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Bürgermeister sieht die Kelsterbach für den Bevölkerungszuwachs gut gerüstet: Manfred Ockel (SPD): „Die Infrastruktur wird noch besser“

Dank des Neubaugebietes Länger Weg und einer allgemeinen Zuwanderung ist die Bevölkerung von Kelsterbach deutlich gewachsen. Unser Mitarbeiter Uwe Grünheid hat mit Bürgermeister Manfred Ockel (SPD) über die Hintergründe und Folgen gesprochen.
Das Wachstum im Blick: Bürgermeister Manfred Ockel auf dem Vorplatz der Neuen Stadtmitte, wo auch 78 Wohnungen entstehen. Das Wachstum im Blick: Bürgermeister Manfred Ockel auf dem Vorplatz der Neuen Stadtmitte, wo auch 78 Wohnungen entstehen.
Kelsterbach. 

Der Gemeindesteckbrief der Industrie- und Handelskammer Darmstadt spricht Kelsterbach bei der Bevölkerungsentwicklung den größten Sprung zu, immerhin ein Plus von 14,8 Prozent in den zurückliegenden zehn Jahren (2005 bis 2015). Stadtverordnetenvorsteherin Helga Oehne (CDU) sprach in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung von einer Zunahme von 2000 auf rund 17 000 Einwohner in den vergangenen zwei Jahren. Worauf führen Sie diese „Bevölkerungsexplosion“ zurück, Herr Ockel?

MANFRED OCKEL: Dafür sind verschiedene Faktoren zu nennen. Zuerst natürlich das neue Wohngebiet, verbunden mit der zentralen Lage Kelsterbachs. Hinzu kommen die Wanderungsströme der Bevölkerung einerseits vom Land in die Stadt, andererseits aus der Stadt heraus an die Peripherie. Des Weiteren gibt es, unabhängig von den Flüchtlingen, eine starke Migrationsbewegung von Menschen aus EU-Ländern. Angesichts des hohen Ausländeranteils in Kelsterbach fallen die etwa 140 Flüchtlinge, die in der Stadt leben, nicht ins Gewicht.

War mit der Ausweisung des Baugebiets Länger Weg eine derartige Bevölkerungszunahme geplant gewesen?

OCKEL: Dass die Bevölkerung zunehmen wird, war klar, die Geschwindigkeit war jedoch überraschend. Es ging zunächst verhalten los, doch in den zurückliegenden zwei, drei Jahren verzeichnen wir eine enorme Zunahme. Das war vor zehn Jahren nicht prognostizierbar. Auch der Zuzug junger Familien war so nicht geplant. Aber wir haben mit neuen Kitas und bei den Schulen darauf reagiert.

Worin sehen Sie die größten Vorteile dieser Bevölkerungsentwicklung, für die überwiegend der Zuzug junger Familien verantwortlich ist?

OCKEL: Das beinhaltet ein großes Potenzial. Daher sind wir froh über die jungen Familien, und wenn sie hier bauen, bedeutet das, dass sie lange bleiben. Das ist gut für eine Bürgergesellschaft, denn diese Menschen wollen mitreden und mitgestalten.

Die Stadt reagiert bereits jetzt auf diese Bevölkerungsentwicklung, etwa mit zusätzlichen Kita-Angeboten und dem Neubau der Karl-Treutel-Schule. Welche weiteren Projekte wird es geben, etwa bei der Infrastruktur oder dem öffentlichen Personennahverkehr?

OCKEL: Wir haben bereits eine gute Infrastruktur, die mit der Neuen Stadtmitte noch besser wird. Tegut kommt dorthin, auch wegen der jungen Familien. Ein Supermarktbetreiber würde sich nicht in der Stadtmitte niederlassen, wenn er das nicht zuvor genau analysiert hätte. Auch beim Personennahverkehr haben wir reagiert, etwa mit der Erweiterung einer Buslinie in das Baugebiet Länger Weg. Dort gibt es inzwischen zwei Haltestellen. Auch das Fachmarktzentrum auf dem Enka-Gelände wird von einer Buslinie angefahren.

