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"Bruch von Gravenbruch": Wo Molch und Kröte gerne leben

Von Hessen Forst hat im „Bruch von Gravenbruch“ ein Becken ausgehoben, dort konnten sich Grundwasser und das Nass der Luderbachaue ansammeln. Es herrschen ideale Bedingungen für Amphibien. Die Initiatoren hoffen, dass sich vor allem Kröten und Frösche ansiedeln.
Naturschutz wird großgeschrieben: Hinweisschilder weisen auf das besonders geschützte Gebiet im „Bruch von Gravenbruch“ hin. Bilder > Foto: Leo F. Postl Naturschutz wird großgeschrieben: Hinweisschilder weisen auf das besonders geschützte Gebiet im „Bruch von Gravenbruch“ hin.
Neu-Isenburg. 

Der Landesbetrieb HessenForst sieht den Wald und die ihn umgebende Landschaft nicht nur als Wirtschaftsfläche, sondern hat auch ein Herz für den Naturschutz. Nach der Ausweisung von „Kernflächen“, hier werden außer Maßnahmen für die Verkehrssicherungspflicht keine weiteren Eingriffe vorgenommen, bemüht sich HessenForst auch um weiteren Naturschutz. Mit dem Gehspitzweiher und dem „Bruch von Gravenbruch“ liegen auf Neu-Isenburger Gemarkung gleich zwei bedeutende Naturschutzgebiete. Jetzt wurde im „Bruch von Gravenbruch“ ein weiterer Lebensraum für Amphibien geschaffen.

Strengere Überwachung

Anfänglich umfasste das im Jahr 1984 unter Schutz gestellte, ausgedehnte Feuchtgebiet westlich von Gravenbruch eine Fläche von 77 Hektar. Im April 2008 war es auf Antrag der Stadt um südwestlich angrenzende Wald- und Wiesenflächen, deren Kern die Erlenbachaue (Luderbachaue) bildet, auf insgesamt 93,5 Hektar erweitert worden. Damit zählt der „Bruch von Gravenbruch“ neben der „Luderbachaue von Dreieich“ zu den bedeutendsten Schutzgebieten des Kreises Offenbach. Innerhalb der Flächen des ursprünglichen Schutzgebietes besteht zudem seit 2007 der Status Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Gebiet. Der gesamte Bereich zeichnet sich durch hohen Grundwasserstand aus – der Name „Bruch“ ist ein anderer Begriff für Sumpf. In den nassen Waldbereichen gibt es zahlreiche Kleingewässer, die für die Amphibienwelt von großer Bedeutung sind. Die große und kleine Eirundwiese, die ebenfalls in diesem geschützten Gebiet liegen, sind auch floristisch von besonderer Bedeutung.

Im Wald südlich der L 3117 von der Hugenottenstadt nach Gravenbruch, wo bis vor zwei Jahren noch ein nach Kriegsende erbautes und lange Zeit „geduldetes“ Haus stand, wurde von HessenForst jetzt ein kleines Amphibien-Refugium angelegt. Im Zuge der strengeren Überwachung von Naturschutzgebieten und dem Einbezug des „Bruch von Gravenbruch“ in das europaweite Programm „Natura 2000“ wurde auch dem Hauseigentümer des Anfang der 1950er Jahre ohne Baugenehmigung errichteten Hauses, eine Weitervererbung untersagt. Nach dem Tod des letzten Eigentümers wurde das Haus in wahrlich idyllischer Lage nun zurückgebaut.

Sumpfige Waldlichtung

Anstatt eine brache Fläche zu hinterlassen, ließ HessenForst einen Amphibienteich anlegen. Auf einer Fläche von rund 20 Metern Länge und 10 Metern Breite wurde der Boden leicht ausgehoben. Dieses kleine Becken hat sich nun mit Grundwasser und dem Überlaufwasser des vorbeifließenden Luderbaches aufgefüllt. Dort sollen sich künftig nicht nur Molche und Frösche im flachen Gewässer wohlfühlen, sondern in der Folge auch Wasserkäfer, Wanzen und Libellen. In der sumpfigen Waldlichtung sind dafür ideale Voraussetzungen gegeben.

Die Naturschutzverbände und auch die städtischen Biologen, die das Naturschutzgebiet mit betreuen und ein Auge auf die Einhaltung der strengen Verhaltensregeln haben, hoffen freilich, dass vor allem Frösche und Kröten das neue Gewässer schnell annehmen werden und nicht mehr über die stark befahrene L 3117 wandern müssen, um ihr bisheriges Laichgewässer auf der „Müllerwiese“ zu erreichen. Jedes Frühjahr sammeln täglich engagierte Naturschützer die an den eigens vom Dienstleistungsbetrieb errichten Amphibienleiteinrichtungen „gestrandeten“ Amphibien ein, um sie auf die andere Straßenseite zu bringen.

In Neu-Isenburg ist das Engagement zum Wohle des Naturschutzes insbesondere mit Ernst Böhm, der maßgeblichen Anteil an der Ausweisung des Naturschutzgebietes „Bruch von Gravenbruch“ hatte, sowie mit Heinz Kapp, Vorsitzender Nabu-Ortsgruppe und Vogelschutzbeauftragter, und ihren Mitstreitern verbunden.

„Ob Gehspitzweiher oder ,Bruch von Gravenbruch‘ – ohne das jahrzehntelange Engagement und Wirken, wäre die Region um einiges ärmer. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass ökologisch bedeutsame Flächen auch als solche erkannt und geschützt werden“, betont denn auch Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel.

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