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Ein Taxifahrer erzählt: Wenn’s im Taxi mal hoch hergeht

Von Von sprachlichen Missverständnissen und Avancen weiblicher Fahrgäste über vierbeinige oder betrunkene Passagiere bis hin zur Verwicklung in einen Drogenschmuggel: Taxifahrer Eleftherios „Lefty“ Anastassiadis hat eine Menge zu erzählen.
Eleftherios Anastassiadis alias „Lefty“ fährt seit 1988 Taxi in Kelsterbach und hat kuriose Geschichten auf Lager. Foto: Carmen Erlenbach Eleftherios Anastassiadis alias „Lefty“ fährt seit 1988 Taxi in Kelsterbach und hat kuriose Geschichten auf Lager.
Kelsterbach. 

Dass in seinem Taxi einmal ein Kind geboren wird, darauf wartet Eleftherios Anastassiadis, der im Untermainstädtchen nur als Lefty bekannt ist, noch heute. Im Laufe langer Jahre als Taxifahrer hat er dennoch die kuriosesten Dinge erlebt, an die er sich mal mit einem lachenden, mal mit einem weinenden Auge erinnert.

„Eleftherios bedeutet im Deutschen Freiheit.“ Das passe doch prima zu seinem Beruf, so der 55-jährige Grieche. Über einen Freund kam er 1988 dazu, in Kelsterbach Taxi zu fahren. 1994 übernahm er dann die erste Taxi-Zentrale, die es dort nach dem Zweiten Weltkrieg gab, und ist seither mit seiner Ehefrau Evangelia Ntasiopoulou selbstständig. Er lernte sie 1992 in dieser Taxi-Zentrale kennen, wo sie während ihrer Umschulung zur Bankkauffrau an Wochenenden als Disponentin Telefondienste schob und aushalf.

Es war keineswegs Liebe auf den ersten Blick. Sie war in Raunheim aufgewachsen und sprach perfekt Deutsch, aber fast kein Griechisch, er war erst spät aus Griechenland gekommen und sprach fast nur seine Muttersprache, aber kein Deutsch. „Wir haben uns am Anfang fast gar nicht verstanden“, erzählt Lefty lachend. Dann kam es aber doch, wie es kommen musste, und die beiden küssten sich am Heiligen Abend 1992 erstmals. Am 19. Dezember 1997 heirateten sie standesamtlich, und am 22. Juli 2000 ließen sie sich in Griechenland kirchlich trauen.

Vor etwa 15 Jahren stieg ein älterer Herr am „Kastanieneck“ in sein Taxi. Lefty fragte, wohin er wolle. „Am Moo“, sagte der Fahrgast. Mit diesem hessischen Ausdruck wusste der Grieche nichts anzufangen und erkundigte sich deshalb telefonisch in der Zentrale, wo das sei. Schließlich erfuhr, dass die Mainstraße gemeint war. Lefty erinnert sich auch an vergangene Zeiten, in denen er besonders bei weiblichen Gästen des „Fasanenhofs“ beliebt war. Das fiel seiner Gattin auf, die den Telefondienst absolvierte, weil immer nur ihr Mann als Fahrer angefordert wurde, obgleich noch sieben weitere im Einsatz waren.

Pralinen für die Ehefrau

Vor etwa zwölf Jahren wurde Lefty von seiner Ehefrau beauftragt, einen jungen Mann, etwa Mitte 20, zu fahren. Er erkundigte sich im Taxi nach der netten Dame mit der charmanten Stimme in der Zentrale, aber auch nach ihrer Adresse und Rufnummer. Lefty gab ihm seine Privatnummer mit dem Hinweis: „Das ist meine Frau“. Auch ein anderer männlicher Fahrgast wollte die Disponentin einmal kennenlernen. Er hatte bereits Pralinen für sie gekauft, setzte sich in Leftys Taxi und ließ sich von ihm zur Zentrale chauffieren. Lefty hatte seinen Spaß, als er dem Fahrgast seine Frau vorstellte, während dieser ihr gerade die Pralinen überreichte.

