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Tierschutzverein: Leinenpflicht nur dort, wo es nötig ist

Von Nach Ansicht von Evelin Bohlscheid, Vorsitzende des Tierschutzvereins Tierhilfe Aktiv, ist eine neue Satzung der Anleinpflicht für Hunde nicht nötig. Den Grünen wirft sie Diskriminierung der Hundehalter vor.
Evelin Bohlscheid will Kimba (von links), Carlitos und Chuck auch künftig Freilauf ohne Leine gönnen – natürlich nur dort, wo es die Hessische Hundeverordnung, die den Freilauf klar regelt, erlaubt. Evelin Bohlscheid will Kimba (von links), Carlitos und Chuck auch künftig Freilauf ohne Leine gönnen – natürlich nur dort, wo es die Hessische Hundeverordnung, die den Freilauf klar regelt, erlaubt.
Dreieich. 

Die Dreieicher Grünen heben das Thema Anleinpflicht in der Brut- und Setzzeit wieder auf die politische Tagesordnung in der Stadt. Die Frage wird in der nächsten Sitzungsrunde im Mai im Parlament diskutiert. Es war abzusehen, dass eine Leinenpflicht bei den Hundebesitzern und den Nicht-Hundebesitzern polarisieren wird.

Jetzt meldet sich die Vorsitzende des Tierschutzvereins Tierhilfe Aktiv, Evelin Bohlscheid, zu Wort. Sie führt ein Gutachten an, das der Verein schon 2016, als der Leinenzwang in der Dreieicher Politik zuletzt diskutiert wurde, in Auftrag gab. Darin werden die gemeinrechtlichen Fragen für die Hundehalter und tierschutzrelevanten Fragen einer solchen Hundesatzung beantwortet. Die Krefelder Rechtsanwältin Susan Beaucamp weist darauf hin, dass ein temporärer Leinenzwang nicht nur unverhältnismäßig und wegen des etwaigen nicht ausreichendem öffentliches Interesses unwirksam sein könnte, sondern auch gegen das höherrangige bundesrechtliche Tierschutzgesetz als auch gegen die Tierschutzhundeverordnung verstoße.

Der Freilauf der Hunde sei ein wesentlicher Bestandteil der artgerechten Haltung, durch die Verhaltensprobleme vermieden werden könnten. Eine generelle Anleinpflicht sei aus Tierschutzsicht nur dann akzeptabel, wenn es sich im Einzelfall um einen nachweislich Mensch oder Tier gefährdenden Hund handele und tiergerechtere Maßnahmen nicht zur Verfügung stehen. In der Tierschutz-Hundeverordnung werde ebenfalls gefordert, dass einem Hund ausreichend Auslauf im Freien zu gewähren ist. Die Rechtsanwältin kommt zu dem Fazit, dass der Leinenzwang dem Schutz der Natur und Artenvielfalten, vor Gefahren, die von frei umherlaufenden Hunden ausgehen kann, durchaus diene. Demgegenüber stehe allerdings das berechtigte Interesse an artgerechter Tierhaltung. Darüber müsse eine Abwägung erfolgen.

Erfahrungen bewerten

Evelin Bohlscheid regt an, die Dreieicher Erfahrungen zu bewerten. Sie stellt die Frage nach der Anzahl an Vorfällen, die freilaufende Hunde und Personen betreffen, wie viele Vorfälle es mit freilaufende Hunde und Beißvorfälle mit Artgenossen gegeben habe. Auch die Anzahl der Vorfälle mit Wild und freilaufenden Hunden sei von Interesse. Sie betont außerdem, dass es keine ausgewiesenen, uneingezäunten Freilaufflächen nötig sind, wenn die allgemeine hessische Hundeverordnung beachtet werden. Denn darin sei alles geklärt: Leinenpflicht überall dort, wo bebautes Gebiet ist, in Parks, auf Straßen und überall dort, wo viele Menschen zusammenkommen, und dort, wo Naturschutz oberste Priorität hat. „Eine zusätzliche Satzung ist nicht von Nöten“, sagt die engagierte Tierschützerin.

Sie hoffe, dass die Dreieicher Politiker den Bürgern, die Hunde halten und ihre Steuern entrichten, zutrauen, ihre Hunde verantwortungsbewusst zu führen. „Eine Neuregelung der Leinenpflicht sollte also vom Standpunkt der Verhältnismäßigkeit betrachtet werden und nicht zur Diskriminierung einer steuerzahlenden Minderheit führen. Der Jagderfolg eines Hundes ist sehr mäßig verglichen mit der Effektivität, mit der Freigängerkatzen den wildlebenden Tieren zusetzen“, schließt Bohlscheid.

Den Grünen wirft sie indes „Stimmungsmache für die nächste Wahl“ vor. Sie selbst habe keine Probleme damit, Hunde anzuleinen, wenn es die Situation nötig macht.

Nicht artgerecht

„Es muss aber auch dem Tierschutzgesetz Rechnung getragen werden und dieses sieht eine generelle und auch die zeitweise durchgehende Anleinpflicht in der geforderten Art als nicht artgerecht an“, schreibt Bohlscheid. Außerdem ist sie sich sicher, dass die Grünen auch mit einer Leinenpflicht nicht die Hundebesitzer erreichen, die sich sowieso nicht dranhalten. „Nennen Sie einen wirklich plausiblen Grund für Ihren Antrag, der dann auch weitere nach sich ziehen müsste, zum Beispiel eine Ausgangssperre für Katzen in der Brut- und Setzzeit oder 30er Zonen in Waldgebieten. Andernfalls sehe ich hier eine Diskriminierung der Hundehalter“, schließt Bohlscheid diesen zweiten Brief, den sie an die Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Roland Kreyscher und Heidi Soboll, richtet.

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