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Stadtteilporträt: Sprendlingen: Die Arbeitsbiene unter den Stadtteilen

40 Jahre Dreieich: Einmal wöchentlich stellt diese Zeitung die Entwicklung von damals bis heute in den fünf Stadtteilen vor. Heute: Sprendlingen.
So sah der Sprendlinger Bahnhof im Jahr 1963 aus. Fotos/Repros: nab Bilder > Foto: Freunde Sprendlingens So sah der Sprendlinger Bahnhof im Jahr 1963 aus. Fotos/Repros: nab
Dreieich. 

Bedeutungsvoll, ruhmreich, geschichtsträchtig – das sind Eigenschaften, die mit Sprendlingen nicht in Verbindung gebracht werden können. Auch sucht man vergeblich eine malerische Altstadt oder prunkvolle Gärten, wie sie mit Dreieichenhain oder Buchschlag vergleichbar wären. Denn Sprendlingen zeichnet sich durch eine ganz andere Qualität aus: Es ist die Arbeitsbiene unter der Dreieicher Stadtteilen.

Bei dem Versuch, der Stadtgeschichte auf den Grund zu gehen, muss sich auch Stadtarchivar Reinhard Pitterling im Lesen von Kaffeesatz üben: „Man weiß anhand alter Funde, dass die Römer da waren, aber Details liegen weitestgehend im Dunkeln.“ Sicher ist die erste Erwähnung der „Spirendelinger Mark“ im Rahmen einer Schenkungsurkunde des Dorfes Langen an das Kloster Lorsch aus dem Jahr 834. Doch dann wird es schnell wieder ruhig um die „Höfe an den Quellen“, wie sich der Name – „Sprend“ bedeutet Quelle – deuten lässt.

Enormes Wachstum

Im Mittelalter dämmerte „Spirendelingum“ oder „Sperendelinum“ als recht armes Bauerndorf bedeutungslos vor sich hin – umso bemerkenswerter, dass es sich im Laufe der Zeit zu einem Paradebeispiel für die Ausschöpfung von wirtschaftlichem Potenzial gemausert hat. 1977 war Sprendlingen mit Abstand die größte der fünf zusammengelegten Städte und hat sich diesen Status bis heute als größter Stadtteil – über 20 000 Einwohner zählt Sprendlingen aktuell – erhalten. Sein enormes Wachstum hat es tatsächlich erst Mitte des 19. Jahrhunderts zu verzeichnen, als Arbeiterschaft, selbstständiges Handwerk und eigener Handel Einzug hielten.

Das nahe gelegene Frankfurt brauchte zu dieser Zeit besonders Bau- und Straßenarbeiter, und in dem armen Bauerndorf siedelten sich kleinere bis mittlere Handwerks- und Industriebetriebe an, sodass es sich bald als „Dorf der Maurer und Pflasterer“ etabliert hatte. Die Konsequenz war ein rasanter Anstieg der Bevölkerung: Waren es im Jahr 1800 noch etwa 1000 Einwohner, hatte sich diese Zahl 1850 bereits verdoppelt und noch mal gute 50 Jahre später mit über 4200 Einwohnern innerhalb von einem Jahrhundert vervierfacht.

Der Lindenplatz war einst Zentrum des im frühen Mittelalter entstandenen Dorfes und Ausgangspunkt der urbanen Besiedlung. Und Platz zum Wachsen gab es in Sprendlingen reichlich, Gewerbegebiete entstanden, die Verkehrsinfrastruktur wurde mit dem Bau der Dreieich-Bahn 1905 ausgebaut und trieben die Industrialisierung voran: Zwei Jahre später siedelte sich die „Zahnfabrik Wienand und Söhne“ in der Eisenbahnstraße an, von der heute allerdings nichts mehr zu sehen ist. Selbiges gilt für die Kiesgrube, auf deren einstigem Gelände nun seit Ende der Siebziger Jahre das Bürgerhaus steht.

Wurst-, Sekt-, Gelee- und Zuckerwarenfabriken, Schreinerei, Textilproduktion – mit seiner Branchenvielfalt war Sprendlingen breit aufgestellt, lockte sogar namhafte Vertreter wie Spoerle an.

Streit um Forstrechte

Wenngleich historisch also längst nicht so bedeutungsträchtig wie Dreieichenhain, erklärt sich der Stolz der Sprendlinger doch durch den beachtlichen wirtschaftlichen Erfolg.

Seit 1606 pflegen die beiden Nachbargemeinden ihre Rivalität, die auf die Urkunde vom „Ewigen Baum“ zurückgeht. Und dass, obwohl die ehemalige Streitigkeit wegen alter Forst- und Weiderechte damals durch richterlichen Spruch geschlichtet werden konnten. Dass sich die Haaner und Sprendlinger bis heute – inzwischen wohl eher liebevoll – spinnefeind sind, gehört dann zu den Traditionen, wie das Hooschebaa-Fest auf dem Lindenplatz oder die für das Sprendlinger Stadtwappen verantwortlich zeichnende Hirschsprunglegende.

An Geschichte mangelt also in diesem durch Industrialisierung geprägten, fleißigen Stadtteil doch nicht so sehr, wie man vermuten könnte – auch wenn hier leider längst nicht mehr so viele Zeugnisse der Stadtgeschichte zu finden sind, wie es vielleicht zu wünschen wäre.

(nab)

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