liegen erst einmal die Rotzfahnen in der Gegend, wirft jeder seinen Dreck dazu. Es kommt ja nicht mehr darauf an! Positiv fiel mir auf, daß einige Isenburger oder Dreieicher doch offensichtlich sehr auf ihre Gesundheit achten und sogar einen gewissen Sinn für Ästhetik an den Tag legen: der Inhalt der zahlreichen kleinen, grünen Fläschchen, die sich ob ihrer Farbgebung so harmonisch in den Wald einfügen, ist, so verheißt es das Etikett, aus 56 guten Kräutern bereitet. Obwohl sie sich so gut verstecken, habe ich am Ende doch ca. 30 von ihnen fast widerstandslos aus ihrem natürlichen Habitat entnehmen können.

Leute, die mir begegneten, haben verständnislos dreingeblickt oder mich bestenfalls ignoriert. Eine ältere Frau hat mich angelächelt. Zwei Jungs, die mir entgegenkamen, wollten mich spaßeshalber vom Weg drängen um mir so ihre Sicht der Dinge zu erklären: wer Müll sammelt, ist ganz unten. Wer oben steht wirft ihn weg, damit für die da unten Arbeitsplätze geschaffen werden. Die können ja nichts anderes. Ich habe dann alles in meinen Volvo geladen in der Hoffnung, daß die Tüten nicht platzen und sich der ganze Dreck gleichmäßig im Kofferraum verteilt.

Mir stellen sich zwei Fragen: wer macht so etwas, und was kann man dagegen tun? Ist es etwa notwendig, seine Mitmenschen anzuleiten und ihnen den einfachen Zusammenhang zwischen Umweltzerstörung und eigenem Verhalten darzulegen? Es ihnen zu erklären, den Jungen und den Dummen, den Einheimischen und den Auswärtigen? Oder wäre das ein unzulässiger Eingriff in deren Selbstbestimmungsrecht? Sollte man Hinweisschilder aufstellen?

Morgen werde ich mit dem Fahrrad nach Dreieich zum Sport fahren, ganz entspannt durch den sauberen Wald, ohne mich zu ärgern. Es sei denn, es ist schon wieder etwas dazugekommen. Der Ärger ist programmiert. So war es auch bei meinem letzten privaten Aufräumtag im November, gleiches Gebiet. Man kommt sich vor wie Lanzelot – oder wie hieß der Narr, der gegen die Windmühlen angerannt ist?

Beste Grüße!

Göran Gustav Lennert

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