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Fleißige Honigsammler: Mehr Blumen für die Bienen

Von Honigbienen stehen ganz am Anfang der Nahrungskette, damit diese Grundlage nicht wegfällt, muss dem Bienensterben Einhalt geboten werden. Mehr blühende Blumen zu pflanzen sieht nicht nur schön aus, es hilft Bienenvölkern auch beim Überleben.
Imkerin Elisabeth Steiner ist glücklich: Alle ihre sieben Bienenvölker haben den Winter überlebt. Foto: Carmen Erlenbach Imkerin Elisabeth Steiner ist glücklich: Alle ihre sieben Bienenvölker haben den Winter überlebt.
Mörfelden-Walldorf. 

„Pflanzt mehr Blumen, lasst den Garten einfach mal Garten sein.“ Diese Botschaft der Imkerin Elisabeth Steiner ist klar und deutlich und richtet sich an alle, die daran interessiert sind, dass nicht noch mehr Bienen sterben. Steiners sieben Völker haben den strengen Winter dank guter Pflege überlebt. Sie zeigte sich erfreut, als sie ihre Beuten – das sind die Bienenhäuser – auf dem Dach ihrer Garage in diesem Jahr erstmals inspizierte.

Kaum beträgt die Außentemperatur elf Grad wie dieser Tage, schwärmen sie wieder aus, die fleißigen Honigsammler, die am Anfang der Nahrungskette stehen. Im Umkreis von drei Kilometern um ihren Stock suchen sie nach Nahrung. Doch wer sich derzeit draußen umschaut, dem fällt auf, dass die Bienen offenbar noch gar nicht viel zu fressen finden. Kann der Mensch ihnen behilflich sein, helfen vielleicht ein Schälchen mit Zuckerwasser oder ein Löffel voll Honig? „Nein“, lautet Steiners Antwort. Der Mensch könne der Honigbiene nur helfen, indem er für mehr blühende Pflanzen sorge – im Herbst also mehr Blumenzwiebeln von Krokussen, Narzissen, Osterglocken und Tulpen in der Erde versenke sowie blühende Haselsträucher und Saalweiden mit Kätzchen daran nicht abschneide, wie es im Stadtgebiet jährlich geschehe. Diese Blüher seien die ersten und auch wichtigsten Pollenspender für die Bienen im Frühjahr.

60000 Insekten pro Volk

Wichtig deshalb, weil jedes Bienenvolk, das normalerweise etwa 60 000 Insekten beherbergt, sich über den Winter auf nur rund 15 000 dezimiert. Die Bienen pausieren laut Steiner im November und Dezember mit der Produktion des Nachwuchses. Von Januar an legt die Königin dann an wieder Eier. Dann sieht das Bienenvolk zu, dass es seine alte Stärke wieder erreicht. Aus den Eiern kriechen nach drei Tagen Maden, die nach sechs weiteren Tagen in ihren Kammern verschlossen werden. Königinnen schlüpfen nach insgesamt 16 Tagen, Arbeiterinnen nach 21 und Drohnen nach 23 Tagen. Dann muss die neue Generation mit Pollen aus hochwertigem pflanzlichem Eiweiß versorgt werden – was aber nur funktioniert, sofern sich im Umkreis von drei Kilometern genügend Blüten mit Pollen befinden.

„Das Frühjahr ist gar nicht das größte Problem“, so Steiner. Unter Schneeglöckchen, Traubenhyazinthen, Blausternen und anderen ersten Zwiebelpflanzen finden die Bienen laut der Imkerin nicht nur in heimischen Gärten, sondern auch Friedhöfen eine große Auswahl an Pollenlieferanten. Dann folgt die Apfel- und Kirschblüte, in der die Bienen im Überfluss leben. „Aber dann kommt nichts mehr bis zur Brombeerblüte.“ Deshalb hungerten viele Bienenvölker bereits Ende Juni.

Gedächtnisverlust droht

Gewiss folge noch die Blüte auf landwirtschaftlich genutzten Flächen wie von Raps und Sonnenblumen – Monokulturen also, die mit Pestiziden gegen Ungeziefer, Herbiziden gegen Unkräuter sowie Fungiziden gegen Pilze chemisch belastet seien. Diese Pflanzen seien für hohe Ölerträge gezüchtet, böten Bienen aber fast keinen Nektar. Naschen sie trotzdem, verlieren die Bienen ihr Langzeitgedächtnis, ihre Orientierung, ihren Geruchssinn und auch Kommunikationsfähigkeit, die in Form des Bienentanzes unerlässlich ist. Die Insekten können sich keine Futterquellen mehr merken, finden nicht mehr zu ihrem Volk zurück und gehen qualvoll zugrunde. Passiert das vielen Bienen eines Volkes, so können die Königin und die Brut nicht mehr versorgt werden.

Das passierte in der Region Sichuan in China. Weil es dort gar keine Bienen mehr gibt, werden frische Pollen zum Verkauf angeboten, und Menschen müssen jede Blüte mühselig selbst von Hand bestäuben. „Das kann uns hier in Deutschland auch drohen“, so Steiner. Die Bienen stünden am Anfang der Nahrungskette, gäbe es keine Bienen mehr, fehle die Grundlage für alle Nahrungsmittel.

Also appelliert Steiner, mehr Blumen zu pflanzen – auch Clematis. „Aber ungefüllte Blumen“, weil bei den gefüllten die Pollen tragenden Staubgefäße lediglich aus Blütenblättern bestünden. Gute Pollenträger seien unter anderem Kapuzinerkresse, Ringelblumen, Stock- oder Bauernrosen, alle Mittelmeerkräuter, Fetthenne, Rosmarin, Thymian, Lavendel und Boretsch.

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