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Würdigung des großen Schriftstellers: Weggefährten zum Tode Peter Härtlings: "In seine Fußstapfen steigt keiner"

Von Mit Peter Härtling verliert die Stadt Mörfelden-Walldorf einen ihrer bedeutendsten Bürger. Der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller ist am Montag im Alter von 83 Jahren gestorben. Menschen, die ihm begegnet sind, erinnern sich an Stationen seines Lebens.
Peter Härtling im Jahr 2009 am Arbeitsplatz. Rund 20 Schulen sind in Deutschland nach ihm benannt, u. a. in Friedrichsdorf. Foto: Bernd Weissbrod (dpa) Peter Härtling im Jahr 2009 am Arbeitsplatz. Rund 20 Schulen sind in Deutschland nach ihm benannt, u. a. in Friedrichsdorf.

„Ihm Vergleich zu ihm bin ich nur eine kleine Nummer“, blickt Siggi Liersch ehrfurchtsvoll auf. Der stadtbekannte Künstler und Liedermacher schwelgt in Erinnerungen an Peter Härtling. Beide haben sich 1976 kennengelernt, als Härtlings Kinder an den Ferienspielen teilnahmen.

Siggi Liersch lobt: „Härtling hat die Menschen zum Nachdenken gebracht.“ Bild-Zoom
Siggi Liersch lobt: „Härtling hat die Menschen zum Nachdenken gebracht.“

Liersch war damals Betreuer der Spiele und lernte Härtling jenseits des Ruhmes kennen. „Er war einem immer sehr zugewandt und hat alle Menschen ernst genommen“, berichtet Liersch. Ob im Tischtennisverein oder auf dem Markt, wenn Härtling seine geliebten Ostseekrabben gekauft hat: Liersch ist dankbar, dass er Härtling kennenlernen durfte.

Als Deutschlehrer an der Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf lässt Liersch seine Schüler besonders gerne Härtlings Bücher lesen: „Er ist ein unglaublich beliebter Erzähler“, gibt er deren Resonanz wieder. Und so wie die Schüler von Härtlings Büchern zum Reflektieren angeregt werden, sei er auch selbst in Ort aufgetreten: „Er hat sich bis zum Schluss eingemischt und die Leute zum Nachdenken gebracht.“

Ein Dinosaurier-Literat

In den 80er-Jahren war Liersch als Pressetexter beim Fischer-Verlag aktiv. Härtling wirkte dort einige Jahre zuvor als Cheflektor. Dort konnte Liersch einen Eindruck gewonnen, der nun auch auf die Lücke, die Härtling in Mörfelden-Walldorf hinterlässt, zutreffen könnte: „Er hat dort soviel geleistet, in seine Fußstapfen steigt keiner!“

Obwohl Härtling ein nationaler Literaturstar war, pflegte er immer einen Umgang auf Augenhöhe mit den Küstlern aus Mörfelden, darin sind sich alle einige.

Volker Arndt betont: „Härtling war nicht nur Dichter, sondern auch Denker.“ Bild-Zoom
Volker Arndt betont: „Härtling war nicht nur Dichter, sondern auch Denker.“

Auch der Journalist und Schriftsteller Volker Arndt blickt wehmütig zurück: „Für mich war Peter Härtling der letzte der Dinosaurier-Literaten, die mit ihren Werken das vorige Jahrhundert prägten.“ Keineswegs sei er „nur“ Kinderbuchautor gewesen, als solcher aber ein Genie, betont Arndt. Härtling und er fanden nicht nur in der Literatur Gemeinsamkeiten, sondern auch in ihrem politischen Denken: „Er war nicht nur Dichter, sondern auch Denker gewesen. Ein Querdenker, der mit größter Sensibilität Unrecht zu erkennen und in Worte zu fassen wusste“, beschreibt Arndt.

Info: Beisetzung am 18.7.

Prof. Dr. h. c. Peter Härtling wird am Dienstag, den 18. Juli um 14.30 Uhr auf dem Friedhof in Walldorf beigesetzt. Derzeit liegt im Eingangsfoyer des Rathauses Walldorf ein Kondolenzbuch aus.

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Die Veränderungen in der Literatur, wie die wachsende Anspruchslosigkeit neuverlegter Bücher, hätten Härtling zutiefst traurig gestimmt, verrät Arndt. Ein guter Schriftsteller sei auch Philosoph und Soziologe, habe er einmal zu ihm gesagt, und dass die Auseinandersetzung mit dem Tod Dankbarkeit mit sich brächte.

Lesungen im Hüttendorf

Nicht nur befreundete Künstler trauern um den Literaten, auch ehemalige Geistesbrüder aus der Protestbewegung rund um die Startbahn West, sind in Gedanken bei Peter Härtling.

Dirk Treber erinnert: „Härtling war ein Realist und immer sehr nachdenklich.“ Bild-Zoom Foto: Carmen Erlenbach
Dirk Treber erinnert: „Härtling war ein Realist und immer sehr nachdenklich.“

Dirk Treber war damals Sprecher der Bürgerinitiative als Härtling 1880 seine Stimme für die Bürger erhob, die gegen einen Flughafenausbau waren. „Er war ein Realist und immer sehr nachdenklich, aber er war immer mit klarem Verstand dabei“, erinnert er sich zurück. Ebenso blickt Treber dankbar auf die vielen Momente zurück, als Härtling Lesungen im Hüttendorf abhielt oder als er sein Talent nutze, um Willy Brandt einen Brief zu schreiben, in dem er seinen Unmut über den Flughafenausbau zum Ausdruck brachte, wird er ihm ewig dankbar sein.

Auch bei den Protesten zur neusten Landebahn im Jahr 2008 habe er sich gezeigt. Nun hinterlasse Härtling eine Lücke, trauert Treber: „Er hat seine Stimme erhoben und hatte immer eine klare und deutliche Meinung. So engagierte Bürger, die tun der Sache gut.“

Bernhard Brehl trauert: „Sich mit Härtling zu unterhalten, war immer ein Erlebnis.“ Bild-Zoom Foto: Carmen Erlenbach
Bernhard Brehl trauert: „Sich mit Härtling zu unterhalten, war immer ein Erlebnis.“

2002 wurde Härtling zum Ehrenbürger der Stadt Mörfelden-Walldorf ernannt. Der damalige Bürgermeister Bernhard Brehl erinnert sich an viele Gespräche zurück: „Sich mit ihm zu unterhalten, war ein Erlebnis, denn er war ein Mensch, von dem man auch im hohen Alter noch viel lernen konnte.“ Brehl betont, wie sehr sich Härtling auch für örtliche Belange eingesetzt habe und beschreibt: „Er war eine Person, die anderen Menschen einiges zu geben vermochte, er war ein wichtiger Bürger der Stadt.“

Dem schließt sich auch der amtierende Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD) an: „Wir sind sehr stolz darauf, mit Peter Härtling einen solch engagierten Menschen in unserer Stadtgemeinschaft gehabt zu haben. Wir und viele Menschen unserer Stadt werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Das ist ein Versprechen.“

 

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