Noch heute lacht das Paar herzhaft über eine andere Begebenheit. Der 55-Jährige, der einst kaum Deutsch sprach, hatte unterwegs die Vokabel „Geschlechtsverkehr“ aufgeschnappt, ohne deren Bedeutung zu verstehen. Als ein Fahrgast einstieg, meinte Lefty: „Auf der Straße herrscht aber heute viel Geschlechtsverkehr.“

Einmal gab es in der Gabelsberger Straße eine Umleitung, so dass das Taxi einen längeren Weg nehmen musste, um einen Gast zum Ziel zu befördern. Der jedoch wollte nur für die kurze Strecke bezahlen – und gab Lefty fünf D-Mark. Dieser Betrag war an der Gesamtschule laut Taxameter jedoch aufgebraucht. Dort bat der Fahrer den Gast, auszusteigen und den Rest zu Fuß zu gehen. Er stieg auch aus, trat jedoch mehrere Beulen in das erst einen Monat alte Taxi für 40 000 D-Mark. Lefty schmierte dem Fahrgast eine, worauf dessen Brille zerbrach und ihn neben dem Auge verletzte. Deshalb fuhr er ihn sogar ins Krankenhaus. Der Fahrgast zeigte ihn zunächst an, zog die Anzeige aber wieder zurück. „Heute sind wir die besten Freunde“, berichtet Lefty schmunzelnd.

Ein Herz für Tiere

Ein anderes Mal musste er eine ältere Dame, die zu tief ins Glas geschaut hatte, zu Hause ins Bett bringen. Er hatte aber auch Fahrgäste, die sich nachts zum Flughafen kutschieren ließen und mehr als 30 Euro dafür investierten, um sich dort mit einer oder zwei Flaschen Schnaps einzudecken. Dafür hat Lefty kein Verständnis. Er ist täglich 16 bis 17 Stunden im Einsatz und kommt an Wochenenden nicht vor 2.30 Uhr ins Bett.

„Gewiss wollten auch schon viele Frauen unterwegs mit mir anbandeln“, erinnert er sich. Das seien gefährliche Situationen. Deshalb bittet Lefty weibliche Fahrgäste stets, auf der Rückbank Platz zu nehmen. Wieder andere Frauen lassen sich erst fahren, behaupten später, kein Geld dabei zu haben und bieten Lefty dann Sex als Gegenleistung an. Das sind Momente, in denen der Taxifahrer die Welt nicht mehr versteht.

Eines Tages verkroch sich ein kleines Kätzchen in sein Taxi, weil die Tür offen stand, während Lefty seinen Fahrgast suchte. Überall fragte er erfolglos herum, wem das Kätzchen gehöre. Es stellte sich heraus, dass es bei einem Tiertransport am Frankfurter Flughafen ausgebüxt war. Lefty nahm es mit nach Hause. Er und seine Frau hatten lange Jahre Freude an der asiatischen Wildkatze namens Caddy.

Dann wieder begegnete Lefty unterwegs zwei kleinen Jungen, die ein kleines Kätzchen am Schwanz durch die Luft schleuderten. Er hielt an, drückte ihnen 20 D-Mark in die Hände und nahm auch dieses Tier mit nach Hause. Dessen Augen waren entzündet, es war voller Ungeziefer, weshalb am nächsten Tag der Tierarzt kam. Diese Katze namens Nora behielt das Paar ebenfalls und zog sie groß.

Aber auch mit einer Drogenschmugglerin aus der Dominikanischen Republik, die Lefty in die Schweiz fahren sollte, schloss er Bekanntschaft. Sie wurde an der Grenze verhaftet, der Taxifahrer bekam aus einem Koffer voller Geld und Drogen sein Honorar für die Fahrt – und trat den Heimweg an.

Er hat unterwegs schon erlebt, dass sich Pärchen nach Festen auf der Rückbank liebten, aber auch, dass Fahrgästen im Taxi übel wurde oder sie die Sitze einnässten. Dann steht das Taxi wegen einer Grundreinigung des Innenraums für einige Tage still. „Normalerweise kostet sie 300 bis 400 Euro. Aber wir kennen alle unsere Kunden, das an sie weiterzugeben, können wir ihnen nicht antun.“

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