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Kinderfantasien als Kunstwerke

Von Die Materialien und die Entstehungsweisen der derzeitigen Kunstwerke im Rathaus-Foyer sind ganz unterschiedlich. Doch eins haben die Erschaffer der „Monster“ gemeinsam: Es sind Kinder.
Projektleiterin Jutta Meyer mit Yaa Konadu Ofori vor deren Monsterkunstwerk Dumbo, das Süßigkeiten verschlingt. Bilder > Foto: Leo F. Postl Projektleiterin Jutta Meyer mit Yaa Konadu Ofori vor deren Monsterkunstwerk Dumbo, das Süßigkeiten verschlingt.
Neu-Isenburg. 

Ganz besondere Kunstwerke sind derzeit im Foyer des Neu-Isenburger Rathauses zu sehen. „Das sieht aus wie eine Vergrößerung einer Wanze unter dem Mikroskop“, beschreibt eine Besucherin ihren ersten Eindruck vom „Kiromonster“, das Lena Misbach erschaffen hat. Aber auch das „Shopping Monster“ von Clara Günther erinnert an eine kristallisierte Flüssigkeit. Andere Monster erinnern an zerklüftete Inseln im Meer, nur beim „Sackmonster“ von Laura Koch scheinen kleine Fabeltiere aus dem Sack zu entweichen. Alle diese „fantastischen“ Kunstwerke haben etwas gemeinsam: Sie sind im Rahmen eines Kunstprojektes im Freizeitbereich-Bildungszentrum West entstanden.

Pädagogisches Projekt

„Kinder brauchen Monster“, so das Motto von Jutta Meyer, die seit zehn Jahren im Freizeitbereich-Bildungszentrum West die Viertklässler im Unterricht begleitet und als Bindeglied bei Elterngesprächen eine wichtige Rolle spielt. Im Rahmen ihrer pädagogischen Projekte wählt Jutta Meyer oft situationsbedingte Aufgaben. Beim Thema „Monster“ animierte sie die Kinder dazu, ihren künstlerischen Fähigkeiten völlig freien Lauf zu lassen. „Ich habe ihnen ein paar Hinweise für die Technik zur Erstellung von diesen Monster-Kunstwerken gegeben, alles andere lag buchstäblich in den Händen der Kinder selbst“, erklärt Meyer.

Kaffeesatz-Technik

Wie die ungewöhnlichen Formen der „Monster“ entstanden sind, das beschreibt Laura Koch: „Wir haben Kaffeesatz genommen und die dunkle Brühe auf das Papier gegossen, dann das Papier gekippt und die Flüssigkeit mit einem Strohhalm in verschiedene Richtungen auseinander geblasen, dann sind so komische Monster dabei herausgekommen.“ Anschließend wurden die Konturen noch mit einem Edding-Stift nachgezeichnet – und fertig waren die ungewöhnlichen Kunstwerke. „Nicht alles hat so auf Anhieb geklappt, doch bald hatten alle den Dreh raus und waren total begeistert, welche fantasievolle wesen sie erschaffen konnten – hier zeigen wir nur einen Teil, nämlich jene, die nach der Kaffeesatz-Technik entstanden sind“, erklärt Jutta Meyer.

Die Kinder erzählten dann ihre eigenen Geschichten zu ihren Monsterbildern und machten sogar kleine Rollenspiele. Manche der jungen Künstler haben gar eine ganz persönliche Geschichte dazu geschrieben. So schreibt Laura Koch: „Dipsi, das Sackmonster schläft tagsüber und macht nachts Party mit anderen Monstern. Sie tanzen und machen Rockmusik. Dipsi kann auch Trompete spielen, manchmal macht es gerne Streiche und ärgert andere Monster auf der Toilette, dabei rüttelt Dipsi an der Toilettentür.“ Für Laura Koch gibt es noch das Minimonster, das gerne auf dem Trampolin springt und Salti schlägt. „Fifi, das Vogelmonster liebt es über Berge zu fliegen“, so die junge Künstlerin. Dann gibt es bei ihr noch das „Hundemonster Bubu“, das ist sehr verfressen und spielt gerne Verstecken.

Ela Ulu hat das „Teufelsmonster Lily“ erschaffen, dieses mag es gerne, andere Leute zu beschimpfen und zu ärgern. In ihrer Kindheit haben sie selbst viele Monster geärgert, jetzt wollte sich Ela dadurch rächen. Dann gibt es noch das „Monster Fluffy“, das von allen gern gemocht wird – außer von Lily. Aber jetzt wünscht sich Lily, dass Fluffy ihr Freund wird. Yaa Konadu Ofori hat ein ganz besonderes Monster geschaffen: „Das isst gerne Kuchen und nascht noch viel lieber“, erklärt die Künstlerin – verrät aber nicht, ob sie sich selbst darin ein wenig wiederfindet. „Ja, bei uns zu Hause fehlt immer was von den Süßigkeiten, die kann nur das Monster genascht haben“, schmunzelt Yaa Konadu Ofori. Das „Kiromonster“ von Lena Misbach ist ein gefürchtetes Monster, obwohl es gar nicht böse ist. Es lebt in sumpfigen Gebieten und badet gerne im Matsch. Es frisst am liebsten Spaghetti mit Schokosoße – und Hygiene ist nicht wichtig.

Für Projektleiterin Jutta Meyer ist wichtig, dass Kindern mit diesem Kunst-Monster-Projekt Hilfestellungen für das Leben gegeben werden. „Sie können sich künstlerisch nach eigener Intuition entfalten, und wenn es mal keine Erklärung für etwas im Leben gibt, dann war es halt eines dieser Monster“, so Meyer. Und auch Bürgermeister Herbert Hunkel zeigte sich bei der Eröffnung der Ausstellung in mehrfacher Hinsicht beeindruckt. „Diese jungen Künstler beeindrucken nicht nur mit ihrer Kreativität, sondern haben durch ihre Monster auch Brücken zu Problemstellungen geschlagen, über die sie besser durch das Leben gehen werden“, so Hunkel.

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