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Evangelischen Kirchengemeinde Walldorf: Konfirmanden reinigen im Meisenweg Stolperstein

Konfirmanden der evangelischen Kirchengemeinde Walldorf haben am Dienstag die jährliche Reinigung eines Stolpersteins vorgenommen. In diesem Jahr wurde im Meisenweg 8 in Walldorf an Dr. Alexander Besser erinnert.
Konfirmanden der evangelischen Kirchengemeinde Walldorf erinnerten mit der Stolperstein-Reinigung an Alexander Besser. Bilder > Konfirmanden der evangelischen Kirchengemeinde Walldorf erinnerten mit der Stolperstein-Reinigung an Alexander Besser.
Mörfelden-Walldorf. 

Als der Künstler Gunter Demnig im Jahr 1992 sein Projekt „Stolpersteine“ startete, war nicht absehbar, dass 26 Jahre später in 22 europäischen Ländern insgesamt mehr als 60 000 Stolpersteine verlegt sein würden. Die Steine aus Messing erinnern an Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus von den Nazis verfolgt wurden. Hierbei wird sowohl an aus dem Land Vertriebene als auch an Ermordete erinnert.

Zukunft gestalten

Stolpersteine sollen die Geschichte der Opfer ins Bewusstsein rufen und liegen im Regelfall vor deren letzten frei gewählten Wohnorten vor der Verfolgung durch das NS-Regime. Der Stein für Alexander Besser im Meisenweg in Walldorf ist diesbezüglich eine Ausnahme.

Auch Mörfelden-Walldorf nimmt seit dem Jahr 2005 am Projekt Demnigs teil. „Uns ist es wichtig, die Erinnerung wachzuhalten“, betont Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD). In der Doppelstadt wurden bislang an 16 Standorten 54 Stolpersteine für jüdische Opfer des Nationalsozialismus verlegt. Seit 2014 reinigen Konfirmanden der evangelischen Gemeinde Walldorf jährlich einen Stolperstein, um so an die Opfer zu erinnern. Am Dienstag war es der für Alexander Besser im Meisenweg 8 in Walldorf.

Besser hatte dort von 1964 bis 1978 gelebt. „Wir wollen uns erinnern, weil wir wissen, dass nur, wer um seine Vergangenheit weiß, seine Zukunft gestalten kann, dass das Vergessen von Unrecht den Boden für neues Unrecht legt, dass sich zu erinnern deshalb bedeutet, Verantwortung zu übernehmen“, sagten die Konfirmanden. Sie waren zusammen mit den beiden Pfarrern Thomas Stelzer und Jochen Mühl gekommen.

Die jährliche Aktion wird von der Stadt unterstützt, weshalb auch Bürgermeister Becker sowie Thomas Krüger und Martina Müller vom Hauptamt mit dabei waren. Ein besonderer Gast war Mechthild Härtling, die Witwe des 2017 gestorbenen Schriftstellers und Ehrenbürgers der Doppelstadt, Peter Härtling, der den Stolperstein für seinen Freund Besser in Walldorf angeregt hatte.

Bewegende Rede

Der Jurist Besser hatte während der NS-Zeit in Berlin gewohnt und war als Jude von den Nazis mit einem Berufsverbot belegt und zunehmend bedroht worden. Er floh 1938 nach Palästina, 1950 kehrte er nach Deutschland zurück.

Das Stolperstein-Projekt in Mörfelden-Walldorf wird vom „Förderverein (FV) Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau“ gefördert. Hier ist besonders das Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Vorndran, ehemaliger Erster Stadtrat der Doppelstadt, hervorzuheben. Vorndran hielt als Vertreter des FV bei der Veranstaltung für Besser eine bewegende Rede: „Die Stolpersteine zeigen ganz konkrete Einzelschicksale aus unserer unmittelbaren Nachbarschaft, die uns emotional berühren.“

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