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Gesundheit: Nach Herzstillstand: Wie eine Sportlerin mit ihrem Herzschrittmacher lebt

Von Eine Handbreit unter der rechten Schulter sitzt er und wartet auf seinen Einsatz. Die Sprendlingerin Heike Bender (54) hat ihn sich manches Mal schon weggewünscht. Dabei weiß sie, dass eine Trennung fatale Folgen haben könnte - und sie dem kleinen Helfer eine wichtige Neubesinnung verdankt. Die Geschichte einer intensiven Beziehung zwischen Mensch und Herzschrittmacher - am Montag vor 60 Jahren erfolgte die erste Implantation.
Fingerspitzengefühl und Maßarbeit sind Pflicht: Professor Ralf Lehmann beim Einsatz im Herzkatheterlabor. Fingerspitzengefühl und Maßarbeit sind Pflicht: Professor Ralf Lehmann beim Einsatz im Herzkatheterlabor.
Dreieich. 

Das Drama begann in der Küche: Die Sprendlingerin Heike Bender kochte gerade mit ihrem Patenkind in der Küche, als ihr erst schwindelig wurde und sie dann kurz das Bewusstsein verlor. „Ich machte mir keine großen Gedanken, weil ich auch früher schon mal umgekippt war“, erinnert sich die Vermessungsingenieurin an jenen Märzsamstag im vergangenen Jahr. „Ich legte im Wohnzimmer die Füße hoch, um mich zu erholen“. Bis sie den Fernseher anmachen wollte, um Biathlon zu schauen: „Ich konnte plötzlich nicht mehr aufstehen.“ Glück Nummer 1: Ihr Bruder war dabei „und bestand darauf, den Notarzt zu rufen“, erzählt sie. Glück Nummer 2: Die Sanitäter nehmen Heike Bender mit ins Krankenhaus, obwohl sie beim Eintreffen oberflächlich einen guten Eindruck macht.

Vertraut seit eineinhalb Jahren ihrem Herzschrittmacher: Heike Bender Bild-Zoom
Vertraut seit eineinhalb Jahren ihrem Herzschrittmacher: Heike Bender

Schmerzen nach der OP

Eine möglicherweise lebensrettende Entscheidung, denn im Rettungswagen erleidet die Frau einen Herzstillstand. In einer Notfalloperation wird ihr erst ein provisorischer Herzschrittmacher eingesetzt, am Montag folgt dann die Implantation eines permantenten „Extrapumpe“. „Ich war vorher noch nie in meinem Leben operiert worden und wollte das eigentlich nicht“, sagt Heike Bender. Doch ein befreunder Arzt, den sie am Telefon befragtee, warnte sie: „Lass Dich operieren, Heike – sonst lebst Du morgen nicht mehr!“ Den Grund für den Herzstillstand glaubt die passionierte Sportlerin heute zu kennen. Eine Woche zuvor war sie im Skilanglauf-Trainingslager im Engadin. „In der teuren Schweiz habe ich dummerweise am Mineralwasser gespart“. So fehlten ihr wichtige Elektrolyte. Folge: „Mein AV-Knoten (Taktgeber, der den Herzkammern das Signal gibt, sich zeitgleich zusammenzuziehen, Anm. d. Red.) setzte aus und führte Tage später zum dem Unglück.“

Die ersten Erfahrungen mit dem Schrittmacher waren wenig angenehm: „Ich hatte starke Schmerzen, konnte nicht aufstehen“, erinnert sie sich. Erst nach sechs Tagen wurde sie entlassen – normal sind zwei bis drei Tage. Grund dafür sei vermutlich eine Implantatunverträglichkeit. „Doch die muss schon sehr schlimm sein, ehe das Gerät ausgetauscht wird,“ sagt sie. Außerdem gebe es wohl keine Alternativmaterialen. So bekämpft sie die anhaltenden Schmerzen mit Antihistaminika und gelegentlichen Schmerzspritzen. Jetzt, nach eineinhalb Jahren seit der OP, ginge es ihr von Woche zu Woche besser. Einen wichtigen Anteil daran habe auch ihre Herzsportgruppe der SKG Sprendlingen, die sich einmal wöchentlich für 90 Minuten trifft. Unterschiedliche Gehübungen, koordinatives und kräftigendes Training hilft den Herzschrittmacher-Trägern, fit zu bleiben. Oder es zu werden: „Ich bin da die Jüngste – und war trotzdem lange Zeit die unfitteste von allen,“ schmunzelt Heike Bender.

Alte Fitness kommt zurück

Eine ungewohnte Erfahrung für die Frau, die als Leistungssporttrainerin in Offenbach jahrelang jugendliche Ruderer sogar für Weltmeisterschaften vorbereitete. Kam sie beim Belastungs-EKG auf dem Fahrradergometer noch auf starke 200, fiel sie hinterher auf 75 Watt zurück. „Mittlerweile bin ich wieder bei 150“, fügt sie hinzu und stellt zufrieden fest „Es geht voran!“ Grundsätzlich kann sie dem Schicksalschlag viel Positives abgewinnen: „Er hat mich gelehrt, mich mehr um mich selber zu kümmern.“ So hat sie die zeitintensive Förderung der Leistungsruderer ausgesetzt und trainiert nun stattdessen an Schulen.

Mit dem kleinen Helfer eine Handbreit unter ihrer rechten Schulter hat Heike Bender längst Frieden gemacht. Sie meidet die Fehlfunktionen verursachenden Elektrogeräte, indem sie als gelernte Köchin alle Zutaten per Hand schnippelt, hat das Klettern für sich entdeckt und frönt mit speziell gepolsterten Rucksackgurten ihrer Wanderleidenschaft. Sorgen macht ihr nur eines: Die nächste Operation. „Denn nach ein paar Jahren muss das Gerät zwecks Batteriewechsel entnommen werden muss – davor graut es mir.“

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