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Ein Meisterwerk der Technik: Wo einst das Wasser herkam

Von Dank des Heimatvereins wurde der Waldborn in den 1970er Jahren rekonstruiert. Das Wasser fließt heute wegen des gesunkenen Grundwasserspiegels etwas langsamer als einst.
Anneliese Krichbaum zeigt einen der geborgenen Wasserkrüge. Bilder > Foto: Carmen Erlenbach Anneliese Krichbaum zeigt einen der geborgenen Wasserkrüge.
Mörfelden-Walldorf. 

In Mörfelden brachte der Storch früher die Babys aus dem Waldborn. An diese alte Legende erinnert sich kaum jemand. Nicht jeder weiß, wo sich der Vergangenheitszeuge befindet. Dabei ist die überbaute Quelle ein lohnendes Ausflugsziel.

Zum 40-jährigen Bestehen des Heimatvereins Mörfelden erinnert Vorsitzende Anneliese Krichbaum an die Bedeutung des Quellbrunnens im freien Feld sowie die Rekonstruktion des ihn schützenden Gebäudes als erstes Großprojekt des 1977 gegründeten Heimatvereins. Im September 1979 wurde der Waldborn eingeweiht.

Krichbaum erzählt, dass der Waldborn einst völlig verschwunden war. „Nur die alten Leute wussten noch, wo er sich befand.“ So hatte sich der damals noch junge Heimatverein die Wiederentdeckung der Anlage aus dem 16. Jahrhundert auf die Fahne geschrieben, nachdem Experten in den 1970er Jahren um den beschriebenen Standort historische Scherben gefunden hatten.

Im Frühjahr 1978 wurde der Born ausgegraben. Seine quadratische und intakte Brunnenkammer von 2,40 mal 2,40 Meter aus Langener Bruchstein sowie der Überlauf über ein unversehrtes und 3,45 Meter langes Holzrohr aus einem durchbohrten Kiefernstamm in einen runden, aber zerstörten Schöpfbrunnen waren noch vorhanden.

Der Weg dorthin

Der Waldborn ist leicht zu finden. Der zu ihm führende Feldweg ist jedoch lediglich für Fahrzeuge der Land- und Forstwirtschaft freigegeben.

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Von dem Born war das Wasser von guter Qualität einst in Holzrohren, später durch Tonrohre zur Fernwasserversorgung bis zum Jagdschloss Mönchbruch transportiert worden. Überreste der Rohre wurden bei Bauarbeiten in Mörfelden gefunden – als das Waldstadion angelegt wurde, aber auch in der Lang- und Bachgasse.

Nach historischer Vorlage

Das heutige Gebäude, das den Born schützt, wurde laut Krichbaum nach historischen Vorlagen von einer Fachfirma rekonstruiert. Die Kosten trug die Stadt. Mitglieder des Heimatvereins hatten die Anlage zuvor freigelegt. Der inzwischen gestorbene Ernst Schulmeyer fertigte die Eichentür für den Born an, der Zimmermann Georg Geiß die Holzkonstruktion des Daches.

Zwar fließt das Wasser nach Angaben von Krichbaum wegen des gesunkenen Grundwasserspiegels heute langsamer als einst, aber die Quelle ist immer noch vorhanden. Ihr Wasser jedoch findet keine Verwendung mehr. Bei dem Born handelt es sich um eine gefasste Grundwasserquelle. Sie ist das einzige Beispiel einer frühen zentralen Wasserversorgungsanlage in der Region und Zeuge einer technischen Meisterleistung in einstiger Zeit.

Anfang des vorigen Jahrhunderts wurde das verfallene Bauwerk des Waldborns abgebrochen und sein etwa 100 Quadratmeter großes Areal als Grabland genutzt. Lediglich die alten Grenzsteine blieben übrig. 1976 regte der Heimatforscher Hans-Peter Schulmeyer an, den Waldborn auszugraben und wieder herzurichten. Ein Privatmann, der das Areal von der Stadt gepachtet hatte, zeigte sich ebenso wenig begeistert wie die Kommune selbst. 1977 wurde der damalige Kreisdenkmalpfleger eingeschaltet und holte die Stadt mit ins Boot. Sie überließ dem Heimatverein das Waldborngelände kostenfrei.

Ein Teil der ursprünglichen und kurz vor 1550 erbauten Anlage mit einstigem Tonnengewölbe zum Schutz vor Lichteinwirkung und somit Algenbildung stammt laut Untersuchungen aus der spätfränkischen Zeit. Einige ausgegrabene Scherben ließen sich der „Pingsdorfer Ware“ (einstiges Töpferzentrum im Kreis Köln) zuordnen, die zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert in Gebrauch war. Andere Scherben stammen aus der Zeit um 1200 und aus der Umgebung von Dieburg.

Gefunden wurden bei den Ausgrabungen auch ein Heilwasserkrug aus Niederselters sowie ein Krug aus Bad Ems aus der Zeit zwischen 1803 und 1866. Die Scherbenfunde beweisen, dass an der Quelle bereits um das achte Jahrhundert Wasser geschöpft wurde. Erstmals erwähnt wurde die Anlage in der „Mörfelder Bürgermeister Rechnung De Anno 1658“ aus der Zeit kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg, als in dem zerstörten Dorf nur noch wenige Menschen lebten. Erst 1694 gab es wieder 159 Einwohner.

Aus 10 000 Rohren

Finanziell war nur der damalige Landesherr in der Lage, die Anlage in Form eines Sinkwerks zu bauen. Sie wurde um 1550 mit der Mörfelder Burg errichtet, die nach dem Dreißigjährigen Krieg weitgehend zerstört war. Später versorgte der Born über eine Holzleitung aus etwa 400 Kiefernstämmen auch die zwei Mörfelder Ziehbrunnen im Ober- und Unterdorf. 1730 bis 1732 erbaute Landgraf Ernst Ludwig das Jagdschloss. Er ließ die fünf Kilometer lange Tonleitung aus etwa 10 000 jeweils 60 Zentimeter langen konisch geformten Rohren nach Mönchbruch für den Betrieb eines Springbrunnens – der Überlieferung nach in Form eines wasserspeienden Hirschs – bauen.

1791 wurden Säuberungsaktionen vorgenommen, damit tote Kröten das Leitungssystem nicht verseuchten. Bürgern, die es ehrenamtlich reinigten, wurden Wein und Brot spendiert. 1825 wurde gemäß einer alten Rechnung für 15 Gulden ein Schaden an der erstmals erwähnten Wasserleitung behoben.

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