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Erlebnisse im roten Staub Afrikas: Karin Siegmann kämpfte in Burkina Faso gegen Genitalverstümmlung

Von Karin Siegmann traf während ihres Aufenthalts in Burkina Faso einen Regionalkönig, der 50 000 Untertanen hat. Außerdem war sie in prominenter Begleitung. Die Schauspielerin Katja Riemann war mit von der Partie.
Karin Siegmann (2. von rechts) reiste nach Burkina Faso, um zu helfen. Zur Reisegruppe gehörte auch die Schauspielerin Katja Riemann (2. von links) und ihre Tochter Paula (links). Karin Siegmann (2. von rechts) reiste nach Burkina Faso, um zu helfen. Zur Reisegruppe gehörte auch die Schauspielerin Katja Riemann (2. von links) und ihre Tochter Paula (links).
Dreieich. 

Karin Siegmann vom Dreieicher Frauenbüro jettete unlängst nach Afrika, nicht um dort die Beine hoch zu legen und sich in der Sonne brutzeln zu lassen, wie es manche Zeitgenossen tun, sondern um zu helfen. Von Ende Februar bis Anfang März weilte sie mit dem Frankfurter Verein „Nala – Bildung statt Beschneidung“ in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso. Dieser Verein setzt sich gegen weibliche Genitalbeschneidung und -verstümmelung in afrikanischen Ländern, aber auch in Deutschland und weltweit ein.

Der Verein wurde 2012 von der Autorin und Dolmetscherin Fadumo Korn, ihrem Mann Walter, Karin Siegmann selbst, die nun stellvertretende Vorsitzende ist, und Annemarie Dechamps gegründet. Seit fast 20 Jahren beschäftigt sich Karin Siegmann bereits mit diesem Thema. „Ich weiß auch nicht genau, warum ich mir gerade das ausgesucht habe“, sucht sie nach einer Erklärung für ihr Engagement. Eine richtige gibt es aber wohl nicht. Helfen ist ihr wichtig. Auch an Ort und Stelle. „Dort in der Hauptstadt sind unsere Projekte angesiedelt“ erläutert Karin Siegmann.

Geringe Kriminalitätsrate

„Die Organisation in Ouagadougou heißt ,Ampo’, was so viel bedeutet wie: Das Gute geht nicht verloren“, sagt Siegmann. Sie war auf dieser Reise aber nicht allein unterwegs, sondern mit einer Delegation von sechs Leuten. Unter ihnen auch Vereinsgründerin Fadumo Korn und ihr Mann Walter. Sie reisten in prominenter Begleitung. Denn Schauspielerin Katja Riemann, erst vor Kurzem wegen des Kassenschlagers „Fack ju Göhte“ in aller Munde, und deren 23-jährige Tochter Paula waren ebenfalls mit dabei.

„Sie kamen mit, weil sich Katja Riemann die Frauenprojekte selbst ansehen und erleben wollte, was dort geschieht“, berichtet Siegmann. „Die Verbindung zu Katja Riemann gibt es schon länger, weil sich die Schauspielerin und Fadumo Korn kennen“, sagt Siegmann. Außerdem gibt es alle zwei Jahre im Februar das größte afrikanische Filmfestival, das „Fespaco“. „Und Katja Riemann schaute dort mit Paula vorbei und traf bei dieser Gelegenheit auch Kathrin Rohde“, berichtet Siegmann. Rohde, auch „Mama Tenga“ genannt, ist die Gründerin der Organisation „Ampo“, die mit Waisenkindern und Frauen arbeitet.

Es gibt auch einen anderen Grund für Riemanns Begleitung, denn die Schauspielerin schreibt ein Buch über ihre Arbeit als Unicef-Botschafterin und sammelt dafür Geschichten, erklärt Siegmann. Davon bekam sie auf der Burkina Faso-Reise so einige mit. „Burkina Faso ist kein Land für Touristen“, sagt Siegmann, die in diesem Land allerdings „überhaupt keine Angst“ hatte. Es sei zwar das drittärmste Land der Welt mit einer Analphabetenquote von mehr als 80 Prozent. „Doch dort leben auch die freundlichsten Menschen in ganz Afrika“, so hat Siegmann es erlebt. Auch die Kriminalitätsrate sei verschwindend gering.

Was Karin Siegmann zu schaffen machte, das war das Klima. „Es waren mehr als 40 Grad bei sieben Prozent Luftfeuchtigkeit und überall roter Staub“, erinnert sie sich. Trotzdem, oder gerade deshalb hinterließ dieser Besuch Spuren bei Karin Siegmann. „Nach zwei Tagen hatte ich schon das Gefühl, als wäre ich drei Wochen dort gewesen“, erzählt sie. Das liege an den unendlich vielen fremden, neuen Eindrücken und Erlebnissen. Etwa diesem: „Wir haben mit einem Regionalkönig gesprochen, der 50 000 Untertanen hat.“ Im Gespräch drehte sich alles ums Thema Genitalverstümmelung. „Er bat uns um Hilfe, weil zwar dort die Genitalverstümmelung verboten ist, es aber keine Kommunikationsmöglichkeiten gibt, so dass niemand mitbekommt, dass es so ein Gesetz überhaupt gibt“, schildert Siegmann das Dilemma des Königs.

Männer sehen das ein

Der Frankfurter Verein „Nala“ unterstützt auch Schulen, indem er Aufklärungsunterricht gegen Genitalverstümmelung und Frühschwangerschaft organisiert. „Wir sammeln Geld in Deutschland, um dort solche und ähnliche Projekte anbieten zu können.“ Deshalb hatte sich der Regionalkönig genau an die Richtigen gewendet. Denn um Aufklärungsarbeit zu leisten, fahren Animateure in die Dörfer, sprechen mit Frauen und Verantwortlichen und zeigen die gesundheitlichen Probleme und Folgen von Genitalbeschneidungen bei Frauen auf. „Dann kann sich das Dorf entscheiden, ob das dort nicht mehr praktiziert wird.“ Das sei das Wichtigste. „Es geht uns darum, die Menschen dort aufzuklären. Sie müssen die Entscheidung gegen die Genitalbeschneidung selbst treffen, weil sie erkannt haben, dass es keinen Nutzen gibt, sondern nur Probleme“, erklärt Siegmann und fügt hinzu: „Das klappt. Auch die Männer sehen das ein.“ Die Arbeit zeigt erste Früchte. „Zehn Dörfer haben gleichzeitig und gemeinsam ihre Beschneidungswerkzeuge rituell beerdigt“, erzählt Siegmann von einem der Erfolge. „Diese Reise hat für mich sehr viele Fragen aufgeworfen“, sinniert Siegmann. „Zum einen natürlich über das, was so in Afrika passiert. Und zum anderen über unseren Konsum und die Art und Weise, wie wir leben.“ Eins steht für sie aber fest: „Wir fahren auf jeden Fall noch mal hin.“

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