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Magische Momente: Romie: Dieses Folk-Duo verzaubert immer mehr Menschen

Von Eine junge Frau aus Dreieich trifft im ersten Semester in Frankfurt ihre musikalische Seelengefährtin: Das ist die Geburtsstunde eines Folk-Duos, das mit eigenen Liedern, klassisch ausgebildeten Stimmen und Harmoniegesang immer mehr Fans gewinnt – und sich an einem abgelegenen Ort bald einen ganz besonderen Traum erfüllen will.
Harmonieren blind miteinander: Paula Stenger (links) und Jule Heidmann. Harmonieren blind miteinander: Paula Stenger (links) und Jule Heidmann.
Dreieich. 

Manchmal ist das Leben wie ein gutes Lied. Dann harmoniert plötzlich alles, die Worte reimen sich und die Töne fließen zusammen, als hätten sie schon immer zusammengehört. Momente, in denen der Bauch längst spürt, was der Kopf noch verarbeiten muss: Ja, das passt! So muss es gewesen sein, als die Freundschaft von Jule Heidmann (26) und Paula Stenger (25) vor fünf Jahren begann – und die Geschichte ihrer gemeinsamen Band Romie.

Termine und Kontakt

Ob als Vorgruppe, bei einem Festivalauftritt oder alleine im Konzert: Wer das Folk-Duo Romie in nächster Zeit live erleben möchte, hat dazu die folgenden Gelegenheiten.   16.

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Am ersten Abend treffen sich die Erstsemestler – eine Tradition der Hochschule – zum Apfelweintrinken. „Wir liefen nebeneinander her und sprachen über unsere Musikgeschmäcker“, erinnert sich die Dreieicherin Jule an die erste Begegnung mit ihrer aus der Nähe von Aschaffenburg stammenden Kommilitonin. „Das war krass, weil Paula alles kannte, was ich auch kannte.“ Bands, die dem musikalischen Massengeschmack meist fremd bleiben, wie das US-amerikanische Country-Folk-Duo „Civil War“ oder der irische Sänger Damien Rice. Auch, dass sie selber Musik machen, verraten sie sich an diesem Abend.

Offenbarung im Übungsraum

Beim ersten gemeinsamen Musizieren am Klavier im Übungsraum C 403 der Uni bestätigt sich das Gefühl, auf eine musikalische Seelengefährtin gestoßen zu sein. Jule singt Leonard Cohens Ballade „Hallelujah“. „Dann hast Du die zweite Stimme dazu gesungen“, sagt Jule mit Blick auf Paula. „Und das war . . .“ Ein Fingerschnippen beendet ihren Satz. Beide waren da bereits geübt im Harmoniegesang, „aber wie unsere Stimmen eingerastet sind, war unglaublich“. Paula ergänzt etwas nüchterner: „Unsere beiden Stimmen sind sehr unterschiedlich, die eine hat, was die andere nicht hat.“

Die Offenbarung im Übungsraum bewirkte zweierlei, erzählt Jule: „Wir wussten, dass wir von nun an gemeinsam Musik machen werden.“ Und Jule verriet Paula, was bis dahin keine Menschenseele wusste: Sie schrieb seit Jahren eigene Lieder – im stillen Kämmerlein, „eher so, wie man Tagebuch schreibt“. Bei Paula war es ähnlich, wie sich herausstellte. Nur ihre Mama wusste davon. „Ein paar Freunden hatte ich schon mal meine Sachen vorgespielt, ohne zu sagen, dass sie von mir sind. Aber niemand hat zugehört.“

Das sollte sich nun, mit dem „Romie“ getauften Folk-Duo rasch ändern: Die Publikumsreaktionen beim ersten Auftritt am 18. August 2013 auf dem Hoffest auf der Rosenau in Dreieich-Sprendlingen machten Mut. „Wenn Menschen uns sagen, dass sie unsere Musik berührt“, beschreibt es Paula, „ist das das Allerschönste für uns.“ Eine Deutschlandtournee mit dem aus Mannheim stammenden Liedermacher Jonathan Kluth brachte den beiden Abend für Abend Auftritte in Clubs – und wertvollen Bühnenschliff. Als „bislang abgefahrenste Erfahrungen“ bezeichnen sie die Konzerte der Reihe „Romie Goes Orchestra“, ein gemeinsames Projekt mit ihrer Musikhochschule. Die eigenen filigranen Kompositionen mit der geballten Kraft eines Orchesters zu kombinieren, war ein Erlebnis der besonderen Art.

