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Burgfest: So lebt es sich im Mittelalter

Von Freunde des Mittelalters kamen beim Burgfest in Dreieichenhain voll auf ihre Kosten. Tagsüber strömten die Besucher durch die Altstadt. Doch auch ein abendlicher Blick hinter die Kulissen lohnte sich.
Katja Wüst (links) gehört zur Hayner Gefolgschaft. Gemeinsam mit Freunden und Kindern lebt sie das Burgfest als großes Abenteuer. Bilder > Katja Wüst (links) gehört zur Hayner Gefolgschaft. Gemeinsam mit Freunden und Kindern lebt sie das Burgfest als großes Abenteuer.
Dreieich. 

Tausende Besucher flanierten am Wochenende durch die malerische Altstadt von Dreieichenhain. Vorbei an Gauklern, Rittern, Mittelalter-Händlern – und sogar Gevatter Tod ließ seine Ketten rasseln. Immer mehr Mittelalterfans kommen zum großen Burgfest gewandet in den Hayn. Sie erfreuen sich an den tollen Shows, der alten Handwerkskunst, der mittelalterlichen Musik und dem köstlichen Essen.

Aber was passiert eigentlich, wenn es dunkel wird rund um die Burg? Wenn der Scherenschleifer und der Fellhändler die Pforten ihrer Zelte schließen? Dann wird es ein bisschen ruhiger in der Altstadt. Nur von den Tavernen auf dem Festplatz klingt noch weinseliges Gelächter. Das flackernde Kerzenlicht im Vorgarten des „Faselstalls“ ist aber auch weithin zu erkennen. Hier sitzen die Mitglieder der Hayner Gefolgschaft rund um eine große Tafel. Das Lagerfeuer prasselt warm, auf einem runden Grillrost brutzeln die Würstchen für einen kleinen Mitternachtssnack.

Bilderstrecke 10.000 Mittelalterfans feiern Burgfest in Dreieichenhain
Mittelalter in Dreieichenhain: 10.000 Besucher feierten am Wochenende Burgenfest.Mittelalter in Dreieichenhain: 10.000 Besucher feierten am Wochenende Burgenfest.Mittelalter in Dreieichenhain: 10.000 Besucher feierten am Wochenende Burgenfest.

„Das Lagern ist für mich das allergrößte auf dem Fest. Es ist so heimelig hier inmitten der Zelte zusammen zu sitzen, den Tag Revue passieren zu lassen und einfach noch mal zu quatschen“, sagt Olaf Wüst, Vorsitzender des Dreieicher Mittelaltervereins. Dieses Jahr ist das Lager einmalig groß, weil der neue Eigentümer des „Faselstalls“ selbst noch kein Programm zum Burgfest anbietet und so mehr Fläche für die Zelte bleibt.

Heimelig eingerichtet

Sieben Schlafstätten sind rund um das große Gemeinschaftszelt drapiert. Andreas Rohde öffnet sein großes Refugium für einen kleinen Blick ins Innere: Warme Felle bedecken den Boden, selbst gebaute Holzbetten bieten ihm, seiner Frau und Sohn Daniel ein bequemes Lager für die Nacht. Das sechs mal vier Meter große Zelt ist mit heimeligen Laternen ausgeleuchtet. „Wir hatten nicht von Anfang an solch eine Ausstattung. Von Markt zu Markt kaufen wir immer eine Kleinigkeit dazu, bauen Dinge selbst und erweitern unser mittelalterliches Equipment immer mehr“, berichtet der Familienvater.

Rohde schätzt die Gemeinschaft unter der Gefolgschaft: „Es ist einfach nett, es zählt der Mensch, nicht der gesellschaftliche Stand oder Beruf. Ich kann hier total abschalten, bevor ich am Montag wieder zur Arbeit gehe“, erklärt er. Vor allem für seinen Sohn wünscht er sich dieses geerdete Leben, mit der Reduzierung auf die wesentlichen Dinge: „Weit ab von iPad und Playstation turnt er hier die drei Tage durch die frische Luft, spielt mit den anderen Kindern Eier werfen oder Mäuseroulette und übt sich im Schwertkampf – das ist doch wahrlich ein Abenteuer.“

Die Gefolgschaft achtet während des Besucherbetriebs streng darauf nur mittelalterliche Utensilien zu nutzen. Am Abend wird es dann nicht mehr so ganz genau genommen. Da checkt so manch ein Mittelalter-Händler auch mal kurz sein Handy. Kleine Plastikhütchen kommen für ein Schlückchen Honigschnaps zum Einsatz. Und während so geschwätzt und getrunken wird, schläft auch so manch einer der Mittelalter-Helden schnarchend am Tisch ein. Da wird dann die ganze Fürsorglichkeit der Gruppe sichtbar, wenn sie den Schlafenden sanft wecken und ins Zelt geleiten.

Fliegende Jäger

Auf dem Festplatz selbst herrschte drei Tage Hochbetrieb. Sehr stark besucht war der Sonntag bei bestem Herbstwetter. Mittelalterliche Höhepunkte gab es so einige: Der Besuch der Falknerei Horas war ein solcher. Es war schön zu sehen, wie umsichtig und positiv Falknerin Klaudia Rommund mit ihren Raubvögeln umgeht. Trotz dem Freiflug über den Platz kamen die Jäger stets wieder zurück. Die Fachfrau fliegt bis nach Dubai, um andere Falknerinnen auszubilden. Der Blauadler, der seine Schwingen ausbreitete, sorgte für ein Raunen in der Besuchermasse.

Auf einen Programmpunkt war Veranstaltungsleiter Roger Heil von der Kulturgesellschaft Hayner Vereine ganz besonders stolz: Die Band „Versengold“ war am Samstagabend zu Gast zu einem Konzert. Als Senkrechtstarter mit dem Einstieg auf Platz zwei in den deutschen Album-Charts im August, lockten die Mittelalter-Deutsch-Rocker mit irischem Einfluss sehr viele Besucher in den Burggarten. Kein Plätzchen war mehr frei, und die Fans feierten die Burschen zu der launigen Musik frenetisch. „Das ist richtig gute Musik. Die Herren reisen nachher direkt wieder ab, weil sie noch einen Auftritt im ZDF-Fernsehgarten haben. Wahrscheinlich sind sie zum letzten Mal hier. Wenn sie jetzt so richtig Karriere machen, können wir sie uns vermutlich nicht mehr leisten“, sagte Roger Heil schmunzelnd.

 

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