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"Pro Prävention": Projekt gegen religiös begründeten Extremismus ist ein Erfolg

Von Seit zwei Jahren läuft im Kreis Offenbach das von der EU geförderte Projekt „Pro Prävention – gegen (religiös begründeten) Extremismus“. Die Verantwortlichen ziehen eine positive Zwischenbilanz und wollen ihre Arbeit fortsetzen.
Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger (von links), Projektleiter Janusz Biene und Selber Erol, Leiterin des Integrationsbüros, ziehen eine positive Bilanz nach zwei Jahren „Pro Prävention – gegen Extremismus“. Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger (von links), Projektleiter Janusz Biene und Selber Erol, Leiterin des Integrationsbüros, ziehen eine positive Bilanz nach zwei Jahren „Pro Prävention – gegen Extremismus“.
Kreis Offenbach. 

Die Nachrichten sind fatal, wenn mal wieder ein junger Mensch aus Deutschland in den „Heiligen Krieg“ zieht. Das ist natürlich eine denkbar grausame Schlagzeile. Aber auch Teenager, die den Koran verteilenden Salafisten in die Hände fallen, sind ein Alptraum für Eltern, Lehrer und Polizei. Schon vor zwei Jahren hat der Kreis Offenbach ein bundesweit beachtetes Präventionsprojekt „Pro Prävention – gegen (religiös begründeten) Extremismus“ gestartet. Projektleiter Janusz Biene, Erol Selver, Leiterin des Integrationsbüros, und Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger (CDU) ziehen nach den ersten Projekten eine positive Bilanz.

Mit mehr als 40 Informationsveranstaltungen wurden in den kommunalen Verwaltungen, in Schulen und Jugendzentren sowie in Migrantenorganisationen demnach rund 630 Jugendliche und knapp 1000 Erwachsene erreicht. In Zusammenarbeit mit der Polizei, dem Landesamt für Verfassungsschutz und dem Staatlichen Schulamt gab es Infoveranstaltungen, Vorträge, Fortbildungen, Diskussionsrunden, Fachgespräche und Beratungsangebote. Die wissenschaftliche Begleitung hat Susanne Schröter vom Institut für Ethnologie Forschungszentrum „Globaler Islam“ von der Universität Frankfurt übernommen.

„Religiös begründeter Extremismus ist ein heikles Thema. Wenn in Deutschland oder auch woanders auf der Welt wieder etwas passiert, wird das Thema sehr heiß gekocht. Wir wissen, dass wir mit unserem Projekt auch nicht die Welt retten können. Aber wenn wir einzelne Jugendliche mit Hilfe von Prävention davon abhalten können, in den Extremismus abzugleiten, dann ist das ein Erfolg“, sagt Claudia Jäger.

Den Blick geschult

Das wichtigste Handlungsfeld der Prävention seien die Schulen, betont Janusz Biene. Rund 40 Schulen hat er besucht und bei mehr als 250 Lehrern den Blick auf möglichen Extremismus geschult. „Es gibt im Kreis Offenbach durchaus Akteure, die versuchen, junge Leute zu mobilisieren. Aber wir können Jugendliche durch Prävention stärken und damit viel erreichen“, ist der Fachmann überzeugt. Er bekommt in seiner Rolle als Projektleiter bereits Verdachtsfälle von Radikalisierung gemeldet. Aber oftmals seien es „normale“ Konflikte der Pubertät, Konflikte im Elternhaus. Manche Jugendliche probieren sich aus, wüssten genau, dass ihnen eine Welle des Entsetzens entgegenschlage, wenn sie einen Dschihad-Spruch „raushauen“. Aber natürlich gebe es auch Fälle, die berechtigten Anlass zur Sorge geben: „Das ist aber das Handlungsfeld für die Profis, und wir holen sofort Polizei, Verfassungsschutz und die Violence Prevention Networks ins Boot, eine Beratungsstelle für den Ausstieg aus dem Extremismus“, erklärt Biene.

An die Lebenswelt der Jugendlichen anknüpfen

Janusz Biene, Projektleiter von „Pro Prävention – gegen (religiös begründeten) Extremismus“ erklärt, wie er versucht Jugendliche gegen Extremismus zu bestärken: „Wir müssen an die Lebenswelt der Jugendlichen anknüpfen.

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Sehr gute Erfahrungen haben Selver Erol und Janusz Biene mit dem interreligiösen Projekt „Glaube. Gemeinsam. Gestalten“ gemacht. 17 junge Leute – katholischen, evangelischen, jüdischen und islamischen Glaubens – sind miteinander ins Gespräch gegangen. In einer vertrauensvollen Atmosphäre gab es keine theologischen Diskussionen, sondern es ging um die Fragen: Was ist Gerechtigkeit? Wie gehen wir mit Radikalisierung um? Und wie ist die Rolle von Frau und Mann in der Religion am Beispiel des jüdischen Glaubens?

Vermeintlich heilbringend

Die Jugendlichen sprechen über Identität und Heimat, auch die Propaganda-Methoden der Extremisten werden in solchen Workshops beleuchtet. „Wir dekonstruieren die vermeintlich heilbringenden Erzählungen der Extremisten. Dadurch können Jugendliche erkennen, dass die einfachen Antworten keine Lösungen bringen“, so der Projekt-Koordinator.

Jugendliche besäßen durchaus schon eine Widerstandsfähigkeit, die mit dieser Projektarbeit gestärkt werde. Der Extremismus sei häufig die Flucht in ein geschlossenes „Wir-Gefühl“. „Aber Jugendliche wünschen sich Demokratie, Gerechtigkeit und keine Gewalt“, ist Janusz Biene überzeugt, dass der Blick auf eine offene, vielfältige und bunte Gesellschaft gelenkt werden müsse.

Das Projekt, das mit 350 000 Euro für drei Jahre aus dem inneren Sicherheitsfonds der EU gefördert wird, läuft noch bis April 2019. „Die Nachfrage ist aber so hoch, die Arbeit extrem wichtig, so dass wir dieses Präventionsprojekt unbedingt im Kreis Offenbach halten wollen“, betont Claudia Jäger.

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