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Umfrage in Neu-Isenburg: Soll jeder ein potenzieller Organspender sein? Das sagen Bürger dazu

Von Mit diesem Vorschlag sorgt Gesundheitsminister Jens Spahn gerade für Aufsehen und emotionale Diskussionen: Er will bei Organspenden eine radikale Abkehr von der bisherigen Praxis. Künftig soll jeder Deutsche potenzieller Spender sein. Könnten so Leben gerettet werden, oder verkommt der Mensch zum Ersatzteillager? Bei vielen Neu-Isenburgern stoßen die Pläne auf Bedenken, andere wiederum loben sie.
Geht es nach Gesundheitsminister Jens Spahn, soll künftig jeder Deutsche potenzieller Spender sein.  Symbolfoto: dpa Foto: David-Wolfgang Ebener (dpa) Geht es nach Gesundheitsminister Jens Spahn, soll künftig jeder Deutsche potenzieller Spender sein. Symbolfoto: dpa
Neu-Isenburg. 

Geht es nach CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn, soll bei Organspenden in Zukunft die sogenannte Widerspruchlösung gelten: Das bedeutet: Jeder Bürger ist automatisch bereit, seine Organe zur Verfügung zu stellen. Wer das nicht will, muss Einspruch gegen eine Entnahme einlegen. Hintergrund: Es mangelt an Spenderorganen. 2017 transplantierten Ärzte in Deutschland gerade mal 797 Organe – nur fast halb so viele wie noch im Jahr 2010. Etwa 10 000 Menschen im Land warten aber auf ein Spenderherz oder ein anderes Organ. Wie beurteilen Neu-Isenburger Bürger die Pläne? Tobias Hauser etwas beklagt den „großen Aufwand für jeden, der nicht mitmachen möchte“. Für ihn sei es sinnvoller, „wenn derjenige, der sich bewusst dafür entscheidet, Spender zu werden, auch aktiv wird und sich um einen Organspendeausweis bemüht.“ Meinungsstark zeigten sich auch andere Passanten bei der Umfrage dieser Zeitung.

Jede Hilfe zählt

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Annika Baum

„Dass Menschen durch den Vorschlag des Gesundheitsmionisters zum ,Ersatzteillager’ degradiert werden, halte ich für Quatsch. Denn wenn ich kurz vorm Sterben stehe, warum sollte ich dann nicht einem anderen mit meinen Organen das Leben retten? Für mich gibt’s da überhaupt keine Diskussion. Aber auch den zweiten Vorschlag von Jens Spahn finde ich überlegenswert: Die Kliniken künftig besser für ihre Mitwirkung an Transplantationen zu bezahlen.“

Zwang ist nicht gut

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Fabio Weber

„Statt Menschen zu zwingen, sollte man eher versuchen, sie zu motivieren, selber aktiv zu werden. Gut an dem Organspendeausweise ist auch: Du kannst genau angeben, welche Organe dir entnommen werden können, welche nicht – und wer im spontanen Todesfall da drüber entscheidet. Wenn dir tatsächlich alles entnommen wird, bleibt am Ende nur noch ein Fleischklumpen von einem übrig. Das ist nicht vorteilhaft, wenn man im Sarg bestattet werden will.“

Nicht dem Staat überlassen

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Lukas Bartyzal

„Jedem, der gestorben und geeignet ist, automatisch beliebige Organe zu entnehmen – davon halte ich nichts. Stattdessen sollte, wenn jemand stirbt und in Frage kommt, unbedingt die Familie gefragt werden, ob sie mit einer Organspende ihres Angehörigen einverstanden ist. Eine derart persönliche Angelegenheit darf nicht der Staat entscheiden. Am Ende werden noch Menschen ermordet, weil man weiß, man gewinnt dadurch Spenderorgane.“

Skepsis ist angebracht

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Petra Böhmer

„Ich selber würde die Zustimmung zur Entnahme meiner Organe verweigern. Denn illegale Transplantationen und andere Skandale haben einfach zu viel Vertrauen bei mir  zerstört. Ich selber habe es so geregelt: Falls mir etwas zustößt, soll meine Familie entscheiden. Mein Mann hatte vor zehn Jahren einen Herzinfarkt, konnte glücklicherweise aber wiederbelebt werden. Wer weiß, ob man noch  wirklich alles versucht hätte, ihn zu retten, wenn er Organspender gewesen wäre.“

Überzeugte Spenderin

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Alina Böhmer

„Ich sehe das etwas anders als meine Mutter. Ich finde den Vorschlag unseres Gesundheitsministers sehr gut, weil es immer noch viel zu wenige Spender gibt. Ich habe mir sofort als ich 18 wurde, einen Organspendeausweis machen lassen und stehe dazu. Anderseits kann ich gewisse Ängste nachvollziehen, weil es Fälle gegeben hat, wo Menschen noch nicht wirklich tot waren, aber ihre Leber beispielsweise trotzdem entnommen wurde. Aber das sind wirklich Einzelfälle.“

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