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Bedrohte Pflanze: Sand-Zwerggras soll wieder auf einen grünen Zweig kommen

Das Sand-Zwerggras ist eine kleine, sensible Pflanze, die während der Keimungsphase vor allem auf Kälte empfindlich reagiert. Ihre Populationen haben durch eine veränderte Bewirtschaftung der Äcker und Felder große Verluste erlitten.
Blühende Pflanze des Sand-Zwerggrases, dessen lateinischer Namen Mibora minima ist. Blühende Pflanze des Sand-Zwerggrases, dessen lateinischer Namen Mibora minima ist.
Kreis Offenbach/Egelsbach. 

Früher war das Sand-Zwerggras im Kreis Offenbach weit verbreitet, doch es ist seit rund 60 Jahren komplett verschwunden. Bis vor kurzem wuchs es nur noch in einer Gärtnerei in Dreieich-Buchschlag. Die Untere Naturschutzbehörde des Kreises startet jetzt in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Egelsbach einen Versuch, das Sand-Zwerggras wieder heimisch zu machen.

„Wir haben in Egelsbach im erweiterten Biotop Pohle-Bäcker-Loch ein Areal mit locker-sandigem und nährstoffarmen Boden gefunden. Das sind ideale Voraussetzungen, damit das Sand-Zwerggras im Kreis Offenbach wieder wachsen kann“, sagte Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger im Beisein von Bürgermeister Tobias Wilbrand beim Aussäen der seltenen Pflanze. Der Kreis Offenbach übernimmt damit eine besondere Verantwortung für das Sand-Zwerggras, lateinisch Mibora minima, das bis in die 1960er Jahre auf sandigen Feldern und Äckern noch weit verbreitet war, beispielsweise bei Heusenstamm und Obertshausen und im Sandmagerrasen bei Rödermark-Urberach.

Mibora minima findet sich heute auf der Roten Liste gefährdeter Pflanzen in Deutschland. Die Wiederansiedlung im Kreis ist im Rahmen der Hessischen Biodiversitätsstrategie, die für den Erhalt und die Verbesserung der Lebensgrundlagen durch Bewahrung einer intakten, vielfältigen Natur sorgen soll, geregelt. In Hessen starben seit Ende des 18. Jahrhunderts rund 140 Pflanzenarten aus.

Auf der zwischen Wolfsgartenstraße und Im Kammereck gelegenen rund 2000 Quadratmeter großen Sandfläche neben dem geschützten Landschaftsteil Pohle-Bäcker-Loch hat die Gemeinde Egelsbach als Ausgleich für die Bebauung in der Leimenkaute ein Biotop angelegt, um der europarechtlich geschützten Knoblauchkröte auf dem sandigen Boden ein Landhabitat zu bieten. „Dankenswerterweise hat die Gemeinde Egelsbach einer Ansaat des Zwerggrases auf dieser Fläche zugestimmt“, sagte Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger. Das Areal wird jährlich im Herbst bearbeitet, das heißt von der Gemeinde gegrubbert. Das kommt sowohl den Amphibien als auch dem Sand-Zwerggras zugute. Da das winzige einjährige Gras, dessen dünne aufrechte Halme nur zwischen zwei bis höchstens zehn Zentimeter hoch sind, seinen Vegetationszyklus schon im April abgeschlossen hat, stört es die Knoblauchkröte nicht.

Ziel der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Offenbach ist es, Flora und Fauna zu erhalten und zu bewahren. Je größer die biologische Vielfalt ist, umso eher kann sich die Natur an Änderungen etwa beim Klima anpassen und im ökologischen System weiterhin auch für den Menschen essenzielle Leistungen vollbringen. Dass jetzt im Kreis Offenbach wieder das Sand-Zwerggras Wurzeln schlagen soll, hängt mit der Hessischen Biodiversitätsstrategie und der „Hessenliste der Arten und Lebensräume“, zusammen. Außerdem geht die Wiederansiedlung der Pflanze auf eine Initiative des Botanischen Gartens Frankfurt zurück.

Dieser startete 2014 ein Projekt, um den Gefährdungsgrad von 15 seltenen Pflanzenarten zu reduzieren. Der Botanische Garten leistete damit einen wertvollen Beitrag zum Artenschutz, zu dem sich die Bundesrepublik Deutschland durch die Unterzeichnung eines entsprechenden Übereinkommens zur biologischen Vielfalt verpflichtet hat. Im Botanischen Garten vermehrte sich unter anderem das Sand-Zwerggras unter optimalen Bedingungen, so dass die Pflanze jetzt für den hessenweiten Freiluft-Versuch geeignet ist und auch im Kreis Offenbach auf einen grünen Zweig kommen soll.

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