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Schriftsteller mit 83 Jahren gestorben: Trauer um Peter Härtling

Von Peter Härtling war in vielen Sparten des Literaturbetriebs zu Hause. In zahlreiche seiner Werke ließ er auch seine eigene Vita einfließen. Gestern ist Peter Härtling nach kurzer schwerer Krankheit gestorben.
Im Oktober 2016 sprach Peter Härtling über sein letztes Werk, „Djadi, Flüchtlingsjunge, ein Roman für Kinder und Erwachsene. Foto: Uwe Grünheid Im Oktober 2016 sprach Peter Härtling über sein letztes Werk, „Djadi, Flüchtlingsjunge, ein Roman für Kinder und Erwachsene.
Mörfelden-Walldorf. 

Als ich Peter Härtling zuletzt traf, im Oktober 2016, war gerade zuvor sein Roman „Djadi, Flüchtlingsjunge“ erschienen. Peter Härtling empfing mich an der Tür seines Hauses im Finkenweg in der Walldorfer Oberwaldsiedlung. Das Gehen fiel ihm schon ein wenig schwer, als er mich in sein Wohnzimmer führte, aber ansonsten war er hellwach und liebenswürdig, so wie während manch anderer Begegnung zuvor.

Die Würdigung eines großen Autors

Kein Leben bleibt ohne Spuren, doch wirklich sichtbare sind keine Selbstverständlichkeit. Doch bei Peter Härtling bleibt eine solche Spurensuche nicht ohne Erfolg.

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Mit klaren Worten schilderte er, wie es zu diesem Werk kam: „Es waren die erschütternden Bilder von Frauen und Kindern in den Ruinen in Syrien, die das Flüchtlingskind in mir wach riefen.“ Alles habe sich gesammelt, so der Schriftsteller, die eigene Biografie, „ich als Flüchtlingskind mit all meinen Ängsten“, und die aktuelle Realität, die eine psychische Beteiligung mit Schmerz hervorgerufen habe.

In diesem Zusammenhang kam Peter Härtling auch darauf zu sprechen, was ihn zum Schreiben bringt. Sein Antrieb komme aus der Empathie, dem Mitfühlen. Das gelte sowohl für seine Arbeiten für Erwachsene als auch für die Kinderbücher. „Es sind immer die Außenseiter, die dem Kind in mir nahe sind“, betonte er und berührt damit einen zentralen Aspekt seines umfangreichen Werks, die eigene Erinnerung, die für ihn die Auseinandersetzung mit der Geschichte, der politischen Vergangenheit und der Gegenwart bedeutete.

Schrecken des Kriegs

Geboren wurde Peter Härtling am 13. November 1933 in Chemnitz. Er verbrachte seine Kindheit zunächst in Hartmannsdorf, wo sein Vater eine Rechtsanwaltskanzlei unterhielt. Während des Zweiten Weltkriegs zog die Familie nach Olmütz in Mähren. Gegen Kriegsende floh sie nach Zwettl in Niederösterreich. Im Juni 1945 starb der Vater in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Über Österreich kam die Familie 1946 ins schwäbische Nürtingen. Die Mutter, sie wurde 1945 vor den Augen ihres Sohnes von russischen Soldaten vergewaltigt, nahm sich im selben Jahr das Leben.

In Nürtingen besuchte er das Max-Planck-Gymnasium und wurde danach Volontär bei der Nürtinger Zeitung. 1948 lernte er den Bildhauer Fritz Ruoff kennen, der zu seinem Mentor wurde. 1959 heiratete er die Psychologin Mechthild Meier. Das Paar hat vier gemeinsame Kinder. Peter Härtling arbeitete zunächst als Journalist, bevor er 1967 Cheflektor beim S. Fischer Verlag in Frankfurt wurde. Seit 1974 war er als freier Schriftsteller tätig. Seinen Ruf als Romanbiograf großer Künstler erwarb er sich mit dem 1976 erschienenen Buch „Hölderlin“ – der große Dichter der Romantik verbrachte seine Kindheit und Jugend ebenfalls in Nürtingen.

Doch Härtling war in fast allen Sparten des Literaturbetriebs zu Hause. Neben den Romanen entstanden Erzählungen, autobiografische Schriften und Kinderbücher. Mit mehreren Gedichtbänden wurde er als Lyriker bekannt. Zu seinen bekanntesten Werken zählen „Eine Frau“ (1974), „Theo haut ab“ (1977), „Briefe an die Kinder (1986) und „Leben lernen“ (2003). 2015 erschien sein Roman „Verdi – Ein Roman in neun Fantasien“. In weiteren Biografien hatte Härtling zuvor über Franz Schubert, Robert Schumann, Wolfgang Amadeus Mozart und Fanny Hensel-Mendelssohn geschrieben. Auch bei Jugendlichen war Peter Härtling als Autor beliebt, die in der Schule den „Hirbel“ (1973) oder „Ben liebt Anna“ (1979) gelesen hatten. Bis zuletzt erhielt er von Kindern viele Zuschriften, die er alle beantwortete.

Ehrenbürger der Doppelstadt

Peter Härtling lebte von 1973 bis zu seinem Tod in Mörfelden-Walldorf und trat dort auch während etlicher Lesungen öffentlich in Erscheinung. Für das erste Projekt Junge Zeitung der Frankfurter Neuen Presse 2008 ließ er sich bereitwillig und in bester Laune von Schülern der Bertha-von-Suttner-Schule interviewen. 2003 wurde er Ehrenbürger der Doppelstadt.

In dem Gespräch über sein letztes Buch, „Djadi, Flüchtlingsjunge“, war auch der Tod ein Thema. Der führt dazu, so Peter Härtling, „dass aus dem Schmerz Trauer wird“. Es sei ein wichtiger Schritt, „den Schmerz zu abstrahieren, das muss jedes Menschenkind ertragen“.

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