Übrigens auch für das Publikum: Gerade, wer das Eröffnungskonzert vor drei Jahren im Frankfurter Palmengarten erlebte, schwärmt noch heute davon. Wie die jungen Musikerinnen, wenn sie sich erinnern: „Da passierte etwas Magisches; Musiker und Publikum verschmolzen zu einem großen Ganzen.“

Klassisch geschult

Für den Rückhalt durch ihre Uni sind Jule und Paula dankbar: „Das ist für uns ein Glücksfall: Wir können uns dort Ausrüstung ausleihen, bekommen Band-Unterricht und haben sogar zwei Studios zur Verfügung.“ Auch ihren ersten Tonträger, ein Mini-Album mit vier eigenen Liedern, haben sie der Initiative ihres Professors für Bandcoaching und Ensembleleitung, Fabian Sennholz, zu verdanken. „Er war auch der Initiator des Orchester-Projektes und ist so etwas wie unser Entdecker, hat uns von Anfang an gefördert“, sagt Paula, die froh ist über ihre klassische Gesangsausbildung und ihren spannenden Nebenjob: Mit Jule ist sie Teil des Extra-Chores der Oper Frankfurt, der für Massenszenen rekrutiert wird.

„Im Pop kannst du eigentlich singen, wie du willst, da gelten keine Regeln“, erklärt Paula. „Du kannst sogar deine Stimme durch die falsche Technik ruinieren.“ Ganz anders im klassischen Gesang, der einen bewussten, disziplinierten Umgang mit der Stimme als Instrument verlangt. „Das hört man in unseren Liedern“, sagt Paula. „Etwa daran, wie wir mit der Dynamik spielen, sich leise mit lauten Passagen abwechseln.“

Den Werdegang der Band in den vergangenen fünf Jahren beschreibt Jule als „fast wie ein Flow“, in dem unerwartete Erlebnisse und neue Bekanntschaften zum jeweils nächsten musikalischen Projekt geführt haben. Das gilt auch für den großen Traum, der sich nun für die Freundinnen erfüllen soll: In Irland wollen sie ihre erste richtige Platte aufnehmen.

Wie sie das eingefädelt haben? Über das Gastfreundschaftsnetzwerk Couchsurfing lernte Jule 2015 die vier Mitglieder einer irischen Band kennen, die bei ihr übernachteten und mit ihr und Paula bis 4 Uhr morgens Musik machten. „Sie schwärmten von einem Festival in ihrer Heimat Donegal, wo sie auftreten“, erinnert sich Paula. Halb im Scherz luden die Iren sie dann ein, dort ebenfalls zu spielen.

Lockruf der Grünen Insel

Ganz im Ernst ging Romie für eine Woche auf Tournee durch Irland und trat auf dem besagten Festival im Nordwesten der Insel auf. Einem Mitorganisator gehört ein Studio, in dem das Duo in den Semesterferien im September nun sein erstes Album in voller Länge aufnehmen wird. Unterstützt von irischen Musikern an abgelegenem Fleck in der Bergkulisse Donegals. „Mit tollen Menschen und krassen Musikern, die sich Zeit nehmen an einem Ort, wo Magie passiert“, wie es Paula beschreibt. Die Kosten dafür haben Jule und Paula erst mal vorgestreckt und hoffen, sie später über Crowdfunding wieder einzunehmen. Volles Risiko für den großen Traum.

Wo sehen sie sich in einem Jahr, wenn sie ihr Lehramtsstudium beendet haben? „Wir wissen noch gar nicht, wie sich das anfühlen wird: Nur noch Romie machen und Klinken putzen bei Plattenfirmen“, sagt Jule. „Aber“, fragt Paula und lächelt in Richtung ihrer Mitstreiterin, „wer macht nicht gerne das, wofür er lebt?“

Jule und Paula singen. Ihre Augen sind geschlossen. Ihre Stimmen tanzen miteinander, lassen sich los, um sich ein paar Takte später wieder zu finden. Es ist so ein Romie-Moment, in dem alles passt.

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