Ganz nebenbei: Was geschieht mit der alten Karl-Treutel-Schule und der Mehrzweckhalle Süd? Abriss und neue Wohnbebauung auf dem 1,4 Hektar großen Gelände?

OCKEL: Die Lage ist ideal für den Wohnungsbau. Ich könnte mir eine Mischung aus Reihenhäusern und Geschosswohnungsbau vorstellen. Doch dazu muss ein Bebauungsplan erstellt werden.

Gehören auch die geplante Sanierung und Erweiterung der Feuerwehr zu den Strukturverbesserungen?

OCKEL: Natürlich. Mit jedem Gewerbe- und Wohngebiet steigen die Anforderungen an die Feuerwehr. Daher werden wir die Feuerwehr in den nächsten Jahren erweitern.

Welche Auswirkungen hat der Bevölkerungszuwachs auf andere städtische Aufgaben, etwa Müllabfuhr und Abwasserentsorgung oder allgemein auch auf die Energieversorgung?

OCKEL: Die Auswirkungen sind relativ gering. Die Müllentsorgung organisieren wir über Drittanbieter, und diese Dienstleistung wird billiger, je größer die Menge des Mülls ist. Die Abwässer werden über Düker nach Sindlingen entsorgt, dort machen ein paar Liter mehr aus Kelsterbach nur wenig aus.

Mit dem Anstieg der Einwohnerzahlen wachsen auch die Anforderungen an die Stadtverwaltung. Werden zusätzliche Mitarbeiter erforderlich sein?

OCKEL: Wir haben eher mehr Mitarbeiter in der Verwaltung als Kommunen gleicher Größe. Daher werden keine neuen Mitarbeiter eingestellt. Es könnte aber Verschiebungen geben, etwa eine Verstärkung des Bürgerbüros. Außerdem gibt es seit dem 1. Juli eine kreiseigene Vergabestelle. Davon profitieren wir auch bei europaweiten Ausschreibungen. So zahlt sich interkommunale Zusammenarbeit aus.

Welche weiteren Auswirkungen hat die Bevölkerungszunahme auf Kelsterbach, etwa hinsichtlich Steuereinnahmen, Kaufkraft und Gewerbeansiedlung?

OCKEL: Sehr positive. Gewerbe-, Grund- und Einkommenssteuer werden steigen. Auch auf die Kaufkraft wird sich die Bevölkerungszunahme positiv auswirken. Bei der Gewerbeansiedlung sind Wohnungen ein Riesenthema, wenn Unternehmen ihre Mitarbeiter mitbringen wollen.

Inwieweit können Smart City-Projekte dazu beitragen, dem Bevölkerungszuwachs gerecht zu werden? Gibt es schon konkrete Überlegungen?

OCKEL: Hinsichtlich von Smart City wollen wir alles, was möglich ist, mitnehmen, angefangen beim I-Government, indem wir Dienstleistungen der Stadt online stellen, dies auch gemeinsam mit anderen Kommunen. Dazu gibt es Arbeitsgruppen im Kreis. Wir wollen von E-Tankstellen bis WLAN alles auf den neuesten Stand bringen. Die Stadt wird davon profitieren.

Wo sehen Sie die Grenzen des Bevölkerungswachstums in Kelsterbach?

OCKEL: Grenzen des Wachstums, das sind die Gemarkungsgrenzen, der Main, der Flughafen und der Industriepark Höchst. Natürlich sind innerörtlich noch Verdichtungen möglich, aber die Grenze dürfte bei etwa 17 000 Einwohnern liegen. Aktuell werden 16 757 Einwohner gezählt.

Sehen Sie die Gefahr, dass aufgrund der Bevölkerungsentwicklung in Kelsterbach Eingemeindungsgelüste Frankfurts, die es seit den 1970er Jahren gibt, wieder geweckt werden?

OCKEL: Da habe ich keine Bedenken. Wir haben ein partnerschaftliches Verhältnis, zumal Frankfurt eher neue Flächen sucht. Und die hat Kelsterbach nicht. Aber wir sind auf einem guten Weg, unsere Stadt weiterzuentwickeln und wollen eine aktive Bürgerschaft an unseren Projekten teilhaben lassen.

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