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Experte im Interview: So schützen Sie sich vor Zecken

Von Klein, eklig und gierig nach dem Lebenssaft von Mensch und Tier: Der lästige Gemeine Holzbock lauert wieder im Wald und auf Wiesen auf seine Opfer. Welche Folgen ein Stich haben kann und wie man sich schützen kann, verrät Prof. Dominik Faust, Chefarzt der Asklepios Klinik Langen für Gastroenterologie, Hepatologie und Pneumologie, im Gespräch mit Reporter Michael Forst.
Kleines Biest: die Zecke Bilder > Foto: Patrick Pleul (dpa) Kleines Biest: die Zecke
Langen. 

Als Kinder hörten wir, dass die Zecken von Bäumen gezielt auf ihre Opfer herabspringen. Was ist da dran?

DOMINIK FAUST: Das ist nur ein Ammenmärchen. Vielmehr befallen einen Zecken, wenn man an einem Gebüsch oder einen Strauch entlang streift oder durch hohes Gras stapft, in dem eine Zecke sitzt.

Wie schütze ich mich vor einem Stich?

FAUST: Da gibt es mehrere Tipps. Es geht damit los, dass man lange Kleidung trägt und die Hosen in die Socken steckt. Dann sollte man helle Kleidung tragen. Das schreckt die Zecke zwar nicht ab, aber man sieht sie so besser. Drogerien oder Apotheken verkaufen außerdem sogenannte Repellentien. Sprays, die man auf die Haut und Kleidung aufträgt und welche die Zecken fernhält, wie wir das von Mückensprays kennen.

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Heimtückische Zeckenkrankheit

Derzeit ist wieder Hochsaison für diese Erkrankung, die durch Zecken (auch gemeiner Holzbock) übertragen wird. Da es sich bei den Erregern um Bakterien handelt, ist es nicht möglich, sich dagegen impfen zu lassen.

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Wenn es nun dennoch passiert – wie gefährlich ist so ein Zeckenstich?

FAUST: Es gibt zwei für uns Menschen gefährliche Erreger, die durch den Zeckenstich übertragen werden können. Das eine sind die Borrelien und das andere ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME. Die Wahrscheinlichkeit, durch einen Zeckenstich eine Borreliose zu bekommen, wird hierzulande zwischen 3 und 5 Prozent vermutet. Etwa 30 Prozent der Zecken haben Borrelien, doch das schwankt extrem.

Und bei der FSME?

FAUST: 0,1 bis 5 Prozent der Zecken haben das Virus in sich, also ist die Wahrscheinlichkeit, FSME zu bekommen, noch einmal geringer.

Wie äußern sich die Krankheiten?

FAUST: Entwickelt man nach einem Zeckenstich grippale Symptome wie Gliederschmerzen, erhöhte Temperatur und Abgeschlagenheit, sollte man unbedingt zum Arzt gehen. Das könnte ein Hinweis auf die Virusinfektion sein. Die Borrelien wiederum machen sich erstmals dadurch bemerkbar, dass sich nach Stunden oder Tagen um die Einstichstelle herum eine Hautrötung bildet. Die sollte man am besten kurz mit der Handykamera dokumentieren und damit zum Arzt gehen.

Welche Gegenmaßnahmen kann der Arzt ergreifen?

FAUST: Gegen die Viren gibt es keine Behandlungsmöglichkeiten, das muss von alleine ausheilen. Wenn die Borrelien bestätigt sind, werden sie antibiotisch behandelt, das sind ja Bakterien.

Wie gefährlich kann es werden, wenn ich den Hinweisen keine Beachtung schenke?

FAUST: Bei der FSME kann es in seltensten Fällen zu einer Gehirnhautentzündung kommen. Die Borreliose kann ganz verschiedene Facetten haben. Sie kann spontan ausheilen oder in ein chronisches Stadium gehen und Jahre später schwerste Nerven- und Hautschädigungen bewirken.

Zecken sollten mit brachialen Methoden vernichtet, nicht bloß entsorgt werden. Foto: Patrick Pleul/dpa
Nicht in Toilette werfen: Wie man Zecken richtig entsorgt

Zecken sind gefährlich und deshalb nicht gerne gesehen. Wer ihnen dennoch begegnet, sollte sie mit brachialen Methoden entsorgen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sie wieder kommen.

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Wie sinnvoll ist denn eine Impfung – die gibt es doch nur gegen FSME?

FAUST: Richtig. Gegen die Borrelien kann man nicht impfen. Empfehlenswert ist die FSME-Impfung bei Menschen, die sich viel im Wald aufhalten. Förster gehören dazu oder auch mein Nachbar, der passionierter Jäger ist. Vielleicht ist sie auch bei Kindern sinnvoll, die sich viel im Freien aufhalten. Aber das sind ganz individuelle Entscheidungen, da sollte man auf jeden Fall eine sorgfältige Risiken-Nutzen-Abwägung machen.

Bedeutet die Impfung dann einen vollständigen Schutz?

FAUST: Nein. Wie bei allen Impfungen gilt: Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht.

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