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Schadenersatz gefordert: Stolperfalle in der Dunkelheit

Von Was für private Hausbesitzer gilt, das hat auch Gültigkeit für die Stadt: Auf kommunalen Grundstücken obliegt ihr die Verkehrssicherungspflicht. Ob die Stadt dieser im Fall des Sturzes einer Seniorin nachgekommen ist, das beschäftigt nun Juristen und Versicherer.
Karin Pleier kann nicht verstehen, weshalb die Stadt Rüsselsheim die Laterne nicht reparieren lässt oder den Balken zumindest kenntlich macht. Karin Pleier kann nicht verstehen, weshalb die Stadt Rüsselsheim die Laterne nicht reparieren lässt oder den Balken zumindest kenntlich macht.
Rüsselsheim. 

Karin Pleier ist sauer. Und zwar auf die Stadt Rüsselsheim. „Dass meine Mutter hier gestürzt ist, ist jetzt schon Wochen her. Und trotzdem wurde an der Situation noch immer nichts geändert“, ärgert sich die Rüsselsheimerin, die am Rande des Geländes der Borngrabenschule steht. Dort, auf dem Weg von der Sporthalle zur Straße, sei ihre 87 Jahre alte Mutter am 7. November über eine Stolperfalle gestürzt, die sie nicht habe sehen können.

Der Holzstamm – quer montiert und ungefähr auf Schienbeinhöhe fest im Boden verankert – soll das Gelände vor unbefugtem Befahren schützen und als Sitzgelegenheit dienen. Eigentlich wird das Areal, das direkt an den Bürgersteig angrenzt, von einer Straßenlaterne erhellt, die auf dem Gelände der Borngrabenschule steht. „Aber die brannte an dem Tag nicht. Sie ist wohl kaputt, denn sie funktioniert bis heute nicht. Nach Einbruch der Dunkelheit ist es dort stockdunkel“, ärgert sich Karin Pleier, die die Situation auf Bildern festgehalten hat.

Ihr Mutter sei am Tag des Sturzes vom Koronarsport in der Schulturnhalle gekommen. Bei dem Versuch, sich abzustützen, habe sie sich das Handgelenk gebrochen. „Eine Passantin, die zufällig vorbeikam, und mein Sohn, der ihr entgegenlief, um sie abzuholen, halfen ihr auf“, berichtet Pleier. Aufgrund des hohen Alters ihrer Mutter sei auf eine Operation verzichtet worden, stattdessen trug die Seniorin über sieben Wochen einen Gips. „Schmerzen hat sie aber noch immer, und die Beweglichkeit kommt jetzt erst langsam zurück.“ Auch darüber hinaus habe sich der Sturz ausgewirkt. „Vorher war sie topfit. Jetzt hat sie Angst, wieder zu stürzen“, berichtet die Tochter.

Nicht der erste Unfall

Die ärgert sich nicht nur darüber, dass die Abgrenzung, über die ihre Mutter gestürzt ist, in der Dunkelheit nicht sichtbar war. „Vor allem ärgere ich mich darüber, dass sich an der Situation bis heute nichts verändert hat.“ Auf dem Weg seien regelmäßig ältere Menschen unterwegs, die zum Beispiel in der Halle Sport treiben. „Und es war auch nicht der erste Unfall. Ein paar Wochen, bevor meine Mutter gestürzt ist, habe ich selbst einem Radfahrer aufgeholfen, der in der Dunkelheit auf dem Weg vom Schulgelände gegen eine Schranke gefahren ist, die nicht sichtbar war“, berichtet Karin Pleier.

Sie selbst habe die Stadt nach dem Unfall ihrer Mutter bereits im November auf die kaputte Laterne und die damit verbundene Gefahrenquelle hingewiesen. Auch eine Nachbarin habe die Stadt noch einmal auf den Defekt aufmerksam gemacht. „Soweit ich weiß, gab es dann sogar eine Ortsbegehung.“ Nach den Informationen, die sie und die Nachbarin telefonisch von der Stadt bekommen haben, sollen die Arbeiten an den Laternen an eine Berliner Firma vergeben worden sein.

Defekt an der Leitung

Die Stadt berichtet auf Nachfrage, dass eine Tiefbau- und Elektrofirma mit den Reparaturarbeiten beauftragt worden sei. Ursächlich für die kaputte Laterne sei nämlich nicht der Ausfall einer Lampe, sondern ein Defekt an der elektrischen Leitung, die zu der betreffenden Laterne führt. Im Zuge der Bauarbeiten für die Kindertagesstätte am Rande des Schulgeländes sei „vermutlich“ eine der Leitungen beschädigt worden. Wann genau der Defekt entstanden ist, sei nicht bekannt, so die Stadt. Die Kindertagesstätte wurde allerdings bereits Ende 2016 fertiggestellt und im April des vergangenen Jahres eingeweiht, nachdem sie schon mehrere Monate die Arbeit aufgenommen hatte.

Da es sich nicht um einen öffentlichen Weg, sondern um einen „Schulhof“ handele, sichteten die Hausmeister der jeweiligen Schule die Anlagen und meldeten Defekte der Gebäudewirtschaft, die für die Instandhaltung zuständig ist. „Für die Beleuchtung sorgen in diesem Bereich aber nicht nur die Leuchten, sondern auch eine zusätzliche Beleuchtung durch neue Wandleuchten am Kita-Gebäude. Weiterhin stehen die benachbarten, noch funktionsfähigen Leuchten zur Verfügung“, teilt die Stadt mit. Das sieht Karin Pleier anders. „Die nächste Laterne leuchtet lediglich den Platz aus, an dem die Mülltonnen stehen.“

Auf die Frage, ob die Stadt nach eigener Einschätzung im konkreten Fall ihrer Verkehrssicherungspflicht nachgekommen ist, kommt lediglich eine ausweichende Antwort aus der Pressestelle des Rathauses. „Die Stadt hat den Schadenfall ihrer Haftpflichtversicherung gemeldet. Der Vorgang wird hinsichtlich der Versicherungsfragen dort weiter bearbeitet“, heißt es auf die Anfrage dieser Zeitung.

Und auch auf die Frage, ob es Pläne gibt, die kniehohen Absperrungen deutlicher sichtbar zu machen, antwortet die Stadt ebenfalls nur ausweichend. „Es handelt sich nicht um eine Absperrung, sondern um eine Sitzgelegenheit für Schüler (Sitzbalken) aus einem Rundholzstamm auf dem Schulhofgelände. Eine Entfernung der Sitzgelegenheit ist nicht vorgesehen.“

Wann die defekte Leitung zu der Laterne repariert werden soll, bleibt unklar. „Die Ausführung der Arbeiten erfolgt in Absprache mit den Schul- und Kita-Abläufen und je nach Witterung“, heißt es dazu von der Stadt.

Karin Pleier und ihre Familie haben unterdessen einen Anwalt eingeschaltet, der Ansprüche auf Schadensersatz und Schmerzensgeld gegenüber der Stadt geltend macht, die aus dem Sturz der Mutter folgen sollen.

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