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Kranzniederlegung: Tränen an der Todesmauer von Auschwitz

Von An der Goetheschule wird dem Erinnern eine große Bedeutung beigemessen. Im Rahmen dessen haben sich Schüler mit den Gräueltaten während der Nazi-Zeit auseinandergesetzt und das ehemalige KZ Auschwitz besucht. Die Arbeiten hierzu sollen dokumentiert werden.
Die Goetheschüler legten bei ihrem Besuch in Auschwitz einen Kranz an der Todesmauer nieder und lasen die Namen der Opfer vor. Die Goetheschüler legten bei ihrem Besuch in Auschwitz einen Kranz an der Todesmauer nieder und lasen die Namen der Opfer vor.
Neu-Isenburg. 

Die Hugenottenstadt und das mit viel Leid belegte Auschwitz haben eine enge Verbindung. Vom Heim „Isenburg“ des Jüdischen Frauenbundes wurden nämlich 77 Bewohnerinnen – darunter 37 Kinder – in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz gebracht und ermordet.

Um die schrecklichen Ereignisse der Nazi-Zeit aufzuarbeiten und jungen Menschen zu vermitteln, dass alles getan werden muss, um solches Gräuel zu verhindern, gibt es an der Goetheschule Neu-Isenburg im Rahmen des Schulprogrammes den Schwerpunkt „Erinnern und Gedenken“.

Die Pädagogen Dr. Matthias Köberle und Barbara Krause betreuen dieses Projekt und versuchen, neben der Faktenvermittlung auch die Stätten der unbegreiflichen Geschehnisse mit Schülern zu besuchen. „Keine noch so detaillierte Beschreibung kann die aufkommenden Gefühle vermitteln, wenn man selbst an den Orten der Gräueltaten steht“, sagt Köberle. Als Kooperationsprojekt mit der Stadt fand nun zum zweiten Mal eine Studienfahrt von 15 Jugendlichen der Goetheschule nach Auschwitz statt – mit dabei Bürgermeister Herbert Hunkel.

Erstaunliches Engagement

„Ich war schon bei der ersten Studienfahrt dabei und vom Engagement der Schüler beeindruckt – und bin es jetzt nach der zweiten Fahrt umso mehr“, so Hunkel. Über ein halbes Jahr hatte sich die Projektgruppe „Auschwitz“ mit dem Thema der Deportation und Ermordung, insbesondere der Bewohnerinnen des Heims „Isenburg“, befasst. „Trotzdem waren alle zutiefst erschüttert, als sie dann an Ort und Stelle das Ausmaß der systematischen Vernichtung sahen“, berichtet Köberle. Unvergessen wird für alle der Blick in den Raum mit den gesammelten Haaren der in Auschwitz ermordeten Juden aber auch jener Raum mit den hinterlassenen Brillen bleiben. „Alle haben erkannt, dass hinter allen diesen Hinterlassenschaften ein Mensch stand“, betont Köberle.

Neben der umfassenden Führung im Stammlager Auschwitz gehörte auch eine Kranzniederlegung der Goetheschüler an der Todesmauer zum Programm. „Da standen fast allen die Tränen in den Augen, als sie die Namen der deportierten und getöteten Frauen und Kinder aus dem Heim Isenburg vorlasen“, so Köberle.

Arbeit mit Originalquellen

Besonderer thematischer Schwerpunkt der Studienfahrt vom 22. bis 27. Januar in die KZ-Gedenkstätte war das Thema „Kinder in Auschwitz“. In zwei Workshops wurde dazu auf der Grundlage von Archivmaterial, wissenschaftlichen Darstellungen, Fotos und anderen Originalquellen gearbeitet.

Einen unvergesslichen nachhaltigen Eindruck hinterließen die Versuche von Dr. Josef Mengele an Kindern, und erschütternd und unfassbar war der Umgang der SS-Aufseherinnen mit schwangeren Häftlingen. Bei der Frage, wie dies alles möglich war, kamen die Schüler immer wieder auf die Anfänge der Nazi-Bewegung zurück: Rassismus, Antisemitismus, Gewaltverherrlichung und Hass auf alles vermeintlich „undeutsche“.

Dr. Matthias Köberle und Barbara Krause betreuen das Projekt „Erinnern und Gedenken“ an der Goetheschule. Bild-Zoom Foto: Leo F. Postl
Dr. Matthias Köberle und Barbara Krause betreuen das Projekt „Erinnern und Gedenken“ an der Goetheschule.

Über die Erkenntnisse der Jugendlichen ist nun einen Publikation geplant. „Ich bin sehr froh, dass sich mit Matthias Köberle und Barbara Krause zwei Pädagogen an der Goetheschule gefunden haben, die trotz vollem Lehrplan sich für dieses wichtige Thema der Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen engagieren“, betont Hunkel. Die beste Versicherung gegen Völkerhass, Totalitarismus, Faschismus und Nationalsozialismus ist die lebendige Erinnerung an und die aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte. „Deshalb wollen wir auch mit einem gemeinsamen Buchprojekt über diese Fahrten nach Auschwitz eine bewusstes Zeichen setzen“, sichert Hunkel der Initiative „Erinnern und Gedenken“ an der Goetheschule seine weitere Unterstützung zu.

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