Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Neu-Isenburg 7°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Viel Lärm um Burkinis

Gerade erst hat CDU-Politiker Hartmut Honka die Anschaffung von Burkinis von den Schwimmbädern Dreieich scharf kritisiert. Jetzt meldet sich auch die AfD Dreieich zu Wort. Sie fühlt sich veranlasst, die Rentabilität der Anschaffung dieser Ganzkörperbadeanzüge klären zu lassen.
Dreieich. 

Die Aufregung um die Anschaffung von Burkinis von den Schwimmbädern Dreieich ist noch nicht vorbei. In einer Pressemitteilung erklärte die AfD Dreieich nun, in einer Anfrage klären lassen zu wollen, wer das in ihren Augen „unwirtschaftliche Investment“ – seite März gerade einmal sieben Ausleihen bei zwölf angeschafften Burkinis – auf Kosten der Steuerzahler zu verantworten habe.

Gleichzeitig pflichtete die AfD Dreieich Hartmut Honka, CDU-Fraktionsvorsitzender, bei, der den Kauf von Burkinis als ein Zeichen in Richtung eines rückständigen Geschlechterbildes bewertet hatte, in dem sich Frauen nur verschleiert in der Gesellschaft zeigen dürfen – wenn überhaupt.

Honka hatte erklärt, dass gerade in einer Zeit, in der in der Türkei Grundrechte mit den Füßen getreten würden, Menschen für hiesige Grundwerte eintreten müssten. Dazu gehöre unter anderem die Gleichberechtigung von Männern und Frauen und damit auch von Muslimen und Muslimas. „Traurige und wahre Worte zugleich“, kommentierte die AfD. Für die Partei ist der Burkini ein Zeichen von fehlender Aufklärung. „Wer sich wie im 19. Jahrhundert kleidet, um Sitte, Keuschheit und Anstand gemäß seiner Religion zu wahren, und diesen Biedermeier-Dresscode auch im 21. Jahrhundert einzuhalten pflegt, der erkennt möglicherweise die Aufklärung und Emanzipation anderer Religionen nicht an und bleibt in seiner eigenen Religion gefangen“, schreibt die AfD. Wer ein solches Verhalten an den Tag lege, gebe seiner Umwelt zu verstehen, dass er etwas Besseres sei und dass ausschließlich das eigene Verhalten ehrbar gemäß den Geboten des eigenen Gottes sei.

Natürlich könne sich jeder kleiden, wie er wolle, gibt die AfD zu, schließlich sei die Freiheit der Person unverletzlich.

Respektlosigkeit

Es gebe aber immer einen Dresscode, je nach Situation und Aufgabe. Auf einem FKK-Platz bestehe der allgemeine Dresscode beispielsweise darin, unbekleidet zu sein, führt die AfD aus. „Wenn eine Muslima sich weigert, bestehende Regeln zu befolgen und ihre göttlichen Regeln über geltende Verordnungen stellt, dann könnte auch ein Christ, der demnächst in der Moschee seine Schuhe nicht ausziehe, als Signal gedeutet werden, dass er sich nicht an die Regeln dieses Gotteshauses gebunden fühlt. Was ebenso respektlos wäre.“

Bei der Diskussion um den Kauf und den Verleih von Burkinis gehe es jedoch nicht um die Ausübung persönlicher Freiheit, sondern um die Monstranz von Religion, kritisiert die AfD. „Religion ist in unserer Gesellschaft reine Privatsache. Sie steht nicht über staatlichen Regeln, Verordnungen und Gesetzen. Religiöse Befindlichkeiten dürfen demnach auch laut Grundgesetz bei der Erstellung einer Badeordnung keine Rolle spielen“, fordert sie.

Hygienische Gründe

In Deutschland gelten aktuell Badeordnungen, die aus hygienischen Gründen das Tragen von Badehose, Bikini oder Badeanzug zwingend vorgeben und darüber hinaus eine ausgiebige Körperreinigung vor dem Betreten der Wasserbecken vorsehen. „Wer sich nicht, aus welchen Gründen auch immer, gründlich reinigen möchte oder im Sommer unangemessene Kleidung aus Kunststofffasern im Wasser tragen will, gefährdet die Gesundheit aller anderen Badegäste und ist vom Schwimmbetrieb laut Verordnung auszuschließen“, schreibt die AfD.

Wer solche Regelungen aus zweifelhaftem Toleranzempfinden überarbeiten wolle, müsse auch Nudisten in öffentlichen Bädern ausdrücklich erlauben und gebe damit die Abgrenzung zwischen persönlicher Entfaltung des Einzelnen und dem Schamgefühl der Allgemeinheit endgültig auf“, argumentiert die Partei und fragt, ob dieser Freiheitsbegriff am Ende nicht doch zu weit gehe?

Sei es nicht eher ein Abwägen persönlicher Freiheitsrechte für das Gemeinwohl?

(fnp)
Zur Startseite Mehr aus Kreise Offenbach/Groß Gerau

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse