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Interview: Professor Ralf Lehmann über Prävention und Behandlung von Schlaganfällen

Es sind nur wenige Sekunden, die ein Leben verändern können: In Deutschland erleiden jedes Jahr rund 270 000 Menschen einen Schlaganfall. Der Kardiologe Professor Ralf Lehmann (45) von der Asklepios-Klinik in Langen hält am Montag einen Vortrag über die Krankheit – und verrät im Interview mit unserem Reporter Michael Forst, wie sie erkannt, behandelt und das Risiko minimiert werden kann.
Professor Ralf Lehmann im Herzkatheter-Labor der Asklepios Klinik. Professor Ralf Lehmann im Herzkatheter-Labor der Asklepios Klinik.
Langen. 

Herr Professor Lehmann, das Wort „Schlaganfall“ ist zwar in aller Munde. Aber was versteht man genau darunter?

RALF LEHMANN: Schlaganfall beschreibt die plötzliche Minderdurchblutung des Gehirns. Wobei Durchblutungsstören etwa 90 Prozent der Schlaganfälle ausmachen, 10 Prozent sind bedingt durch Blutungen im Gehirn. Beides führt zu Hirnschädigungen mit Ausfallsymptomen beim Patienten, je nachdem, wo der Schlaganfall genau stattgefunden hat.

Wer ist besonders gefährdet?

LEHMANN: Die klassischen Risikofaktoren sind, ähnlich wie beim Herzinfarkt, Bluthochdruck, Zuckererkrankung, Cholesterinerhöhung, aber auch eine familiäre Belastung. Wenn man etwa Verwandte ersten Grades hat, denen früh vor dem 60. Lebensjahr derartiges passiert ist, ist man allein aufgrund der genetischen Ausstattung gefährdet.

Woran lässt sich ein Schlaganfall erkennen?

LEHMANN: Bei den großen Schlaganfällen erleidet der Betroffene Sprachstörungen oder auch Lähmungen, die in der Regel einseitig sind. Es gibt aber auch leichtere Fälle, die unspezifische Symptome haben wie leichte Störungen der Sprache, des Gangs, der Sensibilität oder Schwindelgefühle sein.

Lässt sich statistisch sagen, welche Folgen ein Schlaganfall für die Opfer hat?

LEHMANN: Ein Drittel der Fälle endet tödlich, ein Drittel der Patienten hat bleibende Schäden und ein Drittel kann sich komplett erholen.

Was muss ich tun, wenn ich den Verdacht auf Schlaganfall habe?

LEHMANN: Zunächst sollte einem bewusst sein, dass, wie beim Herzinfarkt, gilt: Die Zeit ist eine kritische Komponente des Behandlungserfolges. Das bedeutet: Hat man entsprechende Symptome, die länger als zehn Minuten dauern, sollte man umgehend den Rettungsdienst alarmieren. Also nicht erst zum Hausarzt gehen, sondern sofort in die Klinik einweisen lassen! In aller Regel kommt ja mit dem Rettungsdienst ein Notarzt mit, der den Fall schon einordnen kann.

Wie lässt sich das Risiko eines Schlaganfalls minimieren?

LEHMANN: Die Kontrolle der beeinflussbaren Risikofaktoren ist von entscheidender Bedeutung. Unser Alter und die familiäre Belastung gehören natürlich nicht dazu. Aber durch eine gesunde Lebensweise, sportliche Aktivität, gesunde Ernährung lässt sich das Risiko für Bluthochdruck, Fettwechselstörung und Blutzuckererkrankung deutlich senken. Wenn man einmal eine solche Erkrankung diagnostiziert bekommen hat, dann ist es wichtig, diese auch konsequent zu behandeln und die verordneten Medikamente konsequent einzunehmen. Es gibt aber auch Erkrankungen, bestimmte Herzrhythmusstörungen wie das Vorflimmern, die ab einem gewissen Alter das Schlaganfall-Risiko erheblich erhöhen. Diese Rhythmusstörungen zu diagnostizieren und zu behandeln, beugt dann dem Schlaganfall vor.

Gibt es eine Art „Risiko-Check“ für Schlaganfälle?

LEHMANN: Nicht im klassischen Sinn und isoliert. Aber der Arzt kann, abhängig vom Patienten-Alter, der familiären Belastung, aber auch vom Blutdruck, von den Blutzucker- und Cholesterinwerten insgesamt das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen wie Schlaganfälle, aber auch Herzinfarkte abschätzen. Und je nachdem, wie hoch es ist, wäre dann auch zu entscheiden, ob bestimmte Medikamente vorbeugend einzunehmen sind. Deshalb kann jeder Internist, Kardiologe oder Neurologe eine solche Untersuchung durchführen. Dazu können Blutdruckmessung, EKG, Blutwertebestimmung gehören, aber auch die Ultraschalluntersuchung des Herzens oder der Halsschlagadern.

Patientenforum in der Stadthalle

In der Veranstaltungsreihe „Patientenakademie 2018“ bietet die Asklepios Klinik Langen am Montag, 14. Mai, im Studiosaal der Neuen Stadthalle in der Südlichen Ringstraße 77 von 19 Uhr an ein Patientenforum

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