E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Neu-Isenburg 29°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Niemand verlässt gerne die Heimat

Von Millionen Menschen sind auf der Flucht um in einem anderen Land mehr Sicherheit zu finden. Eine Informationsveranstaltung versuchte herauszufinden, wie ihnen besser geholfen werden kann.
Andreas Bilder > Andreas
Neu-Isenburg. 

Wegen der aktuellen Zuweisung von Flüchtlingen an die einzelnen Kommunen ist das Thema „Menschen auf der Flucht“ mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Dazu hatte die Stabsstelle Integration und Vielfalt der Stadt Neu-Isenburg zu einer Informationsveranstaltung in das Foyer der Hugenottenhalle eingeladen, um nicht nur Zahlen und Fakten vorzulegen, sondern auch um die Gründe des weltweiten Phänomens „Flucht“ mit Fachleuten zu erörtern. Andreas Lipsch, Vorsitzender von Pro Asyl, und Mussie Habte, Politikwissenschaftler mit eritreischer Herkunft, informierten über das in der deutschen Bevölkerung oft recht kontrovers diskutierte Thema.

„Niemand verlässt gerne seine Heimat, dazu muss es schon schwerwiegende Gründe geben“, sagte Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) in seiner Begrüßung. Er verwies auf die schrecklichen Erlebnisse der Flüchtenden während ihres langen Weges in ein Land, das Geborgenheit verspricht – und genau diese sollten die nach Neu-Isenburg kommenden Flüchtlinge auch vorfinden.

In seiner Einführung stellte Andreas Lipsch die weltweite Fluchtbewegung vor: „Weltweit befinden sich rund 45 Millionen Menschen auf der Flucht – sei es vor Kriegen, Verfolgung, Unterdrückung oder auch Hungersnot oder nach Umweltkatastrophen.“ Den größten Anteil daran stellen jedoch die rund 33 Millionen „Binnenflüchtlinge“, also jene, die in einem anderen Teil ihres Heimatlandes Zuflucht suchen. Von den anderen Flüchtlingen suchen weitere 80 Prozent zunächst in einem Nachbarland einen sichereren Aufenthalt – denn sie wollen wieder zurück.

Dennoch steigt seit einem Jahr wieder die Zahl jener Menschen, die in Europa, vor allem auch in Deutschland, Zuflucht suchen. Während die schrecklichen Ereignisse in Syrien wegen der nahezu täglichen Aktualität präsent sind, ist die Aufmerksamkeit für andere Regionen in den Hintergrund geraten. Dies betrifft auch Eritrea und Somalia, also jene Länder, in denen undemokratische Verhältnisse, Repression oder gar Anarchie herrschen und aus denen in jüngster Zeit die meisten der in Neu-Isenburg angekommenen Asylbewerber stammen. Andreas Lipsch ging mit der Asylpolitik der Europäischen Union aber auch jener Deutschlands hart ins Gericht. „Manche junge Menschen werden mehrfach hin- und hergeschickt, ohne dass sie die Chance auf eine Bildung nutzen können“, so Lipsch. Die Unterbringung in großen Sammelunterkünften sah er zudem als „gezielt schlechtes Aufnehmen“ in einem Land, um Flüchtlinge gar nicht erst zum Bleiben zu veranlassen.

Politikwissenschaftler Mussie Habte schilderte seinen persönlichen Fluchtweg, der weniger spektakulär war, da er bereits einen Onkel in Deutschland hatte. Als Gründe für die Flucht vor allem von jungen Menschen nannte Habte die Perspektivlosigkeit, aber auch den Wunsch, in Zukunft in einem „Schlaraffenland“ wie Europa oder den USA zu leben – so wie es in den Medien dargestellt werde.

„Wir brauchen einen Geist, der die Realitäten akzeptiert, denn es wird in Zukunft noch mehr Flüchtlinge geben“, forderte Pro Asyl-Vorsitzender Lipsch. Wie Menschen nach einer langen und beschwerlichen Flucht aufgenommen werden könnten, dies zeigte Michael Kaul von der Flüchtlingshilfe Neu-Isenburg. „Davon können wir noch was lernen“, sagte Gerd Wendland von der Flüchtlingshilfe Dietzenbach, der eigens zu dieser Informationsveranstaltung gekommen war.

Zur Startseite Mehr aus Kreise Offenbach/Groß Gerau

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen