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Bericht: Zeuge: So habe ich den Mord in Mörfelden-Walldorf erlebt

Er hat den Schuss gehört und war als Erster bei dem 43-jährigen Opfer, das neben seinem Auto zusammengesackt war. Bis heute hat der Augenzeuge des Mordes an einem Familienvater das Geschehen nicht verarbeitet.
Der Tatort: Hier wurde im August der 43-jährige Familienvater erschossen, als er dabei war, seine kleine Tochter im Auto anzuschnallen. Der Tatort: Hier wurde im August der 43-jährige Familienvater erschossen, als er dabei war, seine kleine Tochter im Auto anzuschnallen.
Mörfelden-Walldorf. 

Im vergangenen August erschütterte ein brutaler Mord am helllichten Tag Mörfelden-Walldorf. Ein 43-jähriger Familienvater wurde auf offener Straße hinterrücks erschossen. Ein Augenzeuge, der anonym bleiben will, berichtete dieser Zeitung nun Details von der Tat.

„Es war gegen 8.45 Uhr, ich lag noch im Bett, da ich an dem Tag frei hatte, als ich einen Knall hörte“, sagt der Augenzeuge. Zuerst hielt er das Geräusch für die Fehlzündung eines Autos. „Dann hörte ich jedoch gleich darauf einen Schrei.“ Sofort sprang er aus dem Bett, und nach einem kurzen Blick aus dem Schlafzimmerfenster rannte er auf die Straße. Der Familienvater saß auf dem Boden an seinen BMW gelehnt. „Das war das erste, was ich sah. Ich rannte hin und wusste sofort, da stimmt was nicht.“ Ein Nachbar kam dazu. „Zuerst waren wir beide ratlos, dann haben wir ihn in eine stabile Seitenlage gebracht“, berichtet der Augenzeuge weiter. Dann fragte er die Frau des Opfers, die wie gelähmt auf dem Gehweg stand, was passiert sei. „Sie sagte, dass ein Mann mit dunkler Haut und einer Kapuze, die sein Gesicht verdeckte, eine Pistole in der Hand gehabt habe. Er habe einen Schuss abgegeben und sei danach sofort wieder weggerannt.“

Blut war nirgends zu sehen

Diese Beschreibung diente den Ermittlungsbehörden als Grundlage für einen Fahndungsaufruf und ein Phantombild.

„Keine fünf Minuten später trafen die ersten Polizeibeamten am Tatort ein, nach 15 Minuten kreiste ein Hubschrauber über uns. Seine Tochter, die er gerade angeschnallt hatte, saß noch im Auto. Sie sagte immer wieder ,Papa krank’. Ich habe mir das Kind geschnappt und es meiner Frau übergeben“, schildert der Augenzeuge.

Im Gespräch ist ihm anzumerken, dass er das Ganze auch heute, nach mehreren Monaten, noch nicht verarbeiten kann.

„Die Tagesmutter der Kleinen kam kurz darauf und kümmerte sich um das Mädchen“, berichtet er weiter. „Wir haben dann den Mann untersucht, Blut war nirgends zu sehen“, fährt er fort. Ein kleines Einschussloch am Schulterblatt hinten links, mehr sei nicht zu sehen gewesen. „Als wir ihn hinlegten, hatte ich etwas gehört, das wie ein tiefes Ausatmen klang, danach nichts mehr.“ Puls war bei dem Familienvater nicht mehr zu fühlen. Mittlerweile waren Rettungssanitäter und der Notarzt eingetroffen. Sie trugen den Familienvater in den Rettungswagen. „Nach einiger Zeit kam der Notarzt heraus, langsam, ohne Eile. Da wusste ich, dass er nichts mehr tun konnte.“ Der Mediziner ging zu der Frau des Opfers, sprach mit ihr. „Dann hat die Frau kurz geschrien“, schildert er diesen dramatischen Moment. Auf die Nachfrage, ob ihn schnelle Erste Hilfe hätte retten können, sagte der Notarzt, dass es bei solchen Schussverletzungen zwar nur ein kleines Loch gebe, aber im Körper entwickele das Geschoss eine verheerende Wirkung. Dabei sei das Herz völlig zerstört worden. Auch er als Notfallmediziner hätte hier nichts mehr machen können. „Für mich sah das aus wie eine Hinrichtung“, erklärt der Augenzeuge. Etwa eine halbe Stunde nach der Tat hatten sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite etwa 20 Männer versammelt. „Sie waren so zwischen 30 und 40 Jahre alt, tätowiert, alles südländische Typen“, beschreibt sie der Augenzeuge. „Die wollten bestimmt nachsehen, ob die Sache erledigt ist“, vermutete er.

Eine Einschätzung, welche die Staatsanwaltschaft nicht bestätigte. Nach Einschätzung der Ermittlungsbehörde seien das lediglich Schaulustige und Familienangehörige des Opfers gewesen.

„Das war traumatisch“

„Später nahmen Beamte dann meine Aussage auf. Zudem wurde ich von den Ermittlungsbehörden auch als Opfer eingestuft. Damit habe ich Anspruch auf professionelle Opferseelsorge. Das war schon traumatisch“, schildert der Augenzeuge.

Vonseiten der Ermittlungsbehörden wurde bestätigt, dass diese Aussage, auch in das Gesamtbild mit eingeflossen sei, auch wenn der Augenzeuge über den Täter kaum Angaben machen konnte.

„Das ist ganz merkwürdig, irgendwie geht das alles nicht an mich ran – ich nehme an, noch nicht“, schildert der Augenzeuge seine Gefühle. „Aber ich fürchte, irgendwann wird es hochkommen.“

Noch ist der Mörder nicht gefasst, liegen die Motive im Dunkeln. Gerüchte wie das von einem Boulevardblatt in Umlauf gebrachte, dass es ein Mord im Rockermilieu gewesen sei, erwiesen sich laut Staatsanwaltschaft als falsch. Die damals sofort eingerichtete Sonderkommission der Kriminalpolizei wurde mittlerweile in eine Arbeitsgruppe umgewandelt. Das bedeutet, dass weniger Beamte an dem Fall arbeiten. Dennoch wird weiter in alle Richtungen ermittelt. Je länger es dauert, desto schwerer wird es, erklärten die Ermittlungsbehörden